Tagungsbericht

Nach der Tagung von 2001 in Brugg tagte die SAM 2001 zum ersten Mal in St. Gallen, auf Einladung des dortigen Kantonsarchäologen Martin Schindler. An der Tagung nahmen gegen 40 Mitglieder sowie Gäste teil.

Nach einer Begrüssung durch die Regierungspräsidentin des Kantons St. Gallen, Kathrin Hilber, stand zu Beginn der Tagung am frühen Freitagnachmittag die statutarische Mitgliederversammlung auf dem Programm. Nach 9 Jahren im Vorstand ist die Schreibende als Präsidentin auf Ende 2001 zurückgetreten. Zum neuen Präsidenten wurde Jacques Bujard, Denkmalpfleger des Kantons Neuenburg, gewählt. Neu in den Vorstand wurde Christine Keller gewählt. Orientiert wurde u. a. über den Kongress Tagung Medieval Europe 2002 in Basel sowie über die geplante Publikation der Akten der Tagung »De l'Antiquité tardive au Haut Moyen Age (300­800) ­ Kontinuität und Neubeginn« in der Reihe »Antiqua« der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte.

Nach der Mitgliederversammlung folgten verschiedene Vorträge zur Tagungsregion sowie erste Mitgliedervorträge. Schwerpunktthema der Mitgliedervorträge vom Samstagvormittag war »Kirchen und ihr Umfeld«. Am Samstagnachmittag führte Werner Vogler, Stiftsarchivar, durch Stiftsarchiv, Lapidarium und die Ausstellung »Kultur der Abtei St. Gallen«.

Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (SAM)

Bericht über die 27. ordentliche Jahrestagung am 26./27. Oktober 2001 in St. Gallen

Video «Archäologie als Ferienfach» ­ Hommage an Franziska Knoll-Heitz (1910­2001)

· Martin Peter Schindler, Die Kantonsarchäologie St. Gallen: gestern ­ heute ­ morgen.

· Christoph Reding, Stand der Mittelalterarchäologie in den Kantonen St. Gallen und Appenzell ­ Ein Überblick.

· Benedikt Zäch, Oberitalienische Münzen in der Ostschweiz: eine mittelalterliche Kleingeldwanderung.

· Bruno Kaufmann, Krank im Kloster? Anthropologische Beobachtungen über den Gesundheitszustand der St. Galler Mönche im ersten Jahrtausend.

· Ulrike Gollnick, Burgruine Gams ­ Archäologische Ausgrabungen und Bauanalyse.

· Jakob Obrecht, Burgstelle Schönenbühl ­ Erste Resultate der Grabungen 2001.

· Moritz Flury-Rova, Der «Alte Schwanen» in Rapperswil: Zwinglianische Kanonenkugeln gegen katholische Klosterkultur.

Vorträge zur Tagungsregion

· Robert Fellner, Einige besorgniserregende Fakten zur Entwicklung der Archäologie

· in der Schweiz.

· Hans Rudolf Sennhauser, St. Gallen: Klosterplan und Gozbertbau.

· Guido Faccani, Martigny (VS), Pfarrkirche: Bauperioden des 4. und 5. Jahrhunderts

· Kurt Bänteli, Frühe Kirchen im Kanton Schaffhausen (6.­11. Jahrhundert).

· Bruno Caduff, Erste Resultate der Ausgrabungen der frühmittelalterlichen Kirchenanlage Sogn Murezi in Tumegl/Tomils.

Mitgliedervorträge


· Frank Löbbecke, Bauarchäologische Untersuchungen in der Stiftskirche Hersfeld (Hessen).

· Armand Baeriswyl, Die Ritterordenskommende im Mittelalter: ein Bau- und Funktionstyp zwischen Kloster und Burg?

· Jacques Bujard, Découvertes récentes au prieuré de Môtiers (Val-de-Travers).

· Daniel Schmutz, Archäologische Fragen rund um die Fundmünzen aus der Kirche Steffisburg.

· Christine Ochsner Keller, Die Bestattungen im Basler Münster.

· Gilles Bourgarel, Belfaux, Bösingen et Villaz-St-Pierre: premiers résultats.

· Christian de Reynier, Le château roman de Neuchâtel, nouvelle analyse archéologique.

Renata Windler, Winterthur

Tagungsbericht

5. Treffen des Arbeitskreises zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks, Konstanz,

27./28. April 2001

Über das 1.­3. Treffen des Arbeitskreises ist bereits in den Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft berichtet worden. Das 4. Treffen im Jahre 2000 folgte einer Einladung des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in das österreichische Krems. Es stand unter den Themenbereichen »Zum Stand der archäologischen Handwerksforschung in Ostösterreich« und »Fehl-, Halbfertigprodukte sowie umgearbeitete Stücke«. Da die Vorträge dank des Einsatzes von G. Jaritz und T. Kühtreiber in zwei Bänden des »Medium Aevum Quotidianum« erscheinen konnten (siehe: Neue Literatur), bedarf es hier keiner weiteren Nachlese.

Das 5. Treffen, sozusagen ein kleines Jubiläum, fand am 27. und 28. April 2001 mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Island in Konstanz statt. Es befasste sich mit dem Thema »Holzobjekte, Holzhandwerk«, das auf sehr lebhafte Nachfrage stieß. Dies ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Häufigkeit von Holzartefakten in der mittelalterlichen Archäologie in den letzten beiden Jahrzehnten stark zugenommen hat. Waren noch vor 20 Jahren publizierte Holzobjekte an einer Hand abzuzählen, sind diese mittlerweile in einigen Gegenden mit guter Feuchtbodenerhaltung fast schon gängiges Fundgut, ich darf nur an die umfangreichen Materialien aus Lübeck, Konstanz, Freiburg im Breisgau oder Freiberg in Sachsen erinnern.

Das Spektrum ist sehr vielfältig, neben Geräten, Werkzeugen, Spielzeug, Mobiliar gibt es auch Transportmittel wie Wagen oder Schiffe oder Teile von diesen. Aber auch Bauhölzer wie Fundament-substruktionen oder Teile von Gebäuden bis hin zur Dachschindel werden zunehmend bei Grabungen geborgen.

Damit sind die Erkenntnismöglichkeiten heute erheblich besser als früher, wo bis auf Ausnahmen nur die wenigen obertägig überlieferten Holzobjekte sowie Bildquellen zur Verfügung standen.

Neben der Mittelalterarchäologie hat auch die Bauforschung vor allem an Profanbauten ihre Untersuchung in den letzten beiden Jahrzehnten enorm intensivieren können. Das gilt auch für die Dendrologie, die sich nicht mehr allein auf die Datierung und die Bestimmung der Holzart beschränkt, sondern weiterführende Fra


gestellungen entwickelt hat. Zwischen Bauforschung, Archäologie und Dendrologie finden sich viele Verknüpfungsmöglichkeiten und die Chance bei gemeinsamen Betrachtungen zu weiterführenden Erkenntnissen zu gelangen.

Im folgenden sollen nicht die einzelnen Vorträge nachgezeichnet werden, sondern nur einige Aspekte aufgegriffen werden, die mehrfach zur Sprache kamen. Sehr deutlich wurde, dass die Verwendung als Brennmaterial wohl nur sehr eingeschränkt als Ursache für das tatsächliche oder vermeintliche Fehlen von Holzartefakten im Fundgut in Frage kommt. Ein sehr deutliches Gegenbeispiel liegt von Stóraborg auf Island vor: Dort fanden sich zahlreiche weggeworfene Holzgefäße, obwohl die Insel seit dem Spätmittelalter keinen Baumbestand mehr aufweist und es den Bewohnern daher ständig an Holz mangelte. Daraus folgt darüber hinaus, dass mit Ausnahme weniger wohl vor Ort aus Treibholz gefertigter Stücke die überwiegende Anzahl importiert wurde. Ein hoher Importanteil sei es als Rohstoff, Halbfabrikat oder Fertigprodukt deutet sich auch bei anderen Fundkomplexen an, ein Sachverhalt der auch in zeitgenössischen Schriftquellen seinen Widerhall findet.* Diesem wird vor allem in Zusammenarbeit mit der Dendrologie nachzugehen sein. Inwieweit Markierungen, sei es vom Hersteller oder vom Eigentümer, auf Fässern und Kleinobjekten helfen werden, Herkunftsbestimmungen vorzunehmen, bleibt abzuwarten. Hier fehlt es vor allem noch an Materialvorlagen. Abzuzeichnen scheinen sich bereits regionale Unterschiede in der Markierungspraxis. Während diese zum Beispiel auf Fässern in Lübeck oder Einbeck die Regel sind, treten sie in Konstanz nur auf Schalen und Tellern in Erscheinung.

Ein weiterer Diskussionspunkt war, anknüpfend an den Vortrag von U. Müller, der Zusammenhang von Herstellungsweise und Holzart bei Gefäßen. Auffällig ist, dass neben generellen Tendenzen wie der Verwendung von Nadelholz für Böttcherwaren und Laubholz für gedrechselte Gefäße bei einem gewissen Objektanteil ein aus heutiger Sicht herstellungstechnisch eher ungünstiges Rohmaterial ausgewählt wurde: zum Beispiel Eichenholz für Spanschachteln oder für geböttcherte Gefäße. Dies ist natürlich auch vor dem Hintergrund der generellen Verfügbarkeit einer Holzart in bestimmten Regionen für einen bestimmten Zeitraum zu sehen. So zeigte sich sowohl bei Bauhölzern aus Lübeck als auch aus der Nordwestschweiz, dass diachron Veränderungen in der verwendeten Holzart oder im Einschlagalter zu konstatieren sind. Hier wäre es äußerst lohnend, die an bestimmten Orten reichlich vorhandenen Hölzer aus archäologischen Untersuchungen und aus Bauaufnahmen im Abgleich mit pollenanalytischen Ergebnissen und Schriftquellen auf Aspekte der Waldwirtschaft und Waldnutzung zu befragen.

Als Informationsquelle für Fragen der Herkunft und der Waldwirtschaft sind Dauben von großer, allerdings noch vielfach unerkannter Bedeutung. Einerseits liegen sie häufig in beträchtlichen Mengen von einzelnen Fundstellen vor, andererseits sind sie mittlerweile dendrochronologisch zu datieren und damit in einen engen Zeitraum einzuordnen. Auch die Lebensdauer von Böttcherwaren wird so bei entsprechender Fund- und Befundlage abzuschätzen sein.

Als generelles Fazit bleibt, dass gerade bei der Materialgruppe »Holz« im deutlichen Gegensatz zu Keramik und Glas eine Auswertungsmethodik erst ansatzweise entwickelt ist. Hier ist ein großes Potential mit einer Fülle von lohnenden Fragestellungen, denen in Zukunft intensiv nachgegangen werden sollte.

Abschließend kann noch darauf hingewiesen werden, dass das 6. Treffen des Arbeitskreises zu den Themen »Schmiedehand

* R. Holbach, Frühformen von Verlag und Grossbetrieb in der gewerblichen Produktion (13.­16. Jahrhundert) (= Beiheft der Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 110). Stuttgart 1994, 531 ff.


werk« sowie »Handwerk in Westfalen« vom 25.-27. April 2002 in Soest stattfinden wird.

Die Vortragsthemen

· K. Bänteli, Dendrodatierte Holzkonstruktionen aus dem Kanton Schaffhausen, 11.­16. Jahrhundert.

· U. Böddiker, Ein Böttcher auf dem Topfmarkt? Eine dendrodatierte Latrine mit Daubenschalen auf der Stadtkerngrabung Plauen Topfmarkt / Alterteich.

· M. Koch, Holzknappheit im frühneuzeitlichen Staat ­ Ein Blick auf den Alltag der Waldnutzung und ,Waldverwüstung' anhand von Beispielen aus der Norddeutschen Mittelgebirgszone.

· S. König / St. Krabath, Rekonstruktion eines spätmittelalterlichen Steinzeug-Töpferofens und Brennversuch in Coppengrave, Lkr. Hildesheim.

· B. Lohrum, Zimmerungstechnische Praxis im Mittelalter rund um Konstanz.

· N. Mehler, Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Böttcherfunde aus Stóraborg, Island.

· D. Mührenberg, Holzobjekte und Holzbearbeitung in Lübeck. Vom Spielstein bis zur Koggenplanke.

· U. Müller, Holzhandwerker im nordwestslawischen Raum (8.­12. Jahrhundert).

· R. Röber, Archäologische und volkskundliche Aspekte zum Bau von Stollentruhen.

· I. Ruttner, Holzobjekte aus einer frühneuzeitlichen Latrine der Salzburger Innenstadt (Aspekte zur Herstellung und Materialauswahl).

· M. Schmaedecke, Die Verfügbarkeit und Verwendung verschiedener Holzarten im Hausbau des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Dargestellt am Beispiel der Nordwestschweiz.

· S. Stelzle-Hüglin, Ein Keller mit Spuren von Trittwebstühlen in Ulm (Grabung Neuer Graben / Deinselsgasse).

Dr. Ralph Röber

Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Außenstelle Konstanz,

Tagungsbericht

7. Jahresversammlung der European Association of Archaeologists (EAA), Esslingen am Neckar,

19. bis 23. September 2001

Organisiert von der EAA in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg fand im September 2001 der 7. Internationale Kongress der EAA in Esslingen am Neckar statt. Für die über 500 teilnehmenden Archäologen bot sich die Möglichkeit, in überaus zahlreichen Sektionen und diversen Diskussionsforen wissenschaftliche Ergebnisse und berufliche Erfahrungen über die Ländergrenzen hinweg auszutauschen.

Intensiv diskutiert werden sollten Bemühungen um gemeinsame Standards auf dem Gebiet der Denkmalpflege und Denkmal-schutzgesetze, der Ausbildung junger Archäologen, der beruflichen Zusammenschlüsse sowie Finanzierungsmöglichkeiten auf gesamteuropäischem Niveau. Dementsprechend war der erste Block von Referatsgruppen der »Pflege der archäologischen Substanz und des Kulturerbes« gewidmet. Weitere Blöcke befaßten sich mit theoretischen und methodischen Aspekten sowie dem Thema »Archäologie und materielle Kultur«. Letzterem untergegliedert waren beispielsweise Sektionen zu »Archäologie und Schriftlichkeit« oder »Archäologie der Architektur«, die die Mittelalterarchäologie direkt ansprachen.


Allerdings war die geringe Beteiligung von Seiten des Faches auffallend ­ um so mehr im Hinblick auf die Tatsache, daß die Organisatoren bei der Wahl des Tagungsortes insbesondere auf die Rolle als »Ausgangspunkt der Mittelalterarchäologie« (Prof. D. Planck, Präsident des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg) hingewiesen hatten. Die Stadt Esslingen stand ihrem Ruf als »Stadt der Mittelalterarchäologie« (so auch Staatssekretär Sieber bei der Eröffnungszeremonie) in nichts nach und bot ein vielfältiges Rahmenprogramm. Hiervon sind insbesondere die Ausstellung »Stadt-Findung«, die das Zusammenspiel von Stadtarchäologie und Stadtgeschichte verdeutlichen sollte, und die Wieder-Instandsetzung des Grabungsmuseums unter der Stadtkirche St. Dionys hervorzuheben.

Ein wichtiger ­ wenn auch in seiner Nachhaltigkeit noch nicht abzuschätzender ­ Punkt stand zum Ende der Referatssektion »Das Projekt Stadtarchäologie ­ wohin führt uns das 21. Jahrhundert?« am 21. September auf dem Programm: Die Vorstellung des in dieser Runde diskutierten »European Code of Good Practice on Urban Archaeology«. Im März 2000 war diese Erklärung anknüpfend an die weltweit beachtete Konvention von Malta im Europarat angeregt worden und liegt nun als Richtlinie für die Bau- sowie Bodendenkmalpflege vor. Der sogenannte »Esslingen Code« beansprucht keinen Gesetzescharakter, sondern soll als Plädoyer für einen behutsamen Umgang mit dem kulturellen Erbe mittelalterlicher Städte verstanden werden und die Zusammenarbeit berufstätiger Archäologen erleichtern und intensivieren helfen. Die sehr allgemein gehaltenen Richtlinien wenden sich an öffentliche Behörden, Bauunternehmer, Architekten und Archäologen gleichermaßen. Der Präsident der EAA, W. Willems, und W. Ebert vom Europarat bekräftigten den in Esslingen diskutierten Entwurf. Allerdings bleibt angesichts des schon auf der Tagung relativ dürftig ausgefallenen Interesses dem »Esslingen Code« gegenüber die Frage offen, ob die Hoffnungen des Europarats, die an diese Erklärung anknüpfen, tatsächlich erfüllt werden können. Kann denn zu hoffen gewagt werden, daß »in den nächsten Jahren positive Rückmeldung über eine ertragreiche Kooperation zwischen den Archäologen Europas auf den Gebieten Planung, Entwicklung, Forschung und Ausbildung erstattet« (N. Sanz, Europarat) werden kann, wenn nicht die vorgeschlagene Richtlinie und darüber hinaus das Objekt derselben ­ das archäologische und architektonische Kulturgut in mittelalterlichen Städten ­ stärker ins Bewußtsein der Öffentlichkeit sowie der geschlossenen Fachwelt rücken wird?

Aline Kottmann, Münster


Tagungsbericht

Einzelstücke ­ Sonderformen ­ Exoten:

Die »kleinen Fundgruppen« der Keramik des Mittelelters und ihre Auswertung.

Wissenschaftliches Kolloquium in Bamberg,

10.-11. November 2000

Rund 25 angemeldete Themen ­ ca. 50-60 Teilnehmer ­ füllten die knappen zwei Tage der Veranstaltung am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und Zentrum für Mittelalterstudien der Otto-Friedrich-Universität Bamberg angemessen dicht. Eindeutig im Sinne der Veranstaltung, erfreulich oft mit neuem Material, waren beispielsweise ohne jeden Zweifel fundierte Beiträge wie: »Keramik aus alchemistischem Kontext« (P. Kurzmann, Tübingen), »Miniaturkeramik aus Leine- und Weserbergland« (H.-G. Stephan, Göttingen), »Ein Trinkbecher in Bärenform« (R. Koch, Nürnberg), »Neues zur sogenannten 'Falke-Gruppe'« (H. Rode, Weickelsdorf), »Imitation und Adaption von Aquamanilien« (U. Müller, Greifswald), »Keramische Schröpfköpfe« (F. Feuerhahn, Bamberg), »Vergil und die Kaisertochter« (S. Stelzle-Hüglin, Stuttgart) usw. Zu fragen ist jedoch, gehört »Keramik aus 'x', 'y' oder 'z'« mit ihrem doch breiten Formenschatz wirklich zum Thema? Anzumerken ist also, daß dem Tagungsthema gelegentlich weniger Genüge getan wurde. Das mag einen naheliegenden Grund in der nicht gerade ausreichend vorhandenen oder publizierten Definition des Themenkreises haben. Dies führte, vielleicht aus Unkenntnis größerer Fundkomplexe und geringer subjektiver Erfahrung, allein zur Vorstellung neu ergrabener, aber letztlich hinreichend bekannter Materialgruppen. Diese Fundgruppen sind jedoch jedem, der sich länger mit Keramik beschäftigt, genügend bekannt. Zum Teil ist es auch möglicherweise im natürlich verständlichen Bestreben jüngerer Bearbeiter zu sehen, mit den eigenen Funden bald an die Fachöffentlichkeit zu treten.

Der Grundanspruch des Kolloquiums »Einzelstücke, ...« wurde im Rahmen einer Erstveranstaltung ganz zweifellos erfüllt. Dafür ist den Veranstaltern, Dr. M. Sanke und Prof. Dr. I. Ericsson, beide Bamberg, zu danken. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich die Veranstalter zur Fortführung bereit finden würden, so daß dem letztlich gar nicht so jungen Thema die gebotene weiterführende Pflege zuteil würde. Vielleicht wäre auch die Edition einiger Grunddefinitionen zur Vorbereitung dienlich, um die Konzentration wirklich sachbezogener Themen zu erhöhen. Veranstalter wissenschaftlicher Tagungen haben immer das Problem, daß sie nur einen Teil der Referenten und entsprechend auch die Sachbezogenheit genannter Themen ausreichend kennen können. Langjährige Organisationserfahrung mit dem »Arbeitskreis für Keramikforschung«, einer nicht nur archäologischen Keramikforschungsgruppe, berechtigt zu dieser kritischen Anmerkung. Gleichermaßen wäre auch die Edition von Kurzfassungen sehr sinnvoll ­ im Internet? Nicht die generelle Unkenntnis, sondern vor allem die diffuse zeitliche, geografische, aber auch materialbezogene Streuung der bisherigen Kenntnisse sind die crux bei Einzelbearbeitungen. Eigentlich erforderliche monografische Bearbeitungen von »Sonderfällen« sind nur in glücklichen Einzelfällen bekannt geworden: z.B. »(al-)chemistische Keramik« (S. v. Osten, 1998; P. Kurzmann, 2000) oder »Aquamanilia« (E. Kasten, 1978; M. Hütt, 1993). Eine projektmäßige Bearbeitung kann hier nur vorgeschlagen werden. Als Anregung sei an die zwei »Leitfäden zur Keramik« gedacht oder an die in Bearbeitung befindliche Übersicht zur »Drehscheibe« (Archäologie, Keramikforschung, Technologie, Volkskunde).

Dr. Werner Endres

Josef-Adler-Straße 17, 93049 Regensburg


Tagungsbericht

Am 14. Dezember 2001 fand in Lorsch an der Bergstraße das dritte wissenschaftliche Kolloquium »Aktuelle Forschungen zum ehemaligen Reichskloster Lorsch« statt. Es wurde vom Bamberger Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und dem Museumszentrum Lorsch veranstaltet. Das Kolloquium wendete sich vorrangig an Forschende und Interessierte aus dem Raum Lorsch und Bergstraße. In mehreren Fachvorträgen wurde die Wechselbeziehung des Klosters mit seinem Umfeld im Lichte der neuesten Untersuchungen vorgestellt:

Aktuelle Forschungen zum ehemaligen Reichskloster Lorsch [3]:

Lorsch und die Region

Während archäologischer Maßnahmen und Restaurierungen 1890, 1927­37, 1956 und 1999/2000 wurde ein umfänglicher Bestand an Architekturfragmenten geborgen. Der weitaus größte Teil fand sich in sekundärer Vermauerung, was die Lokalisierung des ursprünglichen Versatzortes erschwert. Die geplante Erfassung und Auswertung nach Kriterien wie Material, Maße, Bearbeitungstechnik und Stil soll Einzelstücke zu Gruppen zusammenfassen und diese einer Baumaßnahme zuordnen. Da die nicht-karolingischen Fragmente bisher unbeachtet blieben, ist die Hoffnung berechtigt, durch sie neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Klosters zu gewinnen.

Christian Forster (Bamberg): Die Lorscher Altfunde ­ Architekturfragmente

Der in Lorsch aufbewahrte Fundkomplex von rund 600 Fragmenten von Plattenmosaik gehört zu den größten seiner Art in Deutschland. Die Mosaikplättchen wurden seit einer summarischen Publikation durch Rudolf Adamy (1891), aus dessen Grabungen die meisten Objekte stammen, nicht näher ausgewertet. Das laufende Auswertungsvorhaben beinhaltet eine Analyse nach Form und Format, Geologie, Bearbeitungsspuren sowie nach Hinweisen auf Zweitverwendung römischer Altmaterialien. Ein besonderes Augenmerk gilt den bislang unveröffentlichten, zahlreichen Fragmenten von zum Teil profilierten Natursteinplatten; hierbei handelt es sich um Spolien hochwertiger römischer Wandverkleidungen aus Marmor und gebändertem Kalkstein.

Jakob Müller (Bamberg): Die Lorscher Altfunde - Plattenmosaik

Die Altgrabungen des 19. und 20. Jahrhunderts zielten in erster Linie auf die Rekonstruktion des Baubestandes der frühmittelalterlichen Periode, Funde wurden allenfalls am Rand berücksichtigt. Deshalb steht bei den neuen Untersuchungen des Bamberger Lehrstuhls auch explizit die Gewinnung stratifizierten Fundmaterials im Mittelpunkt. Dem Fundort Kloster Lorsch kommt für die Region eine Schlüsselrolle zu, da von der Bergstraße bislang nur sehr wenige mittelalterliche Inventare bekannt sind. Die bisherige Auswertung der Funde eröffnet nicht nur Einblicke in die Chronologie und die Versorgung mit Keramik, sondern auch auf die nähere bauliche Ausstattung des Konvents (Dachdeckung, Heizung). Spezifisch monastische Funde, insbesondere aus dem Bereich der Schriftlichkeit, und die Lokalisierung bisher für Lorsch nicht belegter Handwerke (Beinverarbeitung, Glasmacherei) erweitern das hergebrachte Bild des Klosters beträchtlich.

Markus Sanke (Bamberg):

Das Fundmaterial aus den Ausgrabungen 1998-2000.

Ein Überblick


Peter Marzolff (Heidelberg):

Das Baumaterial der Klöster St. Stephan und St. Michael auf dem Heiligenberg bei Heidelberg

Die beiden Lorscher Filialklöster auf dem Heiligenberg bilden in ihrer ähnlichen, aber auch abweichenden Bau- und Siedlungsgeschichte einen dialektischen Widerpart zum Mutterkloster. Eine durchgehende Tendenz ist hier der wohl demonstrative Rückgriff auf Altmaterial des römischen Substrats. Im Frühmittelalter zeigen sich vielfältige Kontakte mit dem eine Tagesreise entfernten Haupthaus (Übernahme von Baumaterial und Adaption von Malereien). Ab dem 11. Jahrhundert gewinnen jedoch die beiden Klöster ihre individuelle, von der oberrheinischen Architekturlandschaft geprägte Gestalt, »Lorscher« Motive finden sich allenfalls in sehr freier Paraphrase wieder. Von ähnlicher Selbständigkeit ist die prämonstratensische Nachblüte des Spätmittelalters, die Zugehörigkeit zum neuen Mutterkloster Allerheiligen löst auch formell die Bindung an Lorsch ab.

Sven-Hinrich Siemers (Paderborn): Portus und Markt des Klosters Lorsch: Die Kleinfunde vom Zullenstein

Auf eine kurze Darstellung der historischen Topographie und der historischen Überlieferung zum Lorscher Rheinhafen »Zullenstein/ Burg Stein« bei Biblis-Nordheim folgte ein knapper Überblick über die Kleinfunde der Ausgrabungen 1970­1972. Hierbei wurde die Wandlung von der Versorgung des Fundplatzes mit überregionaler Keramik (z. B. aus dem Mayener Raum) während der Frühphase zur Versorgung mit lokaler Keramik (sandige, glimmerhaltige Waren) in der Burgphase herausgestellt. Eine kurze Fundschau ging auf herauszuhebende Keramikfunde (z. B. eine Miniatur-Fettpfanne), Knochen, Metall und Glasfunde ein. Bedeutend sind besonders die Knochen- und Geweihschnitzer-Abfälle des frühen Spätmittelalters sowie der bisher südlichste Fund von mittelalterlichem Bleiglas.

Holger Grewe (Ingelheim):

Die Funde aus der Königspfalz Ingelheim I (Bautechnik)

Die neuesten Ausgrabungen am sog. Heidesheimer Tor in Ingelheim legten einen schalengemauerten Torbau unbekannter Zeitstellung frei, der eine karolingische Wasserleitung überbaut. Die Gebäude der Pfalz wurden vorwiegend mit lokalem Baumaterial (Sandstein, Kalkstein, Oberrotliegendes) aufgeführt. Dennoch kam es in erheblichem Umfang auch zur Verwendung ortsfremder Gesteine (Syenit, Porphyr), die entweder aus den benachbarten römischen Ruinen oder direkt aus dem Mittelmeerraum importiert wurden. Beides mag nicht nur wegen der schlechten Qualität des örtlichen Steinmaterials, sondern auch als bewusste Bezugnahme auf die Tradition des Römischen Reiches erfolgt sein. Als bedeutendste jüngere bautechnische Entdeckung kann die Ausgrabung und Konservierung eines Kachelofens bezeichnet werden, der in ungewöhnlicher Weise in einem engen kellerartigen Raum wie eine Warmluftheizung unter dem Fußbodenniveau neben dem Saalbau errichtet worden war und wohl zur Beheizung eines Annexbaus diente.

Annarita Martini (Ingelheim):

Die Funde aus der Königspfalz Ingelheim II (Keramik)

Der in Ingelheim freigelegte Kachelofen/Warmluftofen besteht aus Becherkacheln in gelber und manganvioletter Irdenware. Die verbauten konischen und gebauchten Kacheltypen sind im Fundgut der Burgen Bommersheim und Wartenberg belegt, was eine Datierung in das 13. Jahrhundert wahrscheinlich macht. Sie wurden wohl im Rheingau oder in Töpfereien des Vorspessarts hergestellt. Grundsätzlich ist der Anteil der Fernimporte (Mayen, Pingsdorf, Badorf) in den frühmittelalterlichen Phasen der Pfalz höher als in den jüngeren Siedlungsperioden, insbesondere der Anteil der Pingsdorfer Keramik ist mit 4 % auch im Vergleich mit anderen Fundorten außergewöhnlich hoch. Im 12. bis 14. Jahrhundert dominiert die Versorgung mit regionaler Keramik: der Rheingau und die Töpfereien des Vorspessarts stellen den Großteil der aus dieser Zeit erhaltenen Ware.

Ausführliche Online-Version des Tagungsberichts: http://www.uni-bamberg.de/~ba5am1/artikel/lorsch.htm

Rainer Atzbach, Bamberg


Tagungsbericht

Auf Einladung des Speyerer Oberbürgermeisters Werner Schineller fand das nunmehr zweite Kolloquium zur romanischen Synagoge und dem angrenzenden Judenhof statt, bei dem Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege Mainz (Dr. W. Brönner, Dr. U. Kerkhoff), der Stadt Speyer und des Kulturministeriums sowie einige mit jüdischen Denkmälern befasste Kollegen (U. Klein M. A., Prof. Dr. M. Untermann, P. Mitchell B. A. und die Verfasserin) teilnahmen. Aufgrund der beim ersten Kolloquium 1999 erarbeiteten Vorgaben, nämlich dass als Basis weiterer Überlegungen zur Neugestaltung und Präsentation des Judenhof-Areals die archäologische und bauhistorische Untersuchung der Synagoge voranzugehen habe, fanden im Frühjahr 2001 umfangreiche Grabungen statt.

Dr. Monika Porsche, die wissenschaftliche Grabungsleiterin, referierte den Stand der zusammen mit der Bauforscherin Dipl. Ing. Pia Heberer erarbeiteten Ergebnisse: Dazu gehört der Nachweis des originalen Sandsteinplattenfußbodens und einer nachträglich eingebauten Wandbank in der Männerschul, sowie die Entdeckung einer noch gut erhaltenen Wandbank in der Frauenschul und einer schmale Verbindungstüre zwischen beiden Räumen. Ungeklärt blieb bis dato die Interpretation verschiedener Baufugen im Mauergefüge der beiden Synagogenräume.

Nach einer Grabungsbesichtigung, die Gelegenheit zu anregenden Fachgesprächen bot, war man sich einig, dass weitere archäologische Untersuchungen im Bereich der Judenbadgasse notwendig sind. Sehr zu begrüßen war der Konsens aller Teilnehmer, dass konservatorische Maßnahmen (Putzsicherung und provisorische Überdachung zum Schutz gegen Witterung) im Vordergrund stehen müssen, um den Erhalt der aussagekräftigen Detailbefunde zu sichern.

Das Vorgehen der Stadt Speyer, mit Hilfe dieser Kolloquien die denkmalpflegerischen, aber auch wissenschaftlichen Erfordernisse, sowie die daraus resultierenden Vorgehensweisen und Konzepte ­ kurz das »Denkmalmanagement« ­ in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden bzw -kollegen abzustimmen, zeugt von einem positiven, zur Nachahmung empfehlenswerten Ansatz für den verantwortungsvollen Umgang mit diesem weltweit einzigartigen Bauwerk. Schade, dass bei Einbruch des Winters 2001/02 weder die Putze konserviert waren, noch ein Schutzdach dastand und auch die originalen Fußbodenreste noch offen lagen!

2. Kolloquium »Ehemalige mittelalterliche Synagoge

in Speyer«,

Speyer, 3. Mai 2001

Silvia Codreanu-Windauer,

Regensburg


Tagungsbericht

15. Tagung des Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen vom 28.­30. April 2001 in Grefrath

Der Arbeitskreis zur Erforschung der Tonpfeifen fand sich vom 28. bis 30. April 2001 zu seiner 15. Tagung zusammen. Zu der Veranstaltung, die auf Einladung von Museumsdirektor Heinz-Peter Mielke im Niederrheinischen Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath stattfand, reisten 25 TeilnehmerInnen aus Deutschland und ein Teilnehmer aus den Niederlanden sowie weitere Gäste an. Die Austragung des Treffens im deutsch/belgisch/niederländischen Grenzgebiet sollte die Möglichkeit bieten, sich stärker der engen Verflechtungen bewusst zu werden, die hauptsächlich im 18./19. Jahrhundert in der heute durch Grenzen getrennten Region auf den Gebieten der Produktion, Vertrieb und Konsum von Tonpfeifen und Tabak bestanden haben. Unter diesem Leitthema standen v.a. die geplanten Exkursionen nach Weert in den Niederlanden und Andenne in Belgien.

Am 28.4.01, dem ersten Veranstaltungstag, begrüßte Martin Kügler / Görlitz als Leiter des Arbeitskreises und Organisator der Tagung die Teilnehmer und richtete seinen Dank an H.-P. Mielke für die Einladung an diesen Veranstaltungsort. Nach allgemeinen Hinweisen zum Ablauf der Tagung präsentierten die Herausgeber des Knasterkopf, M. Kügler und Ralf KluttigAltmann, dessen aktuelle 14. Ausgabe, die ab diesem Heft in modernerem Layout, mit erweitertem Umfang und vergrößert im A4-Format erscheinen wird, was auf eine sehr positive Resonanz unter den Tagungsteilneh-merInnen stieß. Anschließend stellte H.-P. Mielke sein Museum, welches Teil einer ehemaligen Burganlage im Zustand des späten 17. Jahrhunderts ist, und die umliegende deutsch-niederländische Region unter dem Aspekt einer bedeutenden und grenzüber-greifenden Keramik-, Pfeifenbäcker- und Tabakanbautradition vor.

Der erste Fachvortrag stammte von Lutz Libert, in dem er in seiner Eigenschaft als Museumsleiter »Das Tabakmuseum Vierraden« vorstellte.* In einer alten Tabakscheune untergebracht, wird unter Einsatz moderner Multimedia-Technik auf vielfältigste Weise die Geschichte des bedeutenden Tabakanbaugebietes Uckermark, mit besonderer Berücksichtigung der Anbaugeschichte in der DDR, dokumentiert. Ein Besuch dieses Museums, welches auch ein Freigelände mit Tabakpflanzen und (historischen) landwirtschaftlichen Geräten zum Tabakanbau umfasst, ist in jedem Fall zu empfehlen.

Herbert Böhmer / Passau berichtete über »Quellen zur Tonpfeifenbäckerei in Passau«. Vor 1716 scheint es dort nach bisherigem Kenntnisstand keine Pfeifenbäckerei gegeben zu haben, denen die reichen Tonpfeifenfunde der Feste Oberhaus/Passau des 17. Jahrhunderts zugewiesen werden könnten. Andererseits besteht zwischen den drei nachgewiesenen Passauer Pfeifenproduzenten des 18. Jahrhunderts und bisherigen Pfeifenfunden aus der Stadt ebenfalls keine sichere Beziehung. Es ist sehr zu hoffen, dass weitere Nachforschungen diese Lücke zwischen Archivalien und Bodenfunden bald schließen können. [Der Beitrag ist im Knasterkopf 14/2001, S. 20­26, erschienen]

»Zum Stand der Oberharzer Tonpfeifen-Forschung ­ neue Ergebnisse und Funde« referierte Ekkehard Reiff / Clausthal-Zellerfeld.* Bei der Schilderung seiner langjährigen archäologischen Nachforschungen und Flurbegehungen in der Oberharzer Bergbauregion konzentrierte sich E. Reiff besonders auf einen sog. Will

* = diese Referate werden voraussichtlich im

Knasterkopf Bd. 15/2002 veröffentlicht


komm-Glasbecher mit der detaillierten Darstellung von rauchenden Bergleuten unter (!) Tage. Der Becher ist mit der Jahreszahl 1696 versehen. Auch wenn es sich bei dem Stück um eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert handeln sollte, wie aufgrund der allzu perfekten Ausführung vermutet werden kann, ist er doch ein indirekter Nachweis für die Existenz eines Originalbechers um 1696 und damit ein bildlicher Beleg für das Rauchen unter Bergleuten im ausgehenden 17. Jahrhundert.

Am Nachmittag führte eine Exkursion nach Weert/NL, zuerst ins dortige städtische Museum »De Tiendschuur«. Auf der Basis einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen der ehemaligen Tonpfeifen-Firma Trumm-Bergmanns und der Gemeinde Weert konnte die Geschichte dieser Tonpfeifenfabrik in vorzüglicher Weise erforscht und dokumentiert werden. Jos Engelen, der 1985 eine Monografie zu diesem Thema verfasst hat, führte die Teilnehmer in die Geschichte dieser bedeutenden niederländischen Pfeifenfabrik ein. Gegründet von Auswanderern aus dem Westerwald, erzielte die Firma zwischen 1846­1922 ein Produktionsvolumen von 40 Millionen Tonpfeifen, hauptsächlich für den regionalen Bedarf. Eine akribische Dokumentation aller geschäftlichen Vorgänge über die Jahrzehnte macht diese Firma heute zur wahrscheinlich besterforschten Tonpfeifenfabrik ganz Europas. Besonderheiten der Produktion sind z.B. Formen mit auswechselbarem Frontbild für Wallfahrtspfeifen. Nach dem Vortrag konnte ein Pfeifenofen der Firma besichtigt werden, der 1987 mit Unterstützung der Gemeinde innerhalb Weerts auf einen neuen Standort umgesetzt wurde. Die Gebrüder Trumm-Bergmanns, Nachfahren der Firmengründer, begleiteten die Exkursionsteilnehmer dabei und beantworteten unermüdlich alle anstehenden Fragen.

Am Sonntag, den 29.04.01, fand eine ganztägige Exkursion nach Andenne/B statt. Erste Station war das Musée de la Ceramique d' Andenne, wo die Teilnehmer von Robert Mondant, dem Conser-vateur des Museums, begrüßt wurden. Zu Beginn hielt R. Mondant einen kurzen Einführungsvortrag »Zur Geschichte der Pfeifenbäckerei in Andenne und der Einwanderung deutscher Pfeifenbäcker«, in dem er die Ankunft des Westerwälder Pfeifenbäckers Peter Meniecken in Andenne 1757 und die sich daran anschließende wechselvolle Geschichte einer ortsansässigen Tonpfeifenproduktion, die sich gegen viele Widerstände behaupten musste, schilderte. Anschließend bestand Gelegenheit, das Museum zu besichtigen.

Am Nachmittag besuchten die Tagungsteilnehmer eine noch tätige Tonpfeifenwerkstatt in Andenne ­ die Piperie Léonard, betrieben von Pascal Léonard. Hier konnte man die Entstehung einer ungebrannten Tonpfeife vom handgerollten Rohling bis zur ausgeformten Pfeife verfolgen und verschiedene Formenmodelle in Augenschein nehmen.

Den Anfang des Referatprogramms am Montag, dem 30. April, machte Ralf Kluttig-Altmann / Leipzig mit »Beobachtungen zur Technologie manueller Stielverzierungen an Tonpfeifen«, in dem er aufzeigte, wieviel Detailkenntnisse man über den in Vergessenheit geratenen Entstehungsprozess manueller Verzierungen aus einer genauen Beobachtung der Fundstücke erlangen kann. Die im Fundbild des 17.­19. Jahrhunderts sehr häufigen Stempel bzw. Abrollungen auf Tonpfeifenstielen bergen ein Informationspotential, welches bisher nur ansatzweise genutzt wurde. Jede tiefergehende Beschäftigung damit kommt jedoch an einem grundsätzlichen Verständnis der Verzierungstechnologie nicht vorbei, zu deren


Entschlüsselung der Vortrag einen weiteren Schritt darstellt. M. Kügler fügte in Ergänzung zu der Funduntersuchung Informationen aus schriftlichen Quellen an, die in dieser Beziehung allerdings sehr unzulänglich sind, was noch einmal die Notwendigkeit einer Beschäftigung mit den Fundstücken selbst betont. [Der Beitrag ist im Knasterkopf 14/2001, S. 32­49, erschienen].

Regina Geiß-Dreier / Birkenfeld referierte über »Die Tonpfeifenfunde von Burg und Schloss Oberstein«,* die sie neben anderem, bei langjährigen Ausgrabungen zutage gefördertem Fundmaterial wissenschaftlich bearbeitet. Die meist reichverzierten Pfeifen stammen hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert. Auch wenn die Funde bislang noch nicht vollständig jeweils konkreten Produktionsorten zuweisbar sind, zeigen Marken und Stielaufschriften auf bekannte oder bisher unbekannte Produzenten aus der Region Mannheim ­ Frankenthal ­ Heidelberg, die für die frühe Tonpfeifenproduktion in Deutschland so wichtig ist. Eine sog. »Wortmann«-Pfeife, eine Rundbodenpfeife mit angebrachter Jahreszahl »1736«, ist als besonderer Fund des Komplexes die älteste datierte Tonpfeife aus dem Westerwald.

Rüdiger Articus / Hamburg präsentierte in Bild und Text »Prachtstücke ­ reliefverzierte Pfeifen des 18. Jahrhunderts aus Hamburg und Umgebung«, ein Querschnitt durch Hamburger Sammlungen und Grabungsinventare. Unter den durchgehend reichverzierten Tonpfeifen(köpfen) befinden sich viele, die in Deutschland bisher selten gefunden wurden (Batavia-, Oranje-, Preußen- und Hochzeitspfeifen). Zahlreiche Modelle, z.B. mit preußischem oder Hamburger Thema, sind Auftragswerke großer Goudaer Produzenten, z.B. Frans Verzijl. Die von ihm und anderen Goudaer Pfeifenmachern verstärkt ab der Mitte des 18. Jahrhunderts gelieferten Pfeifen sind meist von ausgezeichneter Qualität, der aufwändigen Verzierung bzw. dem Motiv der Pfeife angemessen.

Maren Weidner / Kiel stellte »Tonpfeifen deutscher Provenienz aus der Reichenstraße in Hamburg« vor.* Auf der Ausgrabung, die 1998 stattfand, wurden in einer hölzernen Abwasserleitung (vermutlich einer Gastwirtschaft) zahlreiche Tonpfeifenfragmente des 18./19. Jahrhunderts geborgen. Nur etwa 10% der Funde stammen aus Gouda, der restliche Teil aus norddeutschen Pfeifenbäckereien wie z.B. Knecht oder Goebel aus Großalme-rode, Hoffkamp aus Altona und Casselmann aus Münden. Dieser hohe Anteil deutscher Produkte ist für einen Tonpfeifenfundkomplex sehr selten und um so wichtiger für die weiterführende Klärung der Produktion und Vermarktung von Tonpfeifen in Deutschland.

Nach diesem letzten Fachvortrag berichtete M. Kügler Neuigkeiten aus dem Arbeitskreis zur Erforschung der Tonpfeifen, stellte neue Literatur vor und verwies auf das schon in Ort und Zeit feststehende 16. Treffen des Arbeitskreises vom 26.­28. April 2002 am Kreismuseum Grimma/Sachsen. Für das übernächste Treffen 2003 liegen aus mehreren Museen verschiedener Bundesländer Angebote vor, die noch konkretisiert werden müssen.

R. Kluttig-Altmann fügte einige Gedanken zum Knasterkopf an, indem er an den hohen Arbeitsaufwand der Herausgeber zur Existenz- und Qualitätssicherung dieser Fachzeitschrift verwies und die Teilnehmer der Tagung nachdrücklich um Unterstützung bat. Inhaltlich ist der Knasterkopf weit über den nächsten Band 15, der zur Tagung 2002 erscheinen wird, mit hochwertigen Beiträgen versorgt. Jedoch um die angespannte finanzielle Situation zu meistern, ist der Knasterkopf dringend auf weitere Abonnenten, d. h. auf Werbung in allen potenziell an Tonpfeifen, Neuzeitarchäologie und Tabakgeschichte interessierten Kreisen, angewiesen.


Die 15. Tagung des Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen schloss mit einem herzlichen Dank an den örtlichen Veranstalter, Museumsdirektor H.-P. Mielke, der zusammen mit seinen Mitarbeitern für einen angenehmen Tagungsablauf im Niederrheinischen Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath gesorgt hatte. Ebenso dankten alle TeilnehmerInnen und Gäste M. Kügler, dessen Organisation und hoher persönlicher Einsatz ein anspruchsvolles Tagungsprogramm und ein reibungsloses Zusammenspiel aller beteiligten Personen und Institutionen gewährleisteten.

Ralf Kluttig-Altmann M.A.

Bernhardstraße 22, 04315 Leipzig

Tagungsbericht

Erinnerungskultur im Bestattungsritual. Archäologisch-historisches Forum in Paderborn,

24.­27. April 200

Der Umgang mit dem Tod ist ein kulturelles Phänomen. In den verschiedensten Wissenschaften hat dieses Thema derzeit Konjunktur. Denn der Tod gehört nicht nur zu den Wesensmerkmalen individueller menschlicher Existenz sondern er stellt auch die Gemeinschaft der Lebenden vor ein Problem: Wie lässt sich der Verlust eines Mitmenschen bewältigen? Eine entscheidende Rolle spielen hierbei Rituale und Glaubensvorstellungen, die die Auseinandersetzung mit dem Tod erleichtern sollen. Ihre Analyse gestattet je nach Zeit und Region Einblicke in soziale Strukturen.

Die Notwendigkeit interdisziplinärer Herangehensweise liegt bei einem so komplexen Thema klar auf der Hand, zumal wenn der Tod in vergangenen Epochen und Gesellschaften untersucht werden soll. Zu diesem Zweck veranstaltete das neue »Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens« (IEMAN) an der Universität Paderborn in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine internationale Tagung. Auf Einladung von Jörg Jarnut und Matthias Wemhoff kamen Archäologen und Historiker aus Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Österreich und den USA nach Paderborn, um über die »Erinnerungskultur im Bestattungsritual« zu berichten und zu diskutieren.

Warum Paderborn? Die alte westfälische Bischofsstadt ist zweifellos kein Zentrum für interdisziplinäre Studien zu »Death and Society«, wie sie etwa an der Universität Reading betrieben werden. Die Gründe sind andere: Zum Einen wird in Paderborn seit vielen Jahren eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Archäologen und Historikern gepflegt. Zum Anderen lag das Paderborn des Früh- und Hochmittelalters in Sachsen, wo der älteren Forschung zufolge am Ende des 8. Jahrhunderts christliche Franken auf größtenteils heidnische Sachsen trafen. Frühere Tagungen1 im Vorfeld der Paderborner Karolingerausstellung 1999 (»799 ­ Kunst und Kultur der Karolingerzeit«)2 haben gezeigt, dass von den Sachsen des 5. Jahrhunderts zur Karolingerzeit nicht mehr viel übrig war: Was seit Karl 'dem Großen' als Sachsen bezeichnet wird, waren nach dem archäologischen Befund altfränkische, aus Kleinstgruppen entstandene Verbände, die man als westfälisch bezeichnen kann. Ein weiteres Beispiel, wie gewinnbringend ein solches »Archäologisch-historisches Forum« ist, wollte die aktuelle Paderborner Tagung geben.

1 Etwa Hans-Jürgen Häßler/Jörg Jarnut/Matthias Wemhoff (Hrsg.), Sachsen und Franken in Westfalen. Zur Komplexität der ethnischen Deutung und Abgrenzung zweier frühmittelalterlicher Stämme, Paderborner Kolloquium 1997 (= Studien zur Sach-senforschung, 12), Oldenburg 1999.

2 Ausstellungskatalog: Christoph Stiegemann/Matthias Wemhoff (Hrsg.), 799 ­ Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn, 3 Bde., Mainz 1999.


Wandel der Bestattungssitten

Von archäologischer Seite stellte zunächst Christoph Grünewald (Münster) westfälische Friedhöfe des 5. bis 10. Jahrhunderts vor. Die Vielfalt dort nachgewiesener Bestattungsformen erscheine auf den ersten Blick anarchisch, könne aber den Schlüssel für eine Besiedlungsgeschichte Westfalens liefern. Wie nachhaltig sich kultureller Wandel auf das Bestattungswesen auswirken konnte, zeigte Falko Daim (Wien) am Beispiel der Awaren. Aufgrund des Übergangs von einer Kriegs- zu einer Landwirtschaft hätten sie im 7. Jahrhundert vorübergehend Bestattungssitten entwickelt, die sich nicht länger an byzantinischen Vorbildern orientierten. Auch Anne Pedersen (Kopenhagen) ging in ihrem Vortrag von einer ganz ähnlichen Beobachtung aus. Die Christianisierung Dänemarks im 10. Jahrhundert habe dazu geführt, dass viele adlige Familien ihre Gräber besonders reich mit Beigaben ausstatteten. Die Betonung der traditionellen Begräbnissitten in einer Zeit kulturellen Wandels deutete Pedersen aber nicht als Ausdruck der Stärke, sondern als Zeichen der Verunsicherung.

Über Grabbräuche in christlicher Zeit referierte Matthias Wemhoff (Paderborn). Anhand westfälischer Beispiele wie Herford, Herzfeld oder Enger verwies er auf die Tendenz, dass sich von 800 an bis ins Hochmittelalter hinein Kirchengründer häufig nicht am Altar, sondern im Kreuzgang oder im Porticus einer Kirche bestatten ließen. Barbara Scholkmann (Tübingen) plädierte überhaupt für eine verstärkte Erforschung von Gräbern in Kirchen, die lange vernachlässigt worden sei. Sie schlug vor, eine kircheninterne Bestattungstopographie zu erstellen und dabei zu klären, warum die Gräber in der Regel nicht zentral im Kirchenraum angelegt wurden.

Heilige in der Kirche oder hinter der Kirche?

Von historischer Seite skizzierte zunächst Dieter Geuenich (Duisburg) einige Grundlagen des Gebetsgedenkens und der Gebetshilfe im Mittelalter, dass z. B. Heilige über ihren Tod hinaus Rechtspersonen blieben und dass Memorienstiftungen dazu dienten, nicht nur den Menschen auf Erden, sondern auch dem himmlischen Gott in Erinnerung zu bleiben. Über Konstanz und Wandel von Jenseitsvorstellungen Nordostgalliens berichtete Guy Halsall (London/GB) am Beispiel Trierer Epitaphien. Dabei beschrieb er das Begräbnis als kulturellen Text, der sich an ein Publikum wende, wobei Lage und Beigaben als die Grammatik des Grabes aufgefasst werden könnten. Bonnie Effros (Edwardsville/USA) verfolgte die Entstehung des Verbots von Totenfeiern über den Gräbern der Verstorbenen in der Merowingerzeit, was bereits die Kirchenväter abgelehnt hatten. Ein Problem bei solchen Totenfeiern sah sie in der Interpretation der archäologisch nachweisbaren Grabbeigaben.

Mit den kirchenrechtlichen Vorschriften zum frühmittelalter-lichen Bestattungswesen befasste sich Wilfried Hartmann (Tübingen). Ambrosius, Augustinus und Gregor der Große hatten in der Bestattung in der Kirche einen Nutzen für das Seelenheil gesehen, doch in der Karolingerzeit setzte man das spätantike Verbot innerkirchlicher Gräber weitgehend durch. Möglicherweise stand dies im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Eigenkirchenwesen. Wie ein Begräbnis im Kloster aussah, wusste Fredrick S. Paxton (New London/USA) am Beispiel rekonstruierter Consuetudines aus Cluny sehr anschaulich darzustellen. Trat ein Todesfall ein, so wurde der gewöhnliche Tagesablauf des gesamten Konvents unterbrochen: Nach Möglichkeit sollten alle Mönche am Begräbnisritual teilnehmen. Ein eindrucksvolles Beispiel für den hohen Stellenwert der Memoria im Mittelalter.


Die lebhaften Diskussionen während der Tagung berührten vor allem methodische Aspekte. Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage nach der Aussagekraft der Grabbeigaben. Heinrich Härke (Reading/GB), der seinen Beitrag speziell diesem Thema gewidmet hatte, stellte die verschiedenen Ansätze vor: Grabbeigaben können als Ausstattungsgegenstände für das Jenseits, Geschenke für den Toten, Gaben an ein höheres Wesen, Überreste der Totenfeier und anderes mehr interpretiert werden. Aber sie können auch den Status des Toten anzeigen oder Teil des Potlach sein. Es müsse immer mit einem Komposit verschiedener Deutungsmöglichkeiten gerechnet werden und nicht nur das Erinnern, sondern auch das Vergessen spiele hierbei eine wichtige Rolle. Falko Daim betonte ergänzend, dass Beigaben einen semiotischen Zeichenwert hätten, den sie im Lauf der Zeit auch wieder verlieren könnten. Außerdem müsse man zwischen Tracht und Beigabe unterscheiden.

Die Grundlage des Erinnerns sah man im wiederholten Aufsuchen der Grabstätten, die in besonderer Weise als Erinnerungsorte zu gelten haben. Sie stellen einen Gemeinschaftsbezug her und sind in der Regel durch die Nähe zu einem Heiltum gekennzeichnet. Insofern lassen sich Friedhöfe als geschichts- und identitätsstiftende Orte begreifen. Es kristallisierte sich auch heraus, dass die Erinnerung um so stärker war, je repräsentativer Gräber, Beigaben und Totenmähler inszeniert wurden. Die adligen Familien drückten damit oftmals ihren Machtanspruch aus. Orientierungskonflikte in Übergangszeiten haben dabei vermutlich zu besonders intensiver Erinnerung geführt, ebenso wie möglicherweise Katastrophen in sehr lebendiger Erinnerung blieben.

Insgesamt zeigte sich in den Diskussionen der Archäologen und Historiker eine große Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Das dürfe aber nicht zu einer bedenkenlosen Übernahme von Ergebnissen aus anderen Wissenschaften führen, wie Irene Mittermeier (Tübingen) in ihrem abschließenden Vortrag betonte. Die geplante Publikation der Vorträge wird sicherlich zu einem wohlbalancierten Ausgleich beitragen, der die Beherrschung der eigenen Methode mit der Offenheit gegenüber fachfremden Perspektiven verbindet ­ und nichts anderes meint ja 'interdisziplinär'.

Memoria und Identität

Sascha Käuper M. A.

Mittelalterliche Geschichte, Historisches Seminar, Universität Bonn, Konviktstraße 11, D-53113 Bonn

skaeuper@uni-bonn.de

Jens Schneider

Institut zur Interdisziplinaeren Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN),

Universität Paderborn, Warburger Strasse 100,

D-33098 Paderborn

ieman@hrz.upb.de