3. Treffen der "Arbeitsgemeinschaft Stadtarchäologie"
der kommunalen Archäologen in Niedersachsen
Bereits zum dritten Mal traf sich am 11.Dezember 1992 die Arbeitsgemeinschaft Stadtarchäologie
der in Niedersachsen tätigen Kommunalarchäologen. Bei diesem Treffen geht es neben einem
allgemeinen kollegialen Austausch über das Problemfeld Stadtarchäologie vor allem um das
Vorstellen neuer Funde und Diskussionen zu jeweils einem aktuellen Thema - meist anhand mitgebrachter
Objekte.
Wie schon in den Jahren zuvor fand auch diese Zusammenkunft im Marschtorzwinger von Buxtehude statt.
Eingeladen haften in Gemeinschaft die Stadtarchäologie Buxtehude und die Stadtarchäologie
Uelzen. Auch Kollegen außerhalb der reinen Stadtarchäologie bereicherten durch ihre Teilnahme
wieder die Gespräche.
Nachdem im Jahr 1989 der Bereich Stadtmauer und -befundinterpretation Schwerpunktthema waren und im
Jahre 1991 Gebrauchsspuren und Gefäßidentifikation behandelt wurden, ging es 1992 um
Herkunfts- und Datierungsprobleme mittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik. In diesem Zusammenhang
wurden die Vergesellschaftung mit jeweils einheimischem Material und die Fragen nach Importströmen
erörtert.
Eröffnet wurde das Symposion durch Bernd Habermann (Stadtarchäologie Buxtehude) mit einer
Vorstellung verschiedener überwiegend aus dem Niederrheingebiet stammender Importfunde aus der
Buxtehuder Altstadt. Die damit verbundenen Fragen leiteten zugleich zu den verschiedenen Beiträgen
über.
Mitteldeutsche Steinzeugimporte aus Grabungen in der Uelzener Altstadt stellte Fred Mahler
Stadtarchäologie Uelzen) vor. Im Fundgut herrschten Waldenburger Humpen mit Wappenapplikationen vor.
Die Motive und die Art der Darstellungen weisen sie in die Mitte des 16.Jhs. Nach der Mitte des 17.Jhs.
läßt sich daneben auch Material Altenburger Provenienz nachweisen. Das mit Beerenauflagen und
Zinnmontierungen versehene Material wird von Westerwälder Steinzeug "abgelöst".
Handelsbeziehungen nach Mitteldeutschland bleiben trotzdem erhalten, wie Amstädter Fayencen des
ausgehenden 17.Jhs. andeuten.
Über ähnliche Fayencefunde aus Lüneburg berichtete Edgar Ring (Stadtarchäologie
Lüneburg). Er stellte insbesondere den Fortgang der Forschung um Herkunft, Datierung und
Verbreitung dieser Materialgruppe dar.
Marlies Konze (Stadtarchäologie Duderstadt) behandelte Westerwälder Steinzeugware aus Grabungen
an der Duderstädter Stadtmauer. Das Material datiert vom beginnenden 17. bis zum Ende des 18.
Jahrhunderts. Sie hob die Schlüsselrolle hervor, welche dabei die Duderstädter Jahrmärkte
für die Handelsbeziehungen spielten. Zum Schluß sprach sie noch kurz die Problematik der
Datierung von Steinzeuggefäßen mit Hilfe zeitgenössischer Gemälde an.
Berndt Wächter (Lüchow) berichtete von Funden aus der Weinbergburg in Hitzacker/Elbe. Die dort
gefundene Servicekeramik des 12.Jhs. aus dem Maasgebiet ist hier mit der zeitlich älteren
Pingsdorfer Ware vergesellschaftet und findet sich in Schichten aus der zweiten Hälfte des 12.Jhs.
und in Zusammenhängen mit dem frühen 13. Jahrhundert. Für die in der Region seltene
hellgelbtonige Keramik sind Analogien aus Schleswig, Lübeck und Hamburg bekannt, so daß eine
Handelsroute entlang der Nordseeküste und elbaufwärts angenommen werden kann.
Aus der Wurtengrabung von Neuwarfen, Gem. Wangerland, Kr. Friesland, stellte Johannes Ey (Institut
für Historische Küstenforschung in Wilhelmshaven) reichhaltiges Fundmaterial vor.
Die mittelalterliche Importkeramik dieser bäuerlich geprägten Siedlung wird bestimmt durch
eine weißtonige Variante bemalter Scherben Pingsdorfer Ware, aber auch Andenne Ware ist z.B. in
Form einer Kinderrassel vertreten gewesen.
Fayencefunde aus einem notuntersuchten Kloakenrest legte Diethart Meyer (Schwedenspeichermuseum Stade)
vor. Darunter befanden sich auch Amstädter Import und in chinesischem Stil bemalte, vermutlich
aus niederländischen Manufakturen stammende Fayencen. Das Gros setzt sich aus einfachen weißen
Tellern zusammen, deren Standringe jeweils einmal durchbohrt waren. Danach liegt der Schluß nahe,
daß dieses etwas bessere Gebrauchsgeschirr aus dem 18. Jh. häufiger ist als der
Publikationsstand z.Zt. noch erkennen läßt.
Für das nächste, voraussichtlich im Dezember 1993 stattfindende Treffen können noch
Themenvorschläge -möglichst bald- bei der Stadtarchäologie Buxtehude (Anschrift unten)
eingereicht werden.