Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 9.1998

Wien 1997: Glaubensvorstellungen und religiöse Praktiken im archäologischen Befund



Bericht über die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Wien 1997

Die Mitgliederversammlung fand am Montag, den 19.5.1997 um 18 Uhr im Rahmen der Arbeitssitzung bei der gemeinsamen Tagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung und der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte in Wien statt. Anwesend waren 40 Mitglieder und einige Gäste.

Bericht der Geschäftsführung

Die Sprecherin der Geschäftsführung berichtete zunächst über die Arbeit des Gremiums seit der Mitgliederversammlung 1996 in Leipzig. Zur Vorbereitung der Arbeitssitzung in Wien 1997 fanden zwei Sitzungen in Münster statt. Dabei wurden die Programmstruktur, die Schwerpunktthemen und die Grundsatzreferate aus dem Fach und relevanten Nachbardisziplinen festgelegt und die Kurzbeiträge für das Programm ausgewählt. Die Tatsache, daß in den letzten Jahren regelmäßig mehr Kurzreferate eingereicht wurden, als ins Programm aufgenommen werden können und daher Absagen notwendig sind, ebenso wie die Beschränkung der Redezeit auf 10 bis15 Minuten, stößt immer wieder auf Unverständnis und führt teilweise zu einer gewissen Verärgerung bei einzelnen der Betroffenen. Die Vorsitzende der Geschäftsführung regte deshalb an, in der Mitgliederversammlung ein Meinungsbild darüber herzustellen, ob eine Änderung der derzeit üblichen Programmstruktur gewünscht wird. Die anwesenden Mitglieder sprachen sich mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der derzeitigen Programmstruktur aus. Angeregt wurde, die Anzahl der Grundsatzreferate zu verringern.

Über den Stand der Mitgliederentwicklung berichtete H. Losert. Die Mitgliederzahl ist weiter steigend und beträgt derzeit etwa 330. Neben einigen Mitgliedern, deren aktuelle Adresse nicht mehr zu ermitteln ist bzw. die nicht mehr im Fach tätig sind, sind wenige Austritte altershalber zu verzeichnen.

Zur Herstellung des aktuellen Hefts der Mitteilungen der AG legte M. Untermann zugleich auch für A. Falk,der bei der Tagung nicht anwesend war, einen kurzen Bericht vor. Leider konnte das zur Tagung in Wien rechtzeitig fertiggestellte Heft infolge postalischer Probleme nicht ausgeliefert werden, was die Geschäftsführung außerordentlich bedauerte. Angesichts der Tatsache, daß die Herstellung verteilt auf mehrere Orte in der Bundesrepublik erfolgt, und daß seit dem Erscheinen des letzten Heftes im September weniger Zeit zur Verfügung stand als sonst, bleibt diese »Panne« entschuldbar. Die Mitteilungen sollen auch künftig, wie bisher, jährlich zu den Arbeitssitzungen erscheinen und dort gegen einen Unkostenbetrag abgegeben werden, sie können außerdem (aktuelles und bisher erschienene Hefte) auch bei A. Falk, Lübeck, bestellt werden.

Weitere Aktivitäten der Geschäftsführung waren die Vorbereitung einer Sondertagung zum Thema

»Archäologie und Bauforschung«

(Organisatoren: M. Untermann für die Geschäftsführung, U. Klein, Arbeitskreis für Hausforschung, H. Schäfer, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg). Die Tagung wird vom 14.-16.5. 1998 in Schwäbisch Hall stattfinden.

Über den Stand der Drucklegungsprojekte ‹ Tagungsband der Tagung in Bad Homburg 1993 und Tagungsband der Sondertagung in Tübingen 1995 ‹ berichteten G. Isenberg und die Berichterstatterin. Nach langen Anlaufschwierigkeiten ist die Drucklegung der Beiträge der Tagung in Bad Homburg (Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt) in einer Reihe des Instituts für Städteforschung Münster nun in Arbeit. Für den geplanten Tagungsband der Sondertagung in Tübingen liegt ein Teil der Manuskripte immer noch nicht vor, so daß die Veröffentlichung in der geplanten Form nicht gesichert ist

Nachtrag der Berichterstatterin:

Da bis zur Jahresmitte 1997 als letztem vorgesehenen Abgabetermin immer noch ein erheblicher Teil der Beiträge nicht als Manuskript vorlag, hat die Geschäftsführung beschlossen, auf die Publikation eines Tagungsbandes zu verzichten.

Die Grundsatzreferate und ein Bericht über die Veranstaltung werden in der ZAM, Heft 24, 1996, gedruckt werden.

Als Abschluß des Berichts der Geschäftsführung wies die Vorsitzende nochmals auf die Tagung »Medieval Europe« in Brügge vom 1. - 4. 10. 1997 hin. Die Beteiligung aus der BRD ist leider, soweit an den gemeldeten Referaten ablesbar, gering. Dies ist deshalb bedauerlich, weil die Quantität und Kompetenz der Arbeit der Archäologie des Mittelalters in Deutschland so im eropäischen Rahmen nicht angemessen repräsentiert sind.

Berichte aus dem Kreis der Mitglieder

Von einzelnen Mitgliedern wurden Berichte über die Arbeit verschiedener Gruppen, Vereinigungen und Arbeitskreise im Berichtsjahr vorgetragen. Dies waren:

Planung der Arbeitssitzungen 1998 und 1999

G. Wetzel übermittelte die Einladung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung, die nächste Sitzung im Rahmen der von diesem organisierten Tagung vom 9.-11.3.1998 in Neubrandenburg abzuhalten. Die Mitgliederversammlung stimmte dem mit großer Mehrheit zu, ebenso wie dem Rahmenthema »Stadt und Umland«, das von der Geschäftsführung vorgeschlagen wurde.

Im Jahr 1999 findet eine gemeinsame Tagung aller Verbände (»Deutscher Archäologenkongress«) in Heidelberg statt. Die AG wird im Rahmen dieses Kongresses eine Arbeitssitzung abhalten. Wie nach der Mitgliederversammlung bekannt wurde, ist ein gemeinsames Rahmenthema vorgesehen:

»Archäologie ‹ Naturwissenschaften ‹ Umwelt«

Die Mitglieder werden auf der nächsten Mitgliederversammlung über das Thema bei diesem Archäologenkongress entscheiden.

J. Oexle und H. Lüdtke sind an die Geschäftsführung mit dem Vorschlag herangetreten, von der AG eine Sondertagung »Zur Forschungssituation der Archäologie der Slawen« zu organisieren. Die MV sah mit großer Mehrheit hierzu keinen Bedarf, die Organisation von Sondertagungen soll jedoch grundsätzlich im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten fortgesetzt werden.

Finanzsituation der AG

Schließlich wurde als letzter Tagesordnungspunkt die finanzielle Situation der AG angesprochen. Die Tatsache, daß diese über keinerlei Mittel verfügt, erscheint für die weitere Arbeit problematisch. Referenten für Grundsatzreferate sind ohne das Angebot einer Unkostenerstattung immer schwieriger zu gewinnen, auch der Postversand über die bisherigen Verteiler erscheint nicht gesichert. Diskutiert wurde die Möglichkeit, einen freiwilligen Unkostenbeitrag formlos einzufordern, was auf wenig Zustimmung stieß. Angeregt wurde, einen Förderverein zu gründen. Die Geschäftsführung wird entsprechende Möglichkeiten bis zur nächsten Mitgliederversammlung prüfen.

Tübingen, im August 1997
B.Scholkmann
(für die Geschäftsführung)


Bericht über die Sitzung der Arbeitsgemeinschaft in Wien 1997

Glaubensvorstellungen und religiöse Praktiken im archäologischen Befund

Mit der Entscheidung für ein Thema aus dem Bereich der »Archäologie des Kults« für die Sitzung der AG in Wien hatte die Mitgliederversammlung in Tübingen 1995 eine gute Wahl getroffen, wie sich im Verlauf der Veranstaltung erwies. Das große Interesse an Fragestellungen und archäologischen Befunden zu Glaubensvorstellungen und religiösen Praktiken zeigte sich an der großen Zahl von Anmeldungen für Kurzvorträge. Wegen des von der Tagungsorganisation im Gesamtprogramm vorgegebenen zeitlichen Rahmens konnte bei der Sitzung nur ein Teil davon berücksichtigt werden.

Um das Thema zu strukturieren, waren von der Geschäftsführung vier Themenschwerpunkte vorgeschlagen worden. Hierzu wurden jeweils Grundsatzreferate vorgetragen, wobei nach Möglichkeit auch für das Thema relevante Nachbardisziplinen berücksichtigt werden konnten. Es schlossen sich die Beiträge aus dem Kreis der Mitglieder der AG und weiterer Teilnehmer an der Sitzung an. Sie sind in Kurzfassung in diesem Heft gedruckt, so daß sich der folgende Bericht auf eine zusammenfassende Bewertung der Referate zu den Themenschwerpunkten beschränken kann.

Die Berichterstatterin eröffnete die Tagung mit einigen einführenden und grundsätzlichen Bemerkungen zur Archäologie von Kult und Religion, einem Thema, das zusammenfassend bisher nicht behandelt worden ist, obwohl die Erforschung von Kultanlagen und Kultbauten ebenso wie von materiellen Überresten, deren Überlieferung von kultischen Vorstellungen bestimmt ist, wie zum Beispiel Bestattungen, nicht nur eine wesentliche forschungsgeschichtliche Basis, sondern auch ein Forschungsfeld von großer Bedeutung für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit darstellt.

»Wandel von Glaubensvorstellungen im christlichen Kult«

Das erste Schwerpunktthema konnte nur mit einem Grundsatzreferat aus dem Bereich der archäologischen Mittelalterforschung eingeleitet werden, da das religionsgeschichtliche Grundsatzreferat leider entfallen mußte. Die anschließenden vier Kurzbeiträge brachten aber wichtige Aspekte, wobei der Schwerpunkt bei der Spiegelung des Wandels von Glaubensvorstellungen im Grabbrauch lag.

»Grab und Glaube. Funeralkultur als Zeugnis von Glaubensvorstellungen«

Der zweite Themenschwerpunkt konnte durch drei Grundsatzreferate eingeleitet werden, die zum einen den Wandel des Bestattungsbrauchtums als Folge der Christianisierung im Frühmittelalter, zum anderen die Funeralkultur des hohen und späten Mittelalters und schließlich den Aspekt von Bestattungssitte und Mentalitätsgeschichte aufgriffen. Auch hier schlossen sich insgesamt vier Kurzbeiträge an, die jeweils thematische oder regionale Einzelaspekte zum Thema darstellten

»Frömmigkeit im Alltag«

Der dritte Themenschwerpunkt wurde mit zwei sich sehr gut ergänzenden Grundsatzreferaten aus Sicht der mittelalterlichen Alltagsgeschichte bzw. der Mittelalterarchäologie eingeleitet. Hier schlossen sich wiederum vier Kurzbeiträge zum Thema an, die das Thema aus unterschiedlicher Perspektive ergänzten.

»Archäologie des jüdischen Kultes«

Der letzte Themenschwerpunkt beschäftigte sich mit einer der nichtchristlichen Religionen des europäischen Mittelalters.

Besonders ertragreich war hier das Grundsatzreferat des Judaisten, dem wiederum ein Übersichtsreferat zu archäologischen Ergebnissen zur Seite gestellt werden konnte. Von den hier vorgesehenen Kurzbeiträgen entfiel einer bzw. wurde in das archäologische Grundsatzreferat integriert. Besonders aktuell war die Vorstellung der Ausgrabungen in der Wiener Synagoge.

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der jeweils an die Themenschwerpunkte mit Kurzbeiträgen sich anschließenden recht ausführlichen Diskussionen wurde auf die vorgesehene allgemeine Abschlußdiskussion verzichtet, obwohl sicherlich noch einige wichtige und grundsätzliche Aspekte hier hätten angesprochen werden können.

Die Sitzung der Arbeitsgemeinschaft kann als inhaltlich ertragreich und im Ablauf komprimiert bezeichnet werden. Dies ist sicher zum einen darauf zurückzuführen, daß das Thema für die archäologische Mittelalterforschung wichtig, bisher jedoch weitgehend unbearbeitet ist. Zum anderen hat sich die Strukturierung des Veranstaltung, nämlich die Gruppierung der Beiträge um Themenschwerpunkte sowie die Bündelung der Kurzbeiträge im Anschluß an Grundsatzreferate und schließlich das Bemühungen um Korreferate aus den angrenzenden Nachbardisziplinen erneut sehr bewährt.

Barbara Scholkmann


Kurzfassungen der auf der Sitzung der AG 1997 in Wien gehaltenen Vorträge

1. Franz Glaser

Das Grab des Alboin (1975) ­ Beitrag zu den Heiligengräbern in Kärnten

In Möchling bei Stein im Jauntal befand sich bis gegen 1874 das Grab des Alboin, des Gemahls der heiligen Hildegard von Stein. Das Grab zählte aufgrund seiner Gestaltung zu den eindrucksvollsten Heiligengräbern der österreichischen Monarchie. An dem Alboingrab wurde von katholischer Seite die erste archäologische Untersuchung Kärntens durchgeführt, um entgegen der protestantischen Auffassung die Historizität des Legendenberichtes der Hildegard von Stein indirekt zu beweisen. Dank der minutiösen Beschreibung anläßlich der Graböffnung ist das Denkmal heute zu rekonstruieren. Der ca. 2 m hohe, in zwei Bauperioden entstandene Grabbau trug ein 2,30 m hohes Schnitzwerk in Form einer spätgotischen Kathedrale. Dem Untersuchungsbericht zufolge fand man einen Sporn, einen Holzstab, Gefäßbruchstücke usw. und interpretierte die Objekte im Sinne der überlieferten Heiligenlegende. Nachdem der geschnitzte - inzwischen verschollene - Schrein an das Kunsthistorische Museum verkauft war, trug man den gemauerten Grabbau ab, barg die Knochen und Funde in einer Wandnische und setzte eine Gedenktafel. Bei der Öffnung der Wandnische im Dezember 1996 ergab sich, daß als Behälter für die Objekte ein kleiner verzierter, 65 cm langer Tonsarg diente. Beim Sporn handelt es sich um den Typ eines Radsporns, der nicht vor dem 14. Jahrhundert vorkommt. Das fragmentarische Gefäß ist ebenfalls spätmittelalterlich. Die Holzreste waren nicht aufbewahrt worden. Die Knochen stammen von vier Individuen.

Diese Ergebnisse sollen die Entstehung und Entwicklung anderer Heiligengräber in Kärnten (im besonderen jener des Domician von Millstatt, des Nonnosus von St. Peter im Holz und des Otwin von St. Georgen/Längsee) beleuchten.


2. Thomas Meier

Zwischen Stiftern und Heiligen - die Saliergräber im Speyerer Dom

Im Speyerer Dom wurden zwischen 1039 und 1125 alle vier salischen Kaiser (Konrad II. +1039, Heinrich III. + 1058, Heinrich IV. +1106, Heinrich V. +1125) sowie zwei Kaiserinnen (Gisela +1043, Bertha +1080) beigesetzt. In der gleichen Zeit durchlief der Gräberbereich fünf verschiedene Bauzustände. Diese ganz ungewöhnlich schnell aufeinander folgenden Umbauten bedürfen einer Erklärung. Sie sind im ikonographischen Gehalt der einzelnen Bauzustände, aber auch in den liturgischen Notwendigkeiten des Grabkultes zu suchen.

Wohl schon bald nach seiner Wahl zum deutschen König 1024 begann Konrad II., den Speyerer Dom als letzte der oberrheinischen Kathedralkirchen zu erneuern. Es entstand ein Schlüsselbau der Frühromanik von wahrhaft imperialer Qualität. Konrad II., der auch als zweiter Gründer der Speyerer Kirche gefeiert wurde, fand 1039 sein Grab am Ostende des Langhauses im Dom - ein ganz normales Stiftergrab, so möchte man meinen. Die durch den Baufortschritt erzwungene Lage des Grabes unmittelbar an der Vorkrypta führte jedoch zu einer Architekturikonographie, die die Heiligkeit des Bestatteten impliziert hätte. Diese Ikonographie stammt zwar aus vorromanischer Zeit, wurde aber noch im 11. Jahrhundert verstanden. Da eine solche Implikation offenbar nicht gewünscht war, mußte die gerade vollendete Vorkrypta nach der Beisetzung Konrads II. wieder abgebrochen werden, um einen Altar zwischen Grab und Krypta einschieben zu können und so die Topographie eines Stiftergrabes herzustellen. Zugleich entstand ein Schutzbau, der den Grabkult während der weiteren Arbeiten am Langhaus ermöglichen sollte.

Bei Vollendung des ersten Dombaus 1061 legte man einen nur leicht über das Schiff erhöhten und qualitativ abgehobenen Gräberbereich an. Er streicht offenbar die erhöhte Position des Kaisers gegenüber den Laien heraus, doch fehlt ihm besondere sakrale Qualität. Wohl in Folge seines Sieges über die sächsische Opposition 1080 begann Heinrich IV., den Speyerer Dom im wesentlichen neu zu errichten. In diesem Zusammenhang gestaltete er auch die Grablege neu. Diese Neugestaltung ist vor allem als Reaktion auf das Grabmal des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden im Merseburger Dom zu sehen, das Rudolf zum Märtyrer und damit Heiligen stilisierte.

Heinrich IV. versuchte sich jedoch nicht an einer konkurrierenden Kopie, sondern entwickelte einen vollkommen neuen Grablegetypus: Zunächst wurden die Saliergräber durch eine Sichtschranke in den Klerikerchor einbezogen, wie auch das Grab Rudolfs wohl von Anbeginn im Vierungschor lag. Über dem Gräberblock errichtete man die älteste sicher bekannte Tumba. Diese Tumba lehnt sich nicht nur ikonographisch an den Altar an, sondern nimmt auch die Stelle ein, die sonst dem Leutaltar zukam. Durch Kulthandlungen (Tücher, Aussetzung des Allerheiligsten) über der Tumba an den Jahrtagen wurden weitere Elemente des Altars auf die Tumba angewandt. War die Tumba in den Augen des Betrachters aber erst einmal in die Nähe des Altars gerückt, so wurden die unter dieser Tumba Bestatteten in Art einer Altarreliquie zu Heiligengebeinen stilisiert.

Unter Heinrich V. gab man wesentliche Teile dieser Ikonographie wieder auf; möglicherweise trug man damit dem veränderten Verhältnis zwischen Kaiser und Kirche nach Beilegung des Investiturstreits Rechnung. Am gravierendsten wirkte sich der Abbruch der Chorschranke aus, die man durch einen höher gelegenen Lettner östlich der Gräber ersetzte. Zugleich wurde der Gräberbereich zwar deutlich angehoben, doch blieb sein Niveau unter der halben Differenz zwischen Langhaus und Chor. Beide Maßnahmen schließen die Gräber also vom Klerikerchor aus und ordnen sie dem Laienteil im Langhaus zu. Wie schon nach 1061 betont die Gestaltung der Gräber auch jetzt wieder nur die über die Laien erhöhte Position des Kaisers, ohne damit sakrale Aussagen zu treffen.


3. Manfred Lehner

Grabraub, Bautypus, Bestattungssitte ­ Ausdruck religiöser Vorstellungen am Beispiel der Grazer Leechkirche?

Die Ergebnisse der Grabungen (1991 - 1994) liegen mittlerweile in »Fundberichte aus Österreich« Materialhefte A4, 1996, S. 19-157 vor. Dort war nicht Platz, um auf weiterreichende Fragen der Religions- und Geistesgeschichte einzugehen, wozu der Referent sich auch nicht berufen fühlt. Das Referat sollte aus archäologischer Sicht anhand dreier Streiflichter aus der Grabung über deren aus dem Befund mögliche Interpretation als Ausdruck ganz bestimmter menschlicher Tätigkeit hinaus Ansatzpunkte für die Beantwortung der Frage »Warum so und nicht anders ?« aufzeigen, wobei religiös bzw. liturgisch motivierte Beweggründe gegen praktische oder ästhetische abzuwiegen sind.

1. Die Leechkirche steht auf einer kreisrunden Erhebung, die im Kern den Stumpf eines hallstattzeitlichen Grabhügels enthält. Dieser Tumulus wurde zweimal beraubt, das zweite Mal mittels eines riesigen Grabens, der tief unter die Sohle des Hügels reicht und unmittelbar darauf wieder verfüllt wurde, um den Tumulus als Bauplatz herzurichten. Schatzsucherei oder antiheidnisch dämonenabwehrende Untersuchung des zu heiligenden Baugrundes ?

2. Auf dem Leechhügel wurden übereinander zwei Rundbauten errichtet: Religiös motivierte Wahl des Bautyps durch den Bauherrn aufgrund der vorgegebenen Zweckbestimmung der Bauten, ästhetische Gesichtspunkte des Baumeisters oder schlicht Anpassung an die spezielle Topographie?

3. Insgesamt wurden 46 neuzeitliche Bestattungen geborgen. Sind die verschiedenen Armhaltungstypen der Bestatteten chronologisch zu reihen und auf den Wandel von Bestattungsriten zurückzuführen? Die Fläche außerhalb der Kirche wird seit dem 16. Jahrhundert als Friedhof genutzt. Zwei Gräberschichten sind archäologisch zu trennen, eine frühere, deren Bestattungen nach Osten ausgerichtet sind und eine spätere des 17. Jahrhunderts, die ihre Toten radial der Kirche zugewendet: Neue Vorschriften der Begräbnisliturgie oder frühbarocke Friedhofsgestaltung ?


4. B. Friedel

Vohburg/Donau - Wandel in den Bestattungssitten vom 16. zum 17./18. Jahrhundert?

Bei den Grabungen 1981 in der Vohburger Pfarrkirche St.Peter wurden auch 15 neuzeitliche Gräber aufgedeckt. Trotz der geringen Anzahl kristallisierten sich zwei Gruppen heraus:

Allgemein bestätigt sich hier die Feststellung, daß im 16. Jahrhundert das Wiedereinsetzen von Innenbestattungen in Kirchen beobachtet werden kann. Gleichzeitig wurden die Gräber wieder mit Beigaben ausgestattet.

Zu diskutieren ist


5. Falko Daim

Bestattungssitten und Mentalitätengeschichte

Das Konzept einer »Mentalitätengeschichte« wird der jüngeren französischen Geschichtsforschung verdankt. Mentalitäten sind dahei vom betreffenden Individuum nicht selbst reflektierbare Denk- und Gefühlsmuster, die sich im Laufe der Zeit nur langsam ändern, insoferne aber von großer Bedeutung sind, als sie allen Handlungsmustern zugrunde liegen. Das jeweils aktuelle Tun wird jedoch vom handelnden Individuum auf eine sehr zeitbezogene Art »logisch« erklärt. Die Begründungen, die der Mensch für sein Tun findet, sind weitaus stärker als die Handlungen veränderlich, scheinen für uns geradezu »Modeströmungen« unterworfen zu sein. Das mentalitätengeschichtliche Denkmodell läßt sich auf manche archäologische Phänomene gut anwenden.

Ein anderes Denkmodell, mit Hilfe dessen auffälliges Beharren auf traditionellen Kulturelementen und die oft sprunghafte Preisgabe anderer erklärt werden kann, zielt auf die Identifikationsstruktur einer Population und ihrer Kultur. Ähnlich wie bei der »Mentalitätengeschichte« wird hier nach einem Kulturmuster gesucht, dessen Hauptelemente stabil, ja geradezu starr gehalten werden, dessen dazwischen befindliche Teile jedoch rasch veränderlich sind. Für den Archäologen ist die (im Boden manifeste) Gesamtstruktur zu erkennen, und im Überblick einer längeren Entwicklung wird klar, welche Kulturelemente die kulturelle Identität des betreffenden frühgeschichtlichen Menschen ausmachten. Andere Elemente betreffen die aktuelle Kommunikation und sind raschen Wandlungen unterworfen.

Im Verlauf des Kurzreferates werden Beispiele für raschen Wechsel und Beharrung im frühmittelalterlichen Bestattungsbrauchtum gebracht und mentalitätengeschichtliche sowie identifikationsstrukturelle Interpretationen versucht.


6. Almut Schülke

Die »Christianisierung« als Forschungsproblem am Fallbeispiel der südwestdeutschen Gräberarchäologie

Die historischen Quellen zur »Christianisierung« Südwestdeutschlands sind spärlich. Seit über 150 Jahren hat sich die archäologische Frühmittelalterforschung mit dem Thema »Christianisierung« befaßt. Die Auswertung der materiellen Hinterlassenschaften war besonders von der Motivation getragen, »Lücken« in der historischen Überlieferung mit Hilfe von archäologischen Quellen zu verringern. Ein forschungsgeschichtlicher Überblick über die Entwicklung der Reihengräberinterpretation im Bezug auf das Thema »Christianisierung« zeigt, daß hauptsächlich folgende Punkte im Mittelpunkt des Forschungsinteresses standen: Welche Grabbeigaben, wie z.B. Fibeln, Gürtelschnallen oder Goldblattkreuze, könnten auf einen »christlichen« Einfluß oder sogar auf den »christlichen« Glauben der bestatteten Person schließen lassen? Und wann hat die »Christianisierung« stattgefunden?

Die Beschäftigung mit der Forschungsliteratur macht erstens deutlich, daß die in der Diskussion verwendeten Termini, wie z.B. »christlicher« Einfluß und »Christ«, nicht genauer definiert wurden. Zweitens stand bei der Frage nach der »Christianisierung« die Bedeutung von Einzelobjekten zumeist im Vordergrund. Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der archäologischen Quellengattung »Grab« sowie den Möglichkeiten und Grenzen ihrer Interpretation hat kaum stattgefunden. Im Zusammenhang mit dem Thema »Christianisierung« muß jedoch gefragt werden, inwieweit Grabfunde allgemein historisch interpretierbar sind, und inwiefern sie speziell zu Aussagen über Glaubensvorstellungen und religiöse Praktiken herangezogen werden können. Ansätze, die u.a. in der englischsprachigen »Contextual Archaeology« ihren Ursprung haben, zeigen Möglichkeiten der Bedeutung des Grabes als archäologische Quelle auf, die auch für die Frage nach der »Christianisierung« interessante Ansatzpunkte bieten.


7. Arno Rettner

Pilger ins Jenseits: Zu den Trägern frühmittelalterlicher Bein- und Reliquiarschnallen

Drei Neufunde von Beinschnallen aus dem Wallis (Kirchengrabungen Sion-Sous le Scex und Martigny-Pfarrkirche) bieten Anlaß, sich von neuem mit der Frage zu beschäftigen, für welchen Personenkreis diese ungewöhnlichen Trachtbestandteile des 6.-7. Jahrhunderts angefertigt wurden. Seit moderne Grabungsbefunde vorliegen etwa aus Augsburg-St. Ulrich und Afra oder Zurzach-St. Verena, wird in der Forschung zunehmend die Ansicht vertreten, es könne sich bei den Trägern um Kleriker handeln, sofern in einschlägigen Gräbern weitere Indizien wie etwa die Beigabe eines Stabes, Messerbestecke oder Waffenlosigkeit zum Gürtel hinzukommen. Ikonographisch, liturgisch oder kirchengeschichtlich ist diese Sichtweise allerdings kaum begründet, außerdem wäre die Zahl bislang bekannter Kleriker sehr gering. Deshalb soll neben der genannten Interpretation eine andere diskutiert werden: Weil vermeintliche »Kleriker« in auffälliger Weise bei Wallfahrtsorten (Saint-Quentin, Zurzach, Augsburg) oder in deren Umgebung (Saint-Maurice) beigesetzt sind und ihre genannte Tracht eine Frömmigkeitsform des späteren Mittelalters vorwegnimmt, könnten die Toten als Pilger anzusehen sein. Zwar ist sowohl lokale als auch überregionale Heiligenverehrung in den Schriftquellen als Massenphänomen bezeugt, doch hat die Archäologie bislang zu wenig mit einem greifbaren, individuellen Ausdruck im Grabbrauchtum gerechnet. Mit dem Vorschlag lassen sich nicht nur bestehende Widersprüche, etwa zum weiblichen Geschlecht mancher »Kleriker«, klären; er könnte auch dabei helfen zu erklären, wie unterschiedlich manche bronzenen Reliquiarschnallen und verwandte Formen aus der sogenannten Schnallengruppe D verbreitet wurden und wie ihre Bildinhalte zu verstehen sind. Daraus ergibt sich das Problem, wo die Grenze zwischen Pilger- und »Alltags«-tracht zu ziehen wäre, und es bleibt zu fragen, woran Angehörige des geistlichen Standes im Tode zu erkennen sind (Grabinschriften, Kelch und Patene).


8. Daniel Gutscher

Wandel und Konstanz - ein Überblick aus dem Grenzbereich der Bistümer Lausanne, Basel und Konstanz

Der archäologische Bestand im Durchdringungsgebiet antiker, gallorömischer, romanisch-burgundischer und alemannischer Siedlungskerne ist ausgesprochen reich und vielfältig.

Das in den letzten Jahren im Gebiet des heutigen Kantons Bern ­ er umfaßt den Osten des Bistums Lausanne, den Süden des Bistums Basel sowie den Westen des Bistums Konstanz ­ ergrabene mittelalterliche Material ist sehr reichhaltig. Üher 4.500 Bestattungen wurden in dieser Zeitspanne mit archäologischen Methoden ausgegraben und ausgewertet. Eine erste Übersicht zeigt, daß eine Vereinheitlichung der Bestattungsformen ­ und damit wohl auch der Riten ­ erst nach der Jahrtausendwende sich durchzusetzen vermochte.

Neben den allgemeinen Trends gilt es indes, auch einige Besonderheiten herauszustellen und in der Arbeitsgemeinschaft die Frage nach allfälligen Parallelen und deren Bedeutung bezüglich Grabbrauch zu stellen. Wie lange beispielsweise darf bei Gräbern mit Mäuerchen oder Einfaßsteinen von »more romano« gesprochen werden? Was bedeuten die schlichten Erdbestattungen mit gelochtem Brettdeckel des 10./ 11. Jahrhunderts? Es ist der Bedeutung der eng bandagierten Bestattungen des 11. Jahrhunderts nachzugehen. Ein vierter Abschnitt schließlich leitet über zu den Kinderbestattungen, den »Traufkindern« und der Bestattung totgeborener und nach Wiederbelebung getaufter Foeten, Neonaten und Kinder.


9. Susi Ulrich-Bochsler

Totgeborene - Ungetaufte - Traufkinder. Kontinuität/Diskontinuität von Glaubensvorstellungen und ihr Niederschlag im archäologischen Befund (Kirchengrabungen im Kt. Bern/Schweiz).

»Wenn es nur getauft gewesen wäre, so wollte ich nichts sagen...« So der Kommentar einer einfachen Frau aus dem bernischen Emmental des 19. Jahrhunderts beim Tod eines Kindes. Welch grundlegende Bedeutung diesem Ausspruch für die Interpretation nicht nur neuzeitlicher, sondern speziell auch mittelalterlicher Kinderbestattungen zukornmt, zeigt eine Studie an 22 bernischen Kirchengrabungen .

In einem ersten Teil wird mit einem Streifzug vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit (Kanton Bern) gezeigt, daß Kindergräber auffällige Tendenzen aufweisen in Bezug auf die Zahl, die topographische Lage und das Sterbealter der Kinder. Im Frühmittelalter sind Kinder untervertreten; Neugeborene sind selten, noch seltener sind Frühgeburten. Gerade diese wenigen Kleinstkinder werden jedoch häufig an guten Stellen begraben. Nach der Jahrtausendwende erfolgt eine massive Zunahme der Kindergräber. Festzustellen ist auch ein deutlicher Wandel, indem die Früh- und Neugeborenen den stärksten Anteil innerhalb der Kinder einnehmen. In der Neuzeit steigt die Zahl der Kleinstkinder weiter an.

Im zweiten Teil wird den Ursachen einzelner Muster nachgegangen, wobei den prä- und perinatal verstorbenen Kindern eine Schlüsselposition zukommt. Aus der Verknüpfung mit volkskundlichen und historischen Aspekten wird der Bedeutung der Taufe im Ablauf der Zeit nachgegangen.

Mittelalter: Das massierte Auftreten von Früh- und Neugeborenen an bestimmten Plätzen im Kircheninneren (Eingang, Weihwasserbecken, Altar, Taufstein) und zum Teil in den Friedhöfen deckt sich in auffälliger Weise mit verschiedenen Glaubensvorstellungen (Heiligenverehrung, Wiedergänger, Marienkult, Kult mit den armen Seelen, Fegefeuer und Limbus puerorum), die ihre Blütezeit im Spätmittelalter hatten. Im gleichen Zeitraum änderten sich auch die Jenseitsvorstellungen - es müssen Maßnahmen im Sinne einer Jenseitsvorsorge getroffen werden, denn nach mittelalterlicher Glaubensauffassung gehörten Nichtgetaufte nicht zur christlichen Gemeinschaft und waren von der kirchlichen Beisetzung ausgeschlossen.

Hilfsmaßnahmen: Nottaufe, Taufe im Mutterleib, Sectio, Taufe Totgeborener (Bsp.: Die Ausgrabung am Marienwallfahrtsort von Oberbüren/Kanton Bern). Für Kinder, die trotz all dieser Möglichkeiten ungetauft gestorben waren, blieb das (wohl heimliche) Bestatten im Innern der Kirche oder auf ungeweihten Plätzen im Friedhof .

Neuzeit: In den ab 1528 reformierten Gebieten unseres Raumes war die Taufe keine Bedingung mehr für ein Begräbnis im Friedhof. Die Reformation schuf zwar auf theologischer Ebene eine klare Zäsur, im Volk blieb das mittelalterliche und noch weiter zurückreichende Gedankengut jedoch hartnäckig bestehen. Man war nicht sicher, ob die Ungetauften nicht doch ein ungewisses Schicksal erwartete. Eine gewisse Jenseitsvorsorge schien weiterhin nötig. Die Ambivalenz ­ einerseits die Schutzbedürftigkeit, andererseits die Gefährlichkeit der Ungetauften ­ bewirkte das verbreitete Tradieren des Bestattungsbrauchtums und mündete in der Ausbildung der Traufgräber. Im Innern von Kirchen kann eine Kontinuität des Bestattungsbrauchs für früh- und neugeborene Kinder belegt werden.

Hilfsmaßnahmen: Das Bestatten unter der Dachtraufe der Kirche ­ die »Traufkinder« ­ und das Bestatten an den traditionell heilsfördernden Stellen im Kircheninnern.

Rückblick auf das Frühmittelalter: Im Frühmittelalter war die Kindestaufe zwar ebenfalls bekannt, die Neugeborenentaufe aber noch nicht üblich. Die Unsicherheiten der Kirchenväter über das Schicksal der Ungetauften wie auch die Gegebenheit, die Taufspende nur zweimal im Jahr durchzuführen, können u.a. als wichtige Gründe für die Untervertretung von Kindern dieser Altersklasse im frühmittelalterlichen Fundmaterial angesehen werden. Ungetaufte müßten damals im Prinzip häufiger gewesen sein. Gerade sie fehlen, wahrscheinlich weil man sie andernorts bestattete ­ es ist an das Weitertradieren vorchristlicher Bräuche zu denken (Hausbestattung ­ als missing link?) .

Fazit: Der Befund, daß Glaubens- und Jenseitsvorstellungen wohl die einflußreichsten Faktoren darstellen für die Art, wie und wo man verstorbene Kinder bestattete, hat natürlich weitreichende Konsequenzen bei der Diskussion von demographischen Strukturen (christlicher) Bevölkerungsgruppen.


10. Marcus Trier

Ein Pferdeopfer aus der merowingerzeitlichen Siedlung von Meerbusch-Strümp, Kr. Neuss

Im Süden von Meerbusch-Strümp wurde 1991 eine Siedlung der Merowingerzeit untersucht. Innerhalb dieser Niederlassung konnte ein außergewöhnlicher Befund aufgedeckt werden. Es handelt sich um ein W-O ausgerichtetes Grubenhaus mit einer zugehörigen N-S-orientierten Pferdedeponierung im Ostteil des Baus. Folgt man dem archäologischen Befund, so wurde die Opfergrube ausgehoben, anschließend mit einer Lehmschicht ausgekleidet und danach erhitzt. Auf diese Weise entstand eine verziegelte Tonwanne, die zu einer in dieser Form sonst nicht in Strümp heobachteten hervorragenden Knochenerhaltung führte. Die Erhitzung der Grube erfolgte vor der Deponierung des Opfertiers, da sich an den Knochen keine Hitze- oder Feuerspuren fanden. Unmittelbar nördlich des Pferdes wurde eine Feuerstelle aus rotverziegeltem Lehm von 0,55 m Durchmesser dokumentiert.

Das Tier war geschlachtet und in sieben Teile zertrennt worden, die im Sehnenverband lagen. Der osteologischen Untersuchung des Skelettmaterials zufolge handelte es sich um einen 12- bis 13 jährigen Hengst, der mit 1,6 m ±5 cm Widerristhöhe auffallend groß war. Nachdem der Hengst zerteilt worden war, hat man die einzelnen Partien sorgfältig, aber ohne Rücksichtnahme auf anatomische Zusammenhänge in die Grube gelegt.

Die aufwendige Deponierung des Hengstes legt nahe, daß die Handlung auf rituellen Motiven basierte. Verständlich wird sie auf dem Hintergrund der überwiegend während der Kaiserzeit und älteren Merowingerzeit in Mittel- und vor allem Nordeuropa geübten Sitte der Pferdeopfer. Der Beleg aus Meerbusch-Strümp markiert hierbei die zeitlichen Ausläufer dieses Brauchtums. Es ist nicht wahrscheinlich, daß der Meerbuscher Befund als ein Bauopfer zu interpretieren ist, das auf einen Wohn- bzw. Wirtschaftshau zu beziehen wäre. Vielmehr hat es den Anschein, daß das Grubenhaus im Zusammenhang mit der rituellen Tötung des Hengstes entstand. Der hierfür geschaffene Raum könnte daher als eine Art »cella memoria« zu bezeichnen sein. Denkt man an die nördlich des Pferdes erfaßte Feuerstelle, so entsteht der Eindruck, daß die etwas abseits der übrigen Bebauung stehende Konstruktion über einen längeren Zeitraum genutzt wurde.


11. Marion Roehmer

Profane Grabbeigaben des 14. Jahrhunderts aus dem Rheinland

Im Burgbereich der 1372 als erzbischöfliche Zollfestung gegründeten Stadt Zons am Rhein befand sich vor dem Datum ein urkundlich erwähnter Fronhof der Erzbischöfe von Köln. In den Jahren 1980/81 und 1986 konnte das Rheinische Amt für Bodendenkrnalpflege den innerhalb der späteren Burg gelegenen Teil dieses Hofgeländes archäologisch untersuchen. Es fanden sich an dieser Stelle die Fundamente einer Kirche, die als Eigenkirche des Hofes anzusprechen ist. Sie wurde viermal nacheinander an derselben Stelle jeweils vergrößert errichtet. Drei der vier Kirchenhauten konnten Phasen des umliegenden Gräberfeldes zugeordnet werden.

Die zunächst rund um die Kirche angelegten Bestattungen wurden ab dem späten 13. Jahrhundert im Bereich westlich der Kirche konzentriert. Innerhalb dieser zum Teil eng bei- und übereinander gelegten Bestattungen fanden sich in einer Schicht der Mitte des 14. Jahrhunderts drei mit Grabbeigaben. Es handelt sich dabei um profane Alltagsdinge, nämlich einmal um die Bronzeringe eines Zaumzeugs, zum anderen um zwei gläserne Glättsteine. Anthropologische Untersuchungen sicherten die Annahme, daß die besagten Gegenstände eng mit dem Leben der jeweiligen Person verknüpft waren. Sie sind Ausdruck eines Volksglaubens, zu dem sich im mittelalterlichen Rheinland Parallelen finden lassen, und der sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lebendig erhalten hat.


12. Bernd Thier

Religiöse Praktiken des Alltags im archäologischen Befund

Hinweise auf religiöse Praktiken des Alltags im archäologischen Befunde zu finden, stellt eine schwierige Aufgabe dar. Wie bisher alle Versuche, sich den Glaubensvorstellungen vergangener Epochen aus konkret erfaßbaren Relikten anzunähern, bewegt man sich dabei auf sehr schwankendem Boden. Wenn man sich in die Privatsphäre des Menschen begibt, ist mit höchst individuellen Glaubenvorstellungen und -ausübungen zu rechnen, die kaum zu kalkulieren und demnach auch kaum eindeutig zu erkennen sind. Ermittelt werden sollte für diesen Vortrag daher das außerhalb der Kirche offe gezeigte Bekenntnis zum Glauben. Unter dem Begriff »private Religiosität« wurden jene religiös belegten Handlungen zusammengefaßt, die im christlich-jüdisch geprägten Europa des Mittelalters und der Neuzeit außerhalb der Institution Kirche, ohne Mitwirkung von Geistlichen, eigenständig von Gläubigen ausgeführt wurden. Hinzuweisen war auch auf die Archäologie des Aberglaubens, ohne den private Religiosität des Alltags im Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht denkbar ist. Gerade das Spannungsfeld zwischen der Kirchenlehre und dem tatsächlich empfundenen Volksglauben bzw. »Parallelglauben« ist ein Aspekt, den man archäologisch erfassen kann. Auf diese Weise ist es außerdem möglich, zu neuen und eigenständigen Aussagen jenseits der durch schriftliche oder bildliche Überlieferung vorgeprägten Meinungen zu gelangen.

Private Religiosität fand an jedem beliebigem Ort statt, im Wohnbereich, bei der Arbeit sowie auf Reisen. Versucht man, einzelne Gruppen von Fundobjekten oder Befunden zu bilden, die Aussagen zur privaten Religiosität liefern, werden die unterschiedlichen Bereiche deutlich, in denen sie begegnen können. Eine grobe Einteilung ergibt zwei Gruppen: Dies sind zum einen jene Funde, die auf ortsfeste Verehrungs- und Andachtsstätten sowie Ausstattungselemente des Wohnbereichs mit religiösen Objekten und religiöser Symbolik hinweisen. Dies können Hausaltäre und deren Schmuck, Gedenksteine, aber auch Bauopfer sein. Zum anderen handelt es sich um »tragbares« Material, bestehend aus christlichen Attributen wie Rosenkränzen, Pilgerzeichen, kleinen Kreuzen oder Amuletten, die am Körper sichtbar oder unsichtbar getragen wurden. Sie ermöglichen zu jeder Zeit eine Verehrung, ein Gebet oder eine Andacht und können ihrem Träger das Gefühl von Schutz vermitteln. Außerdem weisen sie den Träger, in der Art eines Erkennungszeichens, als Angehörigen einer bestimmten Glaubensrichtung aus. Nach einer allgemein gehaltenen Materialvorstellung, die mit zahlreichen Beispielen und Themenbereichen ergänzt werden könnte, wurde deutlich, daß ein Thema wie die Erforschung religiöser Praktiken des Alltags im archäologischen Befund ein schwieriges Aufgabengebiet der Archäologie ist, welches sich gerade erst entwickelt. Die einzelnen Objekte spiegeln viele verschiedene Realitäten wider, je nach Fragestellung, Selektion, Betrachtung und Auswertung ergeben sich dabei zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten für Einzelfunde und Befunde, aber auch für Objekt- und Funktionsgruppen, ohne daß sich letztendlich eine konkret belegbare Interpretation ergeben wird. Erschwert wird dies durch die sich widerspiegelnden verschiedenen Mentalitätsebenen, die auf allgemeinen Anschauungen, Neigungen, Wünschen und Vorstellungen einzelner Individuen beruhen, die sich von kollektiven Zwängen im öffentlichen, nicht religiös bestimmten Leben deutlich unterscheiden. Daher sollte es bei der Erforschung des Themas aus archäologischer Sicht nicht nur um die Frage nach religiösen Praktiken gehen, sondern der Ansatzpunkt sollte bereits die allgemeine private Religiosität, die Vorstellungswelt der Menschen sein. Den angesprochenen Funden kommt daher immer auch ein symbolischer Gehalt zu, den es jedoch erst noch zu erschließen gilt.


13. Josef Unger

Votivgegenstände des 14. Jahrhunderts aus der Kirche St. Leonardus in Musov-Südmähren (Muschau)

Zwischen 1977 und 1979 führte das Museum in Mikulov (Nikolsburg) archäologische Forschung der Kirche des Hl. Leonardus in Musov (Muschau) durch. Zu den wichtigsten Funden gehören die Votivgegenstände, deren Datierung durch die Stratigraphie und eine Münze präzisiert wurde. Die Münze (Heller) wurde unter Markgraf Hans Heinrich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts geprägt. Unter den Votivgegenständen sind nicht nur verschiedene Handmodelle, Beinmodelle, Augenmodelle und Figürchen, sondern euch Kügelchen, Hufeisen, Hängeschlösser und Kreuzchen. Die Votivgegenstände hängen mit Wallfahrten zusammen und gehören zu den ältesten in Europa.


14. Stefan Fassbinder

Religiöse Anhänger und Medaillen als Spiegel barocker Frömmigkeit

Die barockzeitliche Frömmigkeit gehörte bisher nicht zu den bevorzugten Forschungsfeldern der Archäologie. Mein Beitrag soll zeigen, daß eine Auswertung archäologischer Objekte und der Einsatz archäologischer Methoden sehr wohl Beiträge zur Erforschung der Frömmigkeit des 17./18. Jahrhunderts liefern kann. Die Objektgruppe »religiöse Anhänger und Medaillen« aus archäologischen Befunden eignet sich aus mehreren Gründen für dieses Unterfangen: Die auf ihnen angebrachten Inschriften und Darstellungen spiegeln wichtige Teile (katholischer) Frömmigkeit wider. Als Massenware stellen sie eine Quelle dar, die sich für quantifizierende Analysen eignet. Wir können im 17./18. Jahrhundert mit einer sehr weiten geographischen und sozialen Verbreitung rechnen. Da die Objekte größtenteils aus Metall sind, erhalten sie sich normalerweise im Boden und sind in den meisten Fällen auch noch identifizierbar. Ihre damalige Häufigkeit und weite Verbreitung läßt vermuten, daß bei den oft recht zufällig gestreuten archäologischen Untersuchungen ein repräsentativer Ausschnitt des ehemals vorhandenen Materials erfaßt wird. Die Herkunft aus einer archäologischen Untersuchung erlaubt zumindest eine Verortung des erfaßten Phänomens der Frömmigkeit, oft auch eine zeitliche, gelegentlich eine soziale oder geschlechtliche Einordnung (Grabfunde). Trotz dieser Vorteile gibt es bisher nur sehr wenige, kleinräumige Versuche, diese Quelle unter historischen Fragestellungen auszuwerten. Mit zwei Beispielen sollen die Erkenntnismöglichkeiten der Objektgruppe aufgezeigt werden.

1. Gab es in der Barockzeit eine geschlechtsspezifische Heiligenverehrung? Bei einigen Grabfunden können die Medaillen aufgrund anthropologischer Bestimmungen männlichen oder weiblichen Gläubigen zugeordnet werden. Bei der Auswertung von 70 Heiligenbelegen aus geschlechtlich bestimmbaren Bestattungen zeigte sich, daß das Verhältnis männlicher/weiblicher/'neutraler' Heiliger bei männlichen und weiblichen Bestattungen fast identisch ist. Eine geschlechtsspezifische Auswahl im Heiligenkult ist somit zu verneinen .

2. Welche Wallfahrtsziele besuchten die Katholiken Südwestdeutschlands im 17./18.Jh.? Die Kartierung der von Südwestdeutschland aus im Barock aufgesuchten Gnadenstätten ließ verschiedene Räume erkennen. Der insgesamt durch Wallfahrten erfaßte Raum mit Südwestdeutschland als Ausgangspunkt reicht weit nach Osten bis Prag und vor die Tore Wiens, überquert die Alpen in Form der drei italienischen Wallfahrtsstätten, hört am Oberrhein auf und greift lediglich schütter ins Rheinland/Belgien aus. Gegenüber vielfältigen sakralen Beziehungen nach Altbayern und Österreich steht deren völliges Fehlen nach Frankreich und Franken. Ausgehend von den Wallfahrtsorten ließen sich zwei Großräume erkennen, die sich im südlichen Südwestdeutschland überschneiden: Einmal das Einzugsgebiet Einsiedelns, das die Schweiz, das südwestliche Baden-Württemberg und das Oberelsaß umfaßte, nicht jedoch das nahegelegene Österreich. Zum zweiten der Ausstrahlungsraum der österreichisch-altbayerischen Gnadenstätten, zu dem ganz Südwestdeutschland gehörte und zugleich die westliche und südwestliche Grenze bildete. Die Schweiz war nicht mehr Teil dieses Raumes.

Als Erklärung für die Kontakte nach Österreich böten sich die engen politischen Beziehungen zum Haus Habsburg an. Einer solchen auf die politischen Beziehungen konzentrierten Interpretation stehen jedoch zwei Punkte entgegen: Erstens war kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit der Orte mit Funden österreichischer Wallfahrtsandenken zu Vorderösterreich und der Belegdichte österreichischer Wallfahrtsziele festzustellen. Es war überhaupt insgesamt, abgesehen von der Grenze zu Frankreich, kein Territorialismus der Frömmigkeit zu registrieren. Zweitens werden mit dieser Interpretation die vielen Belege für Besuche bayerischer Wallfahrtsorte nicht erklärt.

Wahrscheinlich sind die festgestellten 'frommen' Räume eher Teil von Kommunikationsräumen. Die Kunde von neuen Gnadenstätten, von wundersamen Heilungen mußte zu den Gläubigen erst gelangen. Und dies geschah am schnellsten zwischen Regionen, die aufgrund intensiver wirtschaftlicher, politischer, militärischer oder kultureller Beziehungen einen engen und regen Kontakt pflegten. Im Fall der österreichischen Gnadenstätten waren die politischen Beziehun- gen zu Südwestdeutschland also nicht der Grund, sondern die Voraussetzung der sakralen Beziehungen. Wahrscheinlich war Oberbayern Teil dieses von Südwestdeutschland bis Niederösterreich reichenden Kommunikationsraums. Umgekehrt waren offensichtlich die Beziehungen zu Franken und Frankreich nicht dergestalt, daß sich daraus eine Kommunikation im Bereich der Frömmigkeit ergeben hat. Im Fall von Einsiedeln erscheint ein Zusammenhang von dessen Einzugsgebiet mit dem alamannischen Kulturraum plausibel.


15. Sven Schütte

Neue Überlegungen zur Bauentwicklung der Kölner Synagoge

Die Nachkriegsgrabungen auf dem Gelände der Kölner Synagoge 1956 sind noch nie abschließend vorgelegt worden, ebenso nicht die Erweiterungsgrabungen auf dem Rathausplatz 1968. Die Neubearbeitung des Materials im Zuge von Ausstellungsvorbereitungen haben nun erheblich erweiterte Kenntnisse erbracht, die zu einer Neubewertung und neu datierten Bauabfolge im Licht der Stratigraphien der letzten Jahre führten. Da die Kölner Judengemeinde mit ihrer Ersterwähnung im Jahre 321 n. Chr die älteste in Deutschland ist und mit einer ununterbrochenen jüdischen Gerneindetätigkeit bis 1194 gerechnet werden muß, kommt dem Bau und seiner Tradition sehr hohe Bedeutung zu noch vor den jüngeren Bauten in Worms und Speyer.

Die Wurzeln des Ursprungsbaus lassen sich bis in die Zeit der Niederlegung der Bauten des ehemaligen Prätoriums, bzw. der aula regia, d.h. in die Zeit um 800 zurückverfolgen und nunmehr phasenweise bis zur Vertreibung der Juden aus Köln 1424 aufgliedern und in der Bauentwicklung verfolgen.

Da der Boden der Synagoge bis zur Umwidmung als Ratskapelle stets nur aufgehöht wurde, lassen sich auch Innengliederung und damit kultische Nutzung eindeutig bestimmen. Der Wandel von der spätantiken Synagogentradition zur mittelalterlichen Synagoge wird am archäologischen Befund klar erkennbar.

Daneben konnte in jüngster Zeit mit Hilfe der Schriftquellen auch der archäologische Umgebungsbefund neu interpretiert werden, so daß heute eine vollständige Topographie des jüdischen Viertels mit Mikwe, Backhaus, Warmbad, Fest- und Tanzhaus, Hospital und weiteren Einrichtungen erstmalig präzise bestimmbar und in seiner Entwicklung vor die Pogrome Mitte des 14. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist.


16. Heidrun Helgert

Die spätmittelalterliche Synagoge auf dem Judenplatz in Wien

Seit Juli 1995 gräbt die Stadtarchäologie auf der westlichen Hälfte des Judenplatzes im 1. Bezirk Wiens die spätmittelalterliche Synagoge aus.

Historische Nachrichten existieren zu diesem Gebäude fast keine. Die erste schriftliche Erwähnung 1294 nennt den Schulhof, die Synagoge muß damals also schon gestanden sein. Nach dem Pogrom von 1420/21 wurde die Synagoge geschliffen. Bei der Ausgrabung konnte die gesamte Synagoge freigelegt und auch ein Teil ihrer unmittelbaren Umgebung untersucht werden.

Bei der Zerstörung waren die aufgehenden Teile der Gebäude fast vollständig abgetragen und auch ein großer Teil der Bruchsteinfundamente ausgerissen worden. Der Grundriß der Synagoge blieb trotzdem als negativer Abdruck erhalten.

In drei Bauphasen war die Synagoge vergrößert und vier Nebenräume angebaut worden. Zuletzt war sie zwischen 26,6 m und 28,2 m lang und an der breitesten Stelle mindestens 17,8 m breit. In den zentralen Raum, die Männerschul, waren bei der ersten Vergrößerung zwei fundamentierte Pfeiler in einer Reihe eingebaut worden. Die Männerschul wurde so zu einem zweischiffigen Raum mit sechs Jochen umgestaltet und war wahrscheinlich eingewölbt - ein Typus, der bereits von den mittelalterlichen Synagogen in Regensburg, Prag (Altneuschul) und Worms bekannt ist.

Die erhaltenen Synagogen von Prag und Sopron (Uj utca 22-24) geben eine Vorstellung vom Aussehen der Wiener Anlage: die niedrigen Nebenräume umgeben eine hoch auftragende, innen repräsentativ gestaltete Männerschul.

Verschiedene ausgegrabene Bauteile geben in Wien noch Auskunft über die sakrale und profane Innenausstattung: In der Männerschul sind aus zwei Bauphasen die Plattform und das Podest vor dem Thoraschrein erhalten, der in der Mitte der Ostwand stand. Zwischen den Pfeilern stand die Bima, das ist das Podium, auf dem aus der Thorarolle vorgelesen wurde. Die ältere Anlage hatte eine ovale Form, die jüngere war sechseckig. Für die Männerschul ist innen roter und für die Nebenräume weißer Verputz nachgewiesen.

Da das Gebäude, wie andere Synagogen auch, tiefer als das umgebende Straßenniveau gelegen ist, waren die Fußböden von der Schleifung nicht betroffen und sind ausgezeichnet erhalten geblieben. Auf den Böden von drei Räumen waren Keramikfliesen verlegt, die im nördlichen Raum auf der Bima ein geometrisches Muster bilden. In den Nebenräumen waren entlang der Wände niedrige, schmale Sitzbänke gemauert.

Die Synagoge wurde im Westen vom Schulhof und im Süden und Osten von Straßen begrenzt. Auf der östlichen Hälfte des Platzes wurden bei der Aufbringung eines neuen Straßenbelags die Bruchsteinmauern, ein Brunnen und Keller eines ganzen Häuserblocks, der zur Zeit der Synagoge hier gestanden war, gefunden.




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