Eugen Probst (18731970) Begründer der Schweizerischen Burgenforschung? | ||||||
|
Eugen Probst hat als Mitbegründer und erster Präsident des »Schweizerischen Burgenvereins« (19271955) der Schweizerischen Burgenforschung und -archäologie wichtige Impulse verliehen. Seine Arbeiten als Architekt auf mittelalterlichen Burgen und sein Umgang mit historischer Bausubstanz erhitzten nicht nur die Gemüter seiner Zeitgenossen, sondern bieten bis in unsere Tage hinein Anlass zu heftigen Kontroversen. Obwohl Probst kein Archäologe war, ist seine Bedeutung für die Entwicklung dieser Forschungsrichtung nicht zu unterschätzen. Eine Beschäftigung mit Eugen Probst führt unweigerlich in den Denkmalpflege-Diskurs des 19. und 20. Jahrhunderts. Da an dieser Stelle jedoch nicht auf denkmalpflegerische Diskussionen eingegangen werden kann, sollen im folgenden exemplarisch einige Arbeiten vorgestellt werden, die Probst auf Burgen durchgeführt hat. Eugen Probst wurde 1873 in Basel geboren und arbeitete nach seiner Ausbildung zum Kaufmann als Angestellter im Grundbuchamt der Stadt. Ende der 1890er Jahre siedelte er nach Zürich über, wo er 189799 am Eidgenössischen Polytechnikum ein Architekturstudium absolvierte. Seine Aufnahme in Architekturlexika verdankt er dem Bau zahlreicher Villen im sogenannten Heimatstil, vor allem in der Region Zürich und in Graubünden.1 Im Jahre 1905 realisierte er den Ausbau der Station Eismeer der Jungfraubahn. Zudem gewann er zwei Architekturwettbewerbe: 1908 für ein Freibad in Basel und 1912 für ein Schulhaus in Winterthur. Die Begeisterung Probsts für Burgen reicht bis in seine Jugend zurück. 1889 wanderte er zum ersten Mal von Basel aus auf die in Sichtweite der Stadt liegende Burg Rötteln (Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach). Bereits seit 1864 fanden auf dieser bedeutendsten südbadischen Burganlage, die noch heute als »das Musterbeispiel einer hochmittelalterlichen Höhenburg« gilt, regelmässig Instandsetzungsarbeiten statt.2 Probst begann dort mit den Arbeiten für den Bau eines Burgmodells, welches ihn noch mehrere Jahre beschäftigen sollte. Mit dem im Jahre 1926 gegründeten Verein »Röttelnbund e. V.« blieb er zeitlebens verbunden. Hier wird er auch 1936 mit dem Präsidenten des Deutschen Burgenvereins Bodo Ebhardt zusammengetroffen sein. Noch 1950 fertigte Probst in Aquarell eine Rekonstruktionszeichnung der Burganlage an. Diese Zeichnung steht so fantastisch sie auch anmutet als Beispiel für unzählige Rekonstruktionsversuche Schweizer Burgen, die sich im Nachlass Probsts finden. Die erste Burg, an welche Eugen Probst selbst Hand anlegte, war das Schloss Sargans (Kanton Sankt Gallen). Als Bauleiter und Architekt führte er in den Jahren 19001906 dessen Restaurierung durch.3 Bereits im Sommer 1898 hatte er im Auftrag der »Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler« Aufnahmen für eine allfällige Renovation des Schlosses vorgenommen. Im Herbst 1899 erwarb die Gemeinde Sargans |
Daniel Grütter, Basel | |||||
|
1 Isabelle Rucki und Dorothee Huber, Architekturlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert, Basel 1998, S. 425 2 Sybille Bock, Badische Burgen aus romantischer Sicht, Ausstellungskatalog Augustinermuseum Freiburg im Breisgau, Freiburg i. Brsg. 1993, S. 129. 3 Bugg 1999. | ||||||
|
| ||||||
|
das Schloss, im folgenden Jahr ging man an die Restaurierung. Um die Bevölkerung mit dem Projekt vertraut zu machen, hielt Eugen Probst im April 1900 einen Vortrag mit dem Titel »Zur Erhaltung der Burg Sargans«. Der Text erschien in der Lokalpresse und wurde als Separatdruck kostenlos an alle Einwohner verteilt. Um für die hohen Restaurierungskosten eine Bundessubvention zu erhalten, musste nun der im Herbst 1899 ausgearbeitete Kostenvoranschlag Probsts einer genauen Prüfung unterworfen werden. Dies übernahm eine Expertenkommission des Bundes, welche alle neuen Gesuche an den Bund zu begutachten, die begonnenen Arbeiten zu überwachen und die Abrechnungen zu prüfen hatte. Im Fall von Sargans wurde der Kostenvoranschlag zwar genehmigt, allerdings schrieben die Experten bei der Ausführung einige Änderungen vor. Sie sprachen sich vor allem für ein Belassen des orginalen Zustandes aus, während Probst fast ausnahmslos das Ersetzen der alten Fussböden, die Neuerstellung von Türen und Toren ect. vorschlug. Diese Einstellung Probsts zu historischer Bausubstanz findet sich bei vielen seiner Arbeiten und sollte ihm zeilebens erbitterte Gegener bescheren. Grundlage für die Arbeit der Bundesexperten und ihre Kritik an Probst war eine bereits 1893 in der »Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler« ausgearbeitete »Anleitung zur Erhaltung von Baudenkmälern und zu ihrer Wiederherstellung«.4 Aus dieser Anleitung sind die Grundsätze der damals angestrebten Restaurierung ersichtlich: Sie beinhaltet unter anderem das Bekenntnis zur Vielgestaltigkeit von Bauten als Ausdruck ihrer Geschichte. Des weiteren fordert sie, die historische Substanz so vollständig wie möglich zu erhalten und diese nicht durch Kopien und Faksimiles abzubauen. Ergänzungen sind nur dann als wertvoll zu erachtet, wenn sie der gesamthaften Erhaltung alter Bauformen und Konstruktionen dienen. Obwohl Probst diese Richtlinien kannte, setzte er sich wiederholt über sie hinweg. Seine Nichtbefolgung ist um so erstaunlicher, da er sich selbst wiederholt auf die »anerkannten und geltenden Regeln der Denkmalpflege« berief.5 Nach 1900 beteiligte er sich lebhaft an denkmalpflegerischen Debatten.6 So referierte er 1907 am Mannheimer Denkmalpflegetag als Delegierter der Schweizerischen Denkmalpflege über den Denkmalgruppen- und den Stadtbildschutz (in seiner Funktion als Vertreter des Schweizerischen Heimatschutzes). Im August 1915 finden wir ihn gar an der Kriegstagung für Denkmalpflege in Brüssel. Doch Eugen Probst ging, was den Wiederaufbau und die Rekonstruktion von Burgen anbetraf, beharrlich seinen Weg. Hierzu drei Beispiele: 1) 1903 wurde Probst beauftragt, ein Programm zur Restaurierung der Ruine Dorneck bei Dornach (Kanton Solothurn) auszuarbeiten.7 Nach dem Verwerfen seiner beiden Projekte, von denen das eine den vollständigen Wiederaufbau, das andere eine Teilrekonstruktion der Ruine vorgesehen hatte, wurde letztlich nur bestehendes Mauerwerk konserviert. 1908 stellte man die nicht vollendeten Arbeiten auf Dorneck ein, als es zwischen Probst und den zuständigen solothurnischen Institutionen zu unüberwindbaren Differenzen gekommen war. 2) Das Beispiel eines im Sinne Probsts gelungenen Wiederaufbaus stellt die um 1200 von den Grafen von Frohburg errichteten Burg Reichenstein (Kanton Basel-Land) dar. Die stark zerfallene Anlage gelangte im Jahre 1932 in den Besitz des Direktors der Chemiefirma Ciba, Dr. J. Brodbeck-Sandreuter. Dieser liess bis 1933 die Burg nach den Plänen von Eugen Probst als Wohngebäude wiederherstellen und komplett einrichten. | ||||
|
4 Knoepfli 1972, S. 34f. 5 Bugg 1999. 6 Knoepfli 1972, S. 154. 7 Guido Faccani, Zur Baugeschichte der Burgruine Dorneck bei Dornach, in: Mittelalter Moyen Age Medioevo Temp medieval 4, 1999/3, S. 4160. | ||||
|
| ||||
|
3) Als nächstes Betätigungsfeld wählte sich Eugen Probst die Ruine Rotberg (Kanton Solothurn). Die Anlage wurde seit 1927 vom Schweizerischen Burgenverein betreut. Im Sommer 1933 ging nun vom Kantonalen Arbeitsamt der Stadt Basel die Anregung aus, die Ruine in Anlehung an deutsche Vorbilder als Jugendburg auszubauen. Für die Umsetzung dieser bizarren Idee fanden sich Geldgeber und 1935 war die Jugendherberge bezugsbereit. Ich zitiere aus dem Text der im Eingangsbereich angebrachten Erinnerungstafel: »Diese Burg ist aus der Ruine des ehemaligen Rittersitzes derer von Rotberg als Denkmal der Arbeit in Zeiten grosser Not entstanden. Sie wurde in den Jahren 1934/35 durch einen freiwilligen Arbeitsdienst arbeitsloser Jugendlicher aus Basel nach den Plänen des Burgenbauers Eugen Probst erbaut.« In seiner Funktion als Präsident des Schweizerischen Burgenvereins hatte Probst das Projekt massgebend vorangetrieben, doch innerhalb des Vereins regte sich heftiger Widerstand. Streitpunkt war die Frage, ob der Verein gemäss Paragraph 2 seiner Statuten lediglich »die Burgen, Schlösser und Ruinen der Schweiz vor dem Zerfall bewahren« oder auch deren Wiederaufbau zu unterstützen habe. Erschwerend kam hinzu, dass für die Rekonstruktion der Rotberg keine historischen Abbildungen zur Verfügung standen. Der Vorstand sprach sich schliesslich klar gegen weitere Unternehmungen dieser Art aus. Auch innerhalb des Schweizerischen Heimatschutzes stiess das Projekt Rotberg auf Ablehnung. In einer seiner Publikationen hiess es 1934: »Für den wahren Burgenfreund die Verschandlung einer Ruine, für den Laien und Neuling ein Kinobild einer Burg, voll Schein und Trug.«8 Was die Archäologie betrifft, so ist festzuhalten, dass sich die Untersuchung auf das Einsammeln von Funden beschränkte. Die Rotberg-Affäre war auch der Grund für die endgültige Abspaltung einer Basler Gruppe des »Schweizerischen Burgenvereins«. Bereits 1931 hatten sich dort als Untersektion des Schweizerischen Burgenvereins die »Burgenfreunde beider Basel« konstituiert. Ab 1934 gingen nun beide Vereine getrennte Wege. Forschungsgeschichtliche Bedeutung erlangten die »Burgenfreunde« mit ihrem 1943 in Basel gegründeten »Schweizerischen Burgenarchiv« mit einer einzigartigen burgenkundlichen Bibliothek sowie einer wertvollen Plansammlung. Dass die archäologischen Methoden in den 30er Jahren durchaus schon ausgereift waren, liesse sich an einigen Beispielen belegen. Stellvertretend sei hier die Ausgrabung des Lindenhofkomplexes in Zürich erwähnt, bei der Emil Vogt 1937/38 »das gesamte Arsenal prähistorischer und die Präzision der stratigraphischen Ausgrabungstechnik« anwandte. Die Publikation der Grabung erfolgte 1948.9 Doch auf dem Gebiet der Burgenforschung sollte es noch lange dauern, bis diese Methoden zum Standard erhoben wurden. Noch 1963 bemängelte Werner Meyer in einem Aufsatz über seine Ausgrabungen auf der Burg Grenchen im Kanton Solothurn, dass »die wissenschaftliche Burgenforschung in unserem Lande nicht nur sehr in den Anfängen steckt, sondern von angeblichen Fachleuten sogar geradezu bekämpft wird.«10 Meyer hatte hierbei Eugen Probst im Visier und zitierte aus einem im Januar 1962 von Probst verfassten Schreiben. Probst schreibt dort: »... Mit dem Wort Burgenforschung wird heute viel Unfug getrieben. Es ist Mode geworden, mit Spachtel und Sieb den Schutt von Ruinen zu untersuchen, lange Abhandlungen zu schreiben und sie mit unverständlichen Strich-Punkt- | ||||||
|
8 E. U. F., Niemand kann zwei Heren dienen, in: Heimatschutz 29, Heft 7, S. 108. 9 Emil Vogt, Der Lindenhof in Zürich. Zwölf Jahrhunderte Stadtgeschichte auf Grund der Ausgrabungen 1937/38, Zürich 1948. 10 Werner Meyer, Die Burg Grenchen, Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 36, 1963, S. 32. | ||||||
|
| ||||||
|
Kreuzzeichnungen und Erdschnitten zu versehen. Es gibt Leute, die Freude an solchen unproduktiven Schatzgräbereien haben; vielleicht schreibt einer einmal seine Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde darüber und stempelt seine Arbeit als 'wichtige wissenschaftliche Forschung' ! ...«. Aus diesen Äusserungen Probsts spricht eine tiefe Abneigung gegenüber akademischen Eliten. Diese Abneigung resultierte wesentlich aus seinen Kontroversen mit kantonalen geschichtsforschenden Altertumsvereinen, die sich durch das Auftauchen eines »Nationalen Burgenvereins« eines Teils ihrer traditionellen Betätigungsfelder beraubt sahen. Wohl einzigartig in der Forschungsgeschichte ist seine Auseinandersetzung mit dem Präsidenten des Historischen Vereins des Kanton Solothurn, Professor Tatarinoff in den 1920er und 30er Jahren. Der Streit entbrannte über die Art und Weise der Rekonstruktion zweier Fenster der Burg Alt-Falkenstein (Kanton Solothurn) und endete schliesslich vor Gericht, nachdem die gegenseitigen Beleidigungen und Unterstellungen weit unter die Gürtellinien abgerutscht waren. Neben seiner Verbitterung über solche Auseinandersetzungen bemängelte Probst auch immer wieder die fehlende Anschaulichkeit der Forschungen. So war denn für ihn das Erstellen von abstraktem Planmaterial und Grundrissen nie Selbstzweck. Davon zeugen unzählige Rekonstruktionszeichnungen Schweizer und ausländischer Burgen, die sich in seinen Publikationen sowie in seinem Nachlass finden. War nun also die Gründung des Schweizerischen Burgenvereins ein Fehlstart für die Burgenforschung? Hat die Präsidentschaft Probsts die Entwicklung der Burgenarchäologie tatsächlich um Jahrzehnte zurückgeworfen? Eine solche Beurteilung würde wohl den Einfluss Probsts überschätzen. Denn Burgenforschungen gab es schon vor 1927 und auch während seiner Amtszeit, angefangen von genealogischen Studien bis hin zu Ausgrabungen und deren Auswertungen. Erinnert sei hier etwa an die Verdienste von Albert Naef um die Erforschung von Schloss Chillon. Ausserdem sassen im Gründungsvorstand des Burgenvereins neben Eugen Probst so anerkannte Forscher wie Hans Lehmann (Direktor des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich) oder Linius Birchler und Erwin Poeschel (beides Kunstdenkmälerinventarisatoren). Unter der Präsidentschaft von Probst wurden breit angelegte Kampagnen für die Sache der Burgenerhaltung lanciert und ein grosses Publikum sensibilisiert. Hierzu trugen Vortragsreihen, Ausstellung und Reisen bei. Schon bald nach der Vereinsgründung galten die Experten des Burgenvereins als geschätzte Berater für Behörden, die sich mit denkmalpflegerischen Aufgaben konfrontiert sahen. Es waren grosse Erfolge zu verzeichnen: So gelang etwa 1928 die Erhaltung von Schloss Spiez sowie 1928/29 der Rückkauf der Burgruine Zwing Uri. Ausserdem wurde schon im ersten Jahr eine intensive Publikationstätigkeit aufgenommen. Seit 1927 erschienen regelmässig die »Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins« und 1929 lag der erste Band der Reihe »Burgen und Schlösser der Schweiz« vor. Auch im Bereich der »Neuen Medien« wurde Pionierarbeit geleistet. So entstand 1936 unter Leitung von Eugen Probsts Sohn Eduard der Dokumentarfilm »Burgen und Schlösser der Schweiz«. Allerdings, erst nach Probsts Abwahl aus dem Präsidentenamt 1955 gelang es seinen Nachfolgern, der Organisation ein auf der Höhe der Zeit stehendes, wissenschaftlich orientiertes Profil zu verleihen. Nun wurden auch in der Schweiz bei Ausgrabungen mittelalterlicher Burgplätze systematisch moderne archäologische Untersuchungsmethoden angewandt. | ||||
|
Literatur: Mathias Bugg, Das Schloss Sargans um 1900, Festschrift »100 Jahre Schloss Sargans im Besitz der Ortsgemeinde Sargans«, Sargans 1999. Eugen Probst, Die Burg Sargans und deren Wiederherstellung. In: Die Denkmalpflege 3, 1901, Nr. 12 (25. September 1901). Hans Erb, Burgenliteratur und Burgenforschung, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 8, 1958, S. 488530. Ursula Isler-Hungerbühler, Johann Rudolf Rahn. Begründer der schweizerischen Kunstgeschichte. Zürich 1956. Albert Knoepfli, Schweizerische Denkmalpflege. Geschichte und Doktrinen. Zürich 1972 (Beiträge zur Geschichte der Kunstwissenschaft in der Schweiz 1). Renate Wagner-Rieger / Walter Krause, Historismus und Schlossbau. München 1975 (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts 28). Josef Zemp, Das Restaurieren. In: Schweizerische Rundschau 1907, H. 4, S. 249258 (Nachdruck Bern 1948).
Schweizerischer Burgenverein im Internet: http://www.sagw.unine.ch/members/SBV/portrait/who-what/d-content.html
Burgenfreunde beider Basel im Internet: http://www.geocities.com/irhu_mgis/bbbpage. html
Ungedruckte Quellen: Schweizerisches Burgenarchiv Basel, Sammlung Probst. Vereinsarchiv des Schweizerischen Burgenvereins. Vereinsarchiv der Burgenfreunde beider Basel.
lic. phil. Daniel Grütter Kulturhistorische Forschungen & Vermittlung, Breisacherstrasse 68, CH-4057 Basel | ||||
|
| ||||
»Es handelt sich ohne Frage um das Palatium Ottos I.«Zur Interpretation eines Baubefundes aus der Magdeburger Altstadtund ihren Folgen | ||||||
|
Mit der Feststellung »Es handelt sich ohne Frage um das Palatium Ottos I.« hat der Archäologe Ernst Nickel einem Baubefund aus der Altstadt von Magdeburg unter Mittelalterarchäologen, Kunsthistorikern und Mediävisten viel Aufmerksamkeit verschafft. Er hat damit den Grundstein für das gelegt, was wir heute über eine der wichtigsten Pfalzanlagen des 10. Jhs., die Pfalz Ottos des Ersten (936-973) in Magdeburg, zu wissen glauben. Bei dem Befund, den Nickel als das »Palatium Ottos des Ersten«, also als die aula regia der Magdeburger Pfalz angesprochen hat, handelt es sich um die Überreste eines großen steinernen Bauwerkes, welche 1965 bei einer von Nickel geleiteten Grabung auf dem Domplatz in Magdeburg entdeckt worden sind. Die Domplatzgrabung war bereits 1959 begonnen worden und zählt zu den frühen Forschungsunternehmungen der Stadtkernarchäolgie in Deutschland. Nickels Identifizierung der fraglichen Gebäudereste findet sich in einem 1973 veröffentlichten Vorbericht über die Grabung (Nickel 1973). In diesem Bericht hat der Ausgräber auch einen Übersichtsplan der Baubefunde vorgelegt (Abb. 1). Nickel ging seinerzeit davon aus, daß aus dem Verlauf der erfaßten Fundamentausbruchgräben und erhaltenen Fundament- bzw. Mauerzüge das Raumgefüge eines einzigen, unverändert gebliebenen Gebäudes zu erschließen sei. Seine Ansprache dieses Bauwerks als Königshalle der ottonischen Pfalz beruht vor allem auf seiner Datierung der Baureste (vgl. Nickel 1966, Nickel 1973). Nickel brachte sie mit einer »Kalksteinschicht« in Verbindung, die sich über den gesamten Domplatz erstreckt hat und die, wie er schreibt, »an dem Gebäude auslief«. Diese Kalksteinschicht hat Nickel als eine »Steinbau-Abfallschicht« des 10. Jh. gedeutet. »10. Jh.« deshalb, weil die Schicht einen Horizont mit Grubenhäusern überdeckte, deren Verfüllung Keramik enthielt, die in das 8. bis 10. Jh. datierbar ist, und Nickel der Ansicht war, daß ein stratigraphisch erster, »nach-karolingischer« Bauhorizont auf dem Domplatz von Bautätigkeiten des 10. Jhs. herrühren müsse. Damit war für Nickel auch das Gebäude, an dem diese Kalksteinschicht »auslief«, in das 10. Jh. datierbar. Da die historische Forschung die Pfalz Magdeburg im Umfeld des Domes vermutet, konnte es sich in seinen Augen bei einem großen Steinbau des 10. Jhs., der in Domnähe entdeckt wird und zudem noch einen sehr ungewöhnlichen Grundriß aufweist, schließlich nur um eines handeln, nämlich eben um das »Palatium Ottos I.«. Kunsthistoriker und Mediävisten haben diese Aussage akzeptiert und zur Grundlage weitreichender Schlussfolgerungen gemacht. Zur Akzeptanz der Deutung hat vermutlich vor allem der Historiker Walter Schlesinger beigetragen. Schlesinger hatte in den 60er Jahren das Magdeburger Pfalzareal anhand der schriftlichen Überlieferung im Bereich nordöstlich des Domes lokalisiert. Obwohl Schlesinger, wie er in seinem 1968 publizierten Aufsatz hierüber schreibt, die genaue Lage der 1965 von Nickel entdeckten Baureste noch nicht kannte, sah er in der Aufdeckung und Deutung dieser Strukturen durch Nickel eine Bestätigung seiner Lokalisierung der Pfalz (vgl. Schlesinger 1968). Ernst Nickel war Schlesingers Aufsatz von 1968 bekannt, als er seine Deutung der Baureste 1973 publizierte und Schlesingers Meinung hierzu hatte ihn darin sicher weiter bestärkt. Der von Schlesinger bestimmte Platz der Pfalz weicht allerdings nicht unerheblich von der Fundstelle des Bauwerkes auf dem Domplatz ab, aber dieser Umstand |
Babette Ludowici, Leipzig | |||||
|
| ||||||
|
| ||||
|
Abb. 1: Domplatz Magdeburg: Als palatium der ottonischen Pfalz interpretierte Gebäudereste. Befundübersicht nach E. Nickel 1973. |
findet in Nickels Aufsatz keine Erwähnung (vgl. hierzu Ludowici 2000a). Ab den 80er Jahren haben sich dann verschiedene Architekturhistoriker mit dem von Nickel vorgelegten Übersichtsplan der Befunde beschäftigt, vor allem Edgar Lehman und Cord Meckseper (Lehmann 1984, Meckseper 1986). Lehmann und Meckseper stellten übereinstimmend fest, daß aus dem 10. Jh. weder aus Mitteleuropa noch aus dem byzantinischen Gebiet vergleichbare Bauwerke bekannt sind. Zweifel an der historischen Identifizierung des Gebäudes äußerten sie gleichwohl nicht. Sie folgerten vielmehr, daß der Magdeburger Bau ein völlig einzigartiges Beispiel für die repräsentative Profanarchitektur der ottonischen Zeit darstelle. Vorbilder für seine Gestaltung sahen sie in spätantiken und karolingischen Profan- und Kirchenbauten sowie in der Kirchenarchitektur des 9. und 10. Jhs. Die aula regia der ottonischen Pfalz Magdeburg, so wie wir sie uns seither vorstellen, gilt der Kunstgeschichte als ein gefundenes »missing link« in der Entwicklung der mittelalterlichen Architektur, das zwischen den an der Spätantike orientierten Großbauten der Karolingerzeit und den Palas-Bauten der Burgen des späten Mittelalters vermittelt (Meckseper 1986). Die architektonische Einmaligkeit des Bauwerks und sein auffallend sakrales Erscheinungsbild werden als Ausdruck des imperialen Anspruchs Ottos I. gedeutet (vgl. hierzu wiederholt Lehmann 1993). Zur allgemeinen Akzeptanz der Nickelschen Interpretation des Baubefundes vom Domplatz hat sicher die hohe Erwartungshaltung hinsichtlich der Architektur der Magdeburger Pfalz beigetragen. Sie findet ihren Grund im Urteil von Zeitgenossen über das ottonische | |||
|
| ||||
|
| ||||||
|
Abb. 2: Die Gebäudereste vom Magdeburger Domplatz. Ausbruchhorizonte I und II. A, B und C: Suchschnitte mit noch ungeklärter Befundsituation. Schraffierter Bereich: Zu Ausbruchhorizont I. | ||||||
|
Magdeburg, aber auch in Einschätzungen der Bedeutung der Stadt durch die moderne Geschichtsschreibung. So überliefert beispielsweise Brun von Querfurt, der Hofkapellan Ottos III. (9941002), daß Magdeburg am Ausgang des 10. Jh.s als theutonum nova metropolis beschrieben wurde und wir wissen, daß der Ort auch als roma nova bezeichnet worden ist (zur historischen Überlieferung vgl. Schlesinger 1968 mit weiterer Literatur). Historiker des 20. Jhs. haben in Magdeburg die Lieblingspfalz Ottos des Großen gesehen, vor allem aber die »Hauptstadt des deutschen Ostens im frühen Mittelalter«. Letzteres resultiere aus der Funktion des Ortes als Stützpunkt des ostfränkisch-deutschen Reiches gegenüber den eroberten slawischen Gebieten und als Zentrum der Slawenmission. Von hier aus sei damit der späteren deutschen Ostkolonisation entscheidend der Weg bereitet worden (grundlegend Brackmann 1937). Der archäologische Nachweis einer herausragenden ottonenzeitlichen Architektur in Magdeburg entsprach daher ganz den Erwartungen, die man hinsichtlich der Qualität der baulichen Ausstattung dieses Ortes hegen konnte. Die Auswertung der von Ernst Nickel hinterlassenen Dokumentation der Grabung auf dem Domplatz in Magdeburg stand bislang noch aus. Sie liegt seit Oktober 1998 in den Händen der Verfasserin und wird als Teil eines interdisziplinären Forschungsprojektes zur Entstehung und Entwicklung von Herrscherresidenzen und frühstädtischen Zentren des 10.12. Jhs. in Ostmitteleuropa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (GWZO 1999). Zu den wichtigsten Zwischenergebnissen der noch laufenden Auswertung gehören neue Erkenntnisse über die als Reste der ottonischen | ||||||
|
| ||||||
|
aula regia angesprochenen Baubefunde. Sie stellen nicht nur bisherige Rekonstruktionen des Baukörpers, sondern auch die sicher geglaubte historische Identifizierung des Bauwerks wieder in Frage. Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse läßt sich heute nämlich nicht mehr ausschließen, daß es sich bei den fraglichen Baustrukturen um einen bislang unbekannten mittelalterlichen Kirchenbau gehandelt hat. Grundlage dieser Überlegung ist die Feststellung, daß die Mauerzüge bzw. Fundamente des Baukomplexes zu zwei verschiedenen Zeitpunkten abgerissen bzw. ausgebrochen worden sind. Abb. 2 zeigt, welche der verschiedenen Mauer- bzw. Fundamentzüge einem älteren und einem jüngeren Ausbruchhorizont zugewiesen werden können. Dunkel hervorgehoben sind diejenigen Fundamente und Mauern, die zuerst ausgebrochen bzw. niedergelegt worden sind; hellgrau gefärbt sind diejenigen, die erst später entfernt wurden. Die verschiedenen Mauer- und Fundamentzüge müssen also entweder unterschiedlich lange oder zu unterschiedlichen Zeiten »in Funktion« gewesen sein. Hieraus ergibt sich als baugeschichtliche Aussage folgendes: Entweder zeugt die Gesamtheit der Fundament- bzw. Mauerzüge von einem älteren und einem jüngeren Bauzustand eines einmal veränderten Gebäudes oder sie stammen von zwei verschiedenen, sich am Ort ablösenden Baukörpern. Im ersten Fall wären alle erfaßten Mauer- und Fundamentzüge zunächst in baulichem Zusammenhang miteinander gestanden, so wie Nickel es vermutet hat. Im Laufe der Bestehenszeit des Gebäudes müßten dann aber alle auf dem Plan dunkel hervorgehobenen Mauerzüge entfernt worden sein, während der Rest des Gebäudes in veränderter Gestalt weiterhin Bestand hatte. Es ist aber genauso gut möglich, daß die zuerst abgerissenen Baustrukturen Teile eines Bauwerks waren, das vor oder im Zuge der Errichtung der anderen Mauerzüge - und damit eines Nachfolgebaus - ganz oder zumindest teilweise niedergelegt worden ist. In den im Plan dunkel dargestellten Mauerzügen würde sich also der westliche Abschluß eines älteren Bauwerks zeigen, in den hellen Mauerzügen Teile des Grundrisses eines jüngeren Baus. Welche dieser beiden Varianten wahrscheinlicher ist, läßt sich nicht sicher entscheiden, weil alle Mauern vom selben antiken Laufhorizont aus aufgebaut worden sind und die Befundsituation bzw. die Befunddokumentation keine eindeutigen Aussagen über die zeitliche Abfolge der Errichtung der einzelnen Bauteile erlaubt. Das es sich bei den Baustrukturen vom Magdeburger Domplatz um die Reste eines unbekannten Kirchenbauwerks handeln könnte, läßt sich aus folgenden Beobachtungen erschließen: Zunächst spricht dafür der jüngere Grundriß, also das Gefüge der auf Abb. 2 hell gefärbten Fundament- und Mauerzüge. Dieses Grundrißgefüge entspricht ganz dem westlichen Teil einer romanischen Kirche, d.h. wir haben einen großen Westbau mit zwei runden Treppen-Türmen, an den sich im Osten ein Langhaus anschließt und im Westen ein Vorbau. Aber auch für das Gefüge des postulierten ältern Bauwerks, zu dem die zuerst abgerissenen Mauern gehört haben können - also die dunkel gefärbten Mauerzüge , lassen sich Kirchengrundriße als Vergleichsbeispiele heranziehen. Zu denken ist hier vor allem an die ottonische Abteikirche St. Maximin in Trier (vgl. Neyes 1989) und an die Marienkirche der ottonischen Pfalz Memleben (hierzu zuletzt Leopold 1998). Man darf und muß sich also fragen, ob nicht statt einer ottonischen aula regia die letzten Reste einer ottonenzeitlichen Kirche und ihres romanischen Nachfolgebaus entdeckt worden sind (Hierzu ausführlich und mit allen relevanten Details Ludowici 2000b). | ||||
|
Literatur:
Brackmann 1937: Albert Brackmann, Magdeburg als Hauptstadt des deutschen Ostens im frühen Mittelalter, Leipzig 1937. GWZO 1999: GWZO e.V. (Hrsg.), Tätigkeitsbericht 1997/98, Berichte und Beiträge des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. 1998, Leipzig 1999, 1127. Lehmann 1984: Edgar Lehmann, Der Palast Ottos des Großen in Magdeburg, in: F. Möbius u. E. Schubert (Hrsg.), Architektur des Mittelalters. Funktion und Gestalt, Weimar 1984, 4262. Leopold 1998: Gerhard Leopold, Archäologische Ausgrabungen an Stätten der ottonischen Herrscher (Quedlinburg, Memleben, Magdeburg), in: G. Althoff u. E. Schubert (Hrsg.), Herrschaftsrepräsentation im ottonischen Sachsen (Vorträge und Forschungen, hrsg. vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, Bd. XLVI), Sigmaringen 1998, 4576. Ludowici 2000a: Babette Ludowici, Archäologische Quellen zur Pfalz Ottos I. in Magdeburg: Erste Ergebnisse der Auswertung der Grabungen 1959-1968 auf dem Magdeburger Domplatz, in: B. Schneidmüller u. St. Weinfurter (Hrsg.), Ottonische Neuanfänge, Mainz 2000, im Druck. Ludowici 2000b: Babette Ludowici, Ottonische aula regia oder unbekannter Kirchenbau? Ein Arbeitsbericht zum Stand der Auswertung der Grabungen von 19591968 auf dem Magdeburger Domplatz, Archäologisches Korrespondenzblatt 3/2000, 2000, 116. Meckseper 1986: Cord Meckseper, Das Palatium Ottos des Großen in Magdeburg, Burgen und Schlösser 27, 1986, 101115. Meckseper 2000: Cord Meckseper, Zur Interpretation des 19591968 auf dem Magdeburger Domplatz ergrabenen Bauwerks (»Pfalz«), in: B. Schneidmüller u. St. Weinfurter (Hrsg.), Ottonische Neuanfänge, Mainz 2000, im Druck. Neyses 1989: Adolf Neyses, Die frühottonische Abteikirche St. Maximin in Trier. Vorbericht zu den jüngsten Grabungen und Bauforschungen des Rheinischen Landesmuseums Trier, Kunstchronik 42, 1989, 102109. Nickel 1966: Ernst Nickel, Vorottonische Befestigungen und Siedlungsspuren auf dem Domplatz in Magdeburg, Prähistorische Zeitschrift 43/44, 1965/66 (1966), 237278. Nickel 1973: Ernst Nickel, Magdeburg in karolingisch-ottonischer Zeit, Zeitschrift für Archäologie 7, 1973, 102142. Schlesinger 1968: Walter Schlesinger, Zur Geschichte der Magdeburger Königspfalz, in: F. Schrader (Hrsg.), Beiträge zur Geschichte des Erzbistums Magdeburg. Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte 11, Leipzig 1968, 943. | ||||
|
| ||||
|
Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, daß der Bau vom Magdeburger Domplatz nicht zu allen Zeiten den Grundriß aufgewiesen haben kann, den der Ausgräber vermutet hat, und damit ist der bisherigen Rekonstruktion des Gebäude die Grundlage entzogen. Ebenso kann eine Ansprache der Befunde als Reste eines Baukomplexes mit profaner Zweckbestimmung nicht mehr zwingend vorausgesetzt werden (vgl. hierzu auch Meckseper 2000). Damit ist dann aber auch die bisherige Identifizierung des Bauwerks als »palatium Ottos des Ersten« grundsätzlich in Frage zu stellen. | ||||||
|
Dr. Babette Ludowici Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. Luppenstraße 1b 04177 Leipzig | ||||||
Forschung und Rekonstruktion der Pfalz Ingelheim im Lauf von 100 Jahren | ||||||
|
Die im 19. Jahrhundert begonnenen archäologischen Ausgrabungen in der Königspfalz zu Ingelheim am Rhein werden seit 1993 fortgesetzt. Das Ziel der Untersuchungen ist die Aufdeckung neuer Quellen zur Baugeschichte einerseits sowie die systematische Auswertung mit Ergebnisveröffentlichung andererseits, deren Kern ein auf Vollständigkeit hin angelegter Befundkatalog bildet. Hierin werden Baubefunde der Altgrabungen teils erstmals ausgewertet und, wo möglich, einem stratigraphischen Kontext zugewiesen. Nachdem mehrere Vorberichte der Ausgräber seit 1911 gezeigt haben, dass der Gründungsbau Karls des Großen von Leitformen antiker und spätantiker Architektur inspiriert und im Ganzen ein singulärer Großbau ist, mag hierin der Versuch gesehen werden, einen baugeschichtlich interessanten Gegenstand eingehender kennen zu lernen. In nicht vielen Denkmälern, die heute Gegenstand der Archäologie des Mittelalters sind, reichen Bodenöffnungen in das 19. Jahrhundert zurück. Neben den Fragen, mit welcher Grabungstechnik und mit welchen Methoden der Dokumentation die Untersuchungen durchgeführt worden sind, verdient auch der zeitgeschichtliche Kontext Aufmerksamkeit, aus dem heraus Fragestellungen entwickelt und denkmalpflegerische Maßnahmen getroffen worden sind. Allen diesen Fragen dient ein forschungsgeschichtlicher Rückblick: Die Inventarisation obertägig erhaltener Reste seit 1766 (D. Schoeppflin) und die Sammlung der Schriftquellen, erstmals 1852 publiziert (J. Benkard), bildeten die Grundlage einer generalistischen Untersuchung durch den Leiter der Denkmalpflege in der Rheinprovinz, Paul Clemen, die über die vergleichende Einordnung des karolingischen Kaiserpalastes in den seinerzeit als frühmittelalterlich eingestuften Denkmalbestand hinaus erstmals zur Öffnung des Bodens in der Aula regia führte. Die Suche im Apsisbereich »... mit einer eisernen Brechstange als Bohrer...« führte jedoch zunächst zu irrigen Annahmen hinsichtlich des vermeintlich basilikalen Grundrisses der Aula. Entscheidender dürfte der Beitrag gewesen sein, den Clemen 20 Jahre später leistete, in dem auf sein Hinwirken der Verein für Kunstwissenschaft in Berlin systematische Ausgrabungen in insgesamt vier Pfalzen in Auftrag gab, die zwei karolingische und zwei staufische Anlagen zum Inhalt hatten. Christian Rauch leitete von 1909 bis 1914 fünf Grabungskampagnen im Ingelheimer Saal", deren Ergebnisse erstmals die Größe und bauliche Gliederung einer Pfalz karolingischer Zeitstellung in den Grundzügen erkennbar werden ließen. Das 1931 im Römisch-Germani |
Holger Grewe, # | |||||
|
| ||||||
|
schen Zentralmuseum zu Mainz nach den Angaben des Ausgräbers angefertigte Rekonstruktionsmodell wurde bald zum Inbegriff eines frühmittelalterlichen Palatiums. Zu den frühesten Interessenten der Großgrabung aber zählte Wilhelm II., dessen Besuch für August 1914 avisiert war. Pläne für einen Wiederaufbau nach Art der Hohkönigsburg im Elsaß (B. Ebhardt) und des Limeskastells Saalburg im Taunus (A. von Cohausen und L. Jacobi) hätten in Auftrag gegeben werden sollen, wenn nicht die politische Lage am Vorabend des 1. Weltkriegs dieses Vorhaben eingeholt hätte. Freilich wäre eine Vollrekonstruktion jetzt auch zum Gegenstand der neuen Diskussion um Wert und Sinnhaftigkeit dieser Wiederaufbauten geworden (G. Dehio). Der Fortsetzung der Grabungen seit 1960 lag zunächst eine denkmalpflegerische Zielsetzung zugrunde, da mit ihnen Fragen zur Baugeschichte der Pfalzkirche beantwortet werden sollten, bevor diese durch Renovierung und den Anbau eines Westhauses weitreichenden Veränderungen unterzogen war. Insgesamt 17 von Walter Sage angelegte Schnitte im Kirchgarten erbrachten die ersten stratifizierten Funde und mit ihnen die Möglichkeit absolutchronologischer Datierungen. Keramikfunde hatten bekanntlich zu der Einsicht geführt, dass die Pfalzkirche eine Gründung des 10. Jahrhunderts sein musste. Während die Vorberichte W. Sages und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter H. Ament und U. Weimann erstmals Grabungsprofile und den nach Bauperioden gegliederten Grundriß zum Inhalt hatten, entstanden bald darauf Gesamtrekonstruktionen, die auf der Annahme einer stark befestigten burgartigen Anlage beruhten (K. Weidemann). Ein Mauerbering mit Bastionen, Kammertor und Wehrtürmen zählte zu den wehrtechnischen Einrichtungen dieser Pfalzburg, deren Rekonstruktion augenfällig unter dem Eindruck der seit 1975 publizierten Ergebnisse von Burgenforschungsprogrammen in Hessen und Bayern entstanden ist. Gleichzeitig mit dem Fortgang der Grabungen bis 1970 setzte eine Phase intensiver wissenschaftlicher Beschäftigung mit Pfalzen und Königshöfen ein, die von der Itinerarforschung und Rechtsgeschichte betrieben wurde. Es sei besonders auf das 1963 vorgelegte Bearbeitungsschema für das Repertorium der deutschen Königspfalzen (W. Schlesinger) hingewiesen. Baugeschichtliche Untersuchungen größeren Umfangs lagen in Deutschland aber weiterhin nur für Aachen, Frankfurt a. M. und Paderborn vor. Mit der Veröffentlichung eines größeren Teils der Grabungsdokumentation durch C. Rauch 1976 sowie eines umfangreichen Vorberichts W. Sages im selben Jahr endete schließlich auf Jahre hinaus die Forschung in Ingelheim. Dem laufenden Projekt gab entscheidenden Anstoß, dass einige aus wissenschaftlicher Sicht relevante Flächen in dem ansonsten dicht bebauten Pfalzgebiet für Ausgrabungen zur Verfügung standen und schließlich die Funde und Befunde einer zusammenfassenden Auswertung harrten. Nach Untersuchungen im Nordflügel und bei der Aula regia liegt der gegenwärtige Schwerpunkt auf einer Grabung am sogenannten »Heidesheimer Tor« im Scheitel der für den Ingelheimer Grundriss so kennzeichnenden exedraartigen Halbkreisarchitektur. Im Rahmen eines von Stadt und Landesregierung geförderten Projekts werden die Grabungsbereiche nach abgeschlossener Untersuchung konserviert, auf Grundlage der Ergebnisse umgestaltet und teilweise erstmals begehbar gemacht. Der vorläufige Abschluss dieser Maßnahmen zur Untersuchung und Valorisierung der Königspfalz Ingelheim ist im Jahr 2002 vorgesehen. | |||
|
| |||
Archäologie des Mittelalters und der Neuzeitim Jahr 2000 Perspektiven für die Zukunft | ||||||
|
Wie für jedes Fach, stellt auch für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit die Reflexion der eigenen Forschungsgeschichte, wie sie in dieser Tagung versucht wurde, eine wichtige Grundlage für das Verständnis seiner Situation in der Gegenwart dar und bildet, neben verschiedenen weiteren Aspekten, eine Basis für die Bewertung der derzeitigen Lage des Fachs und für Überlegungen zu seiner künftigen Entwicklung. Eine solche Evaluierung und mögliche, sich daraus ergebende Perspektiven sollen im folgenden versucht werden. Zunächst lassen sich dabei allgemein einige weitgehend positive Feststellungen treffen: Zum einen kann die Phase der Entstehung des Fachs, in der über längere Zeit Fragen der Definition, der Selbstrechtfertigung und Abgrenzung gegenüber den Nachbar- und Kontaktdisziplinen die fachinterne Diskussion bestimmt haben, als weitgehend abgeschlossen bezeichnet werden.1 Dies gilt auch für den Prozeß der Verselbständigung, der Loslösung aus den Disziplinen, aus denen das Fach erwachsen ist und zu denen neben der Vor- und Frühgeschichte auch die Bau- und Kunstgeschichte sowie die mittelalterliche Geschichte und historische Landeskunde gehören, was sich nicht zuletzt in der wissenschaftlichen Ausbildung der heute im Fach Tätigen wiederspiegelt. Die Konsolidierung der Archäologie des Mittelalters, die sich in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen hat, erhielt durch die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands einen bis jetzt anhaltenden, kräftigen Impuls. Nachdem aufgrund ganz unterschiedlicher politischer Rahmenbedingungen ebenso wie wissenschaftstheoretisch und ideologisch begründeter Vorgaben die Entwicklung des Fachs in den beiden Teilen Deutschlands bis 1991 nicht in gleicher Weise verlief, ist es danach schnell zusammengewachsen und hat sich zu einer weitgehend einheitlich ausgerichteten Disziplin entwickelt, sowohl was die Lehre und Forschung an den Universitäten wie auch, was die Umsetzung im Bereich der Landesarchäologien und der Museen mit entsprechenden Sammlungen und Aktivitäten betrifft. Innerhalb der Wissenschaftslandschaft der archäologischen Disziplinen erscheint die archäologische Mittelalterforschung in der Theorie wie in der Praxis in seiner Position definiert und gefestigt, als ein inzwischen schon kräftig gewachsener Sproß »an dem mächtigen Baum der archäologischen Wissenschaften«, wie dies Herrmann Hinz 1982 formuliert hat.2 Die Ausgrabung archäologischer Überreste aus mittelalterlicher und zunehmend auch nachmittelalterlicher Zeit ist in den Landesarchäologien wie im Bereich universitärer Forschungen gleichrangig neben die Untersuchung von Befunden und Funden aus den Epochen der Ur- und Frühgeschichte getreten. Anders, als dies noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war, ist ihre Bedeutung für die Erforschung des Mittelalters weitgehend unbestritten, auch wenn die jeweiligen Ergebnisse bei den mediävistischen Nachbardisziplinen noch nicht immer in dem Umfang wahrgenommen werden, wie es dieser Bedeutung entspricht. Schließlich ist erkennbar, daß auch in der fächerübergreifenden Wissenschaftsdiskussion eine Tatsache, die für das Fach konstituierend erscheint, allmählich immer größere Akzeptanz findet: |
Barbara Scholkmann, Tübingen | |||||
|
1 Vgl. zur Entwicklung und dem gegenwärtigen Stand des Fachs zuletzt die Beiträge von B. Scholkmann, H. Steuer und G. Mangelsdorf in: ZAM 25/26, 1997/98, 718, 1938 und 3948. 2 So H. Hinz, Mittelalterarchäologie, in: ZAM 10,1982, 11-20, hier 17. | ||||||
|
| ||||||
|
Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit stellt theoretisch wie methodisch mehr dar als die »direkte Fortsetzung der vor- und frühgeschichtlichen Archäologie...sowohl nach Problemstellung wie nach methodischem Ansatz«, wie Herbert Jankuhn 1973 das Fach beschrieb.3 Aufgrund ihrer unverzichtbaren Einbindung in eine umfassend verstandene Erforschung der Geschichte des Mittelalters und nachmittelalterlicher Epochen und der damit bestehenden engen Vernetzung mit der historischen Schriftquellenforschung wie auch anderen mediävistischen Disziplinen, etwa der Bauforschung oder der Realienkunde, greift sie auf ein sehr viel breiteres Spektrum von Fragestellungen und Methoden zurück und verfügt über andere Möglichkeiten und Ansätze zur Interpretation ihrer archäologischen Quellen. Dies begründet wesentlich ihre Eigenständigkeit als archäologische Disziplin. | ||||
Quantitative Bewertung |
Beeindruckend stellt sich eine quantitative Bilanz des Fachs im Jahr 2000 dar, die sich durch Zahlen belegen läßt. So zeigt eine Durchsicht der jährlich veröffentlichen Kurzberichte zu Grabungen, wie sie inzwischen von fast allen Institutionen der Landesarchäologie vorgelegt werden, daß etwa ein Drittel bis teilweise die Hälfte aller Rettungsgrabungen Überreste aus mittelalterlicher und, mit zunehmender Tendenz, auch nachmittelalterlicher Zeit betreffen. Dies gilt insbesondere für die neuen Bundesländer, dort bedingt durch den erheblichen Veränderungsdruck etwa in den historischen Stadtkernen, aber auch die zahlreichen »linearen Projekte« oder Flächenprojekte wie den Braunkohlentagebau. Ein, wenn auch immer noch bescheidener, Ausbau des Fachs ist an den Universitäten zu verzeichnen. Dabei ist besonders darauf zu verweisen, daß der »Quantensprung« hier erst in einer Zeit erfolgte, als, mit Ausnahme der neuen Bundesländer, die große Ausbauphase im universitären Bereich bereits beendet und die Situation eher von Stagnation und Rückbau gekennzeichnet war. Immerhin sind, seitdem Hermann Hinz 1982 die Situation an den Universitäten beschrieb,4 mehrere neue Professuren für das Fach eingerichtet worden (Berlin, Humboldt-Universität, Greifswald, Tübingen). Der tatsächliche Umfang der Einbindung der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie in Lehre und Forschung an den Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland ist damit jedoch keineswegs vollständig erfaßt. So zeigt ein Blick in die jedes Semester erscheinende Zusammenstellung des Lehrangebots für Ur- bzw. Vor und Frühgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland,5 daß an zahlreichen Instituten Lehrveranstaltungen zum Fach angeboten werden, zum Teil von Mitgliedern der Institute, zum Teil von Lehrbeauftragten, die in verschiedenen Bereichen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit tätig sind. Entsprechend stellt sich die Lage bei den Studienabschlußarbeiten dar. So waren, um ein Beispiel herauszugreifen, im Jahr 1996, in den Fächern Ur- bzw. Vor- und Frühgeschichte insgesamt 447 Dissertationen in Arbeit, davon 57 mit Themen aus dem Fach Mittelalter- und Neuzeitarchäologie und von diesen wiederum 30 an Instituten, wo das Fach nicht offiziell studierbar ist.6 Auch die Erweiterung der Bezeichnung von Instituten um den Begriff »Archäologie des Mittelalters«, z.B. in Freiburg, kann hier angeführt werden. Mehrere Forschungsprojekte sind, zum Teil in Verbindung mit einzelnen Landesarchäologien, im universitären Rahmen durchgeführt worden, laufen derzeit oder sind in der Planung begriffen. Deutlich ist die quantitative Ausdehnung des Fachs im Bereich der Publikationen ablesbar. Die Zahl einschlägiger Veröffentlichungen in Zeitschriften und Reihen, die ursprünglich ur- bzw. vor- und frühgeschichtlichen Forschungen vorbehalten waren, hat | |||
|
3 H. Jankuhn, Umrisse einer Archäologie des Mittelalters in: ZAM 1,1973, 9-19, hier 9. 4 H. Hinz, wie Anm.2, 18. 5 Z. B. H. Roth (Hrsg.), Zusammenstellung, begründet von Otto Kleemann, Neue Folge 14, Lehrveranstaltungen SS 2000, Bundesrepublik Deutschland, Österreich und Schweiz, 1-73. 6 Zusammenstellung bei: B. Scholkmann, Medieval Archaeology as an academic discipline at German universities: problems of teaching, in: Actes du IIIe Colloque Européen des Professeurs d 'Archéologie Mediévale, Caen 1999. | ||||
|
| ||||
|
kontinuierlich zugenommen und mehrere Reihen, die ausschließlich mittelalterarchäologische Forschungen publizieren, sind entstanden. Die Anzahl der Monographien, die jedes Jahr neu erscheinen, ist beträchtlich, wobei allerdings kritisch anzumerken ist, daß die im englischsprachigen Raum üblichen und äußerst nützlichen Überblicksdarstellungen zu Befund- wie Fundgattungen immer noch weitgehend fehlen. Neben der Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters (ZAM), von der in diesem Jahr Band 27/28 erschienen ist, hat die Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit mit ihren »Mitteilungen«, deren Heft 11, 2000, vorliegt, ein breit akzeptiertes Informations- und Diskussionsforum für das Fach geschaffen. Hinzuweisen bleibt schließlich auf die Entstehung von mehreren, jeweils speziellen Themenbereichen gewidmeten Arbeitskreisen und die zahlreichen Tagungen und Kolloquien, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden haben und unter denen die jährlichen Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit einen gewichtigen Platz einnehmen. | ||||||
|
Eine qualitative Bilanz erweist sich als schwieriger und, anders als bei der quantitativen Bewertung, erscheinen hier einige kritische Anmerkungen notwendig. Gegenüber der quantitativen Evaluation muß sie jedoch zwangsläufig auch subjektiver ausfallen, da hier in erheblich stärkerem Maße persönliche Einschätzungen einfließen. Die im folgenden angesprochenen Punkte sollen deshalb auch als Anregungen für eine fachinterne Diskussion verstanden werden. Die gegenwärtige Situation des Fachs erscheint noch immer in erheblichem Maße von dessen wissenschaftsgeschichtlicher Entwicklung bestimmt. Prägend ist dabei nach wie vor die sehr enge Anbindung an die Ur- und Frühgeschichte. Die Verknüpfung mit diesem Fach erscheint in keinem anderen europäischen Land so eng wie in der deutschsprachigen Archäologie des Mittelalters, vor allem derjenigen in der Bundesrepublik Deutschland. Eine durchaus positiv zu bewertende Folge davon ist, daß das Fach das methodische Instrumentarium der Ur- und Frühgeschichte uneingeschränkt übernehmen konnte. Dies gilt auch für die enge Kooperation mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, deren Möglichkeiten in vollem Umfang genutzt werden. Auch die Fragestellungen und Methoden der Siedlungsarchäologie, wie sie vor allem von Herbert Jankuhn und seiner Schule entwickelt worden sind, haben sich mit Gewinn in die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie integrieren lassen. Eine negative Konsequenz dieser engen, forschungsgeschichtlich bedingten Verbindung zur Ur- und Frühgeschichte stellt jedoch die Tatsache dar, daß sich eine Vernetzung mit anderen mediävistischen Disziplinen in weitaus geringerem Umfang entwickelt hat, wiederum anders, als dies in anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Frankreich oder der Schweiz gegeben ist, wo etwa an den Universitäten die Archäologie des Mittelalters an mediävistische Disziplinen angebunden ist. Als Folge in der Praxis erweist sich die Problematik der Verknüpfung einer Erforschung von oberirdisch und im Boden erhaltenem Quellenbestand. Die noch weithin übliche Trennung in eine »Bau«- und »Bodenarchäologie« hat dazu geführt, daß sich eine ganzheitliche Sichtweise im Hinblick auf die gegenständlichen Denkmäler aus dem Mittelalter und nachmittelalterlichen Epochen bisher nicht in ausreichendem Maße entwickeln konnte. Auch in der universitären Forschung und in der Lehre ist die Verbindung etwa zur Geschichtswissenschaft weitaus weniger entwickelt als die zur »Prähistorie«. Wenn, wie schon erwähnt, in |
Qualitative Bewertung | |||||
|
| ||||||
|
Deutschland mehr Dissertationen zu Forschungsthemen der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie im Fach Ur- und Frühgeschichte entstehen als in diesem Fach selbst, so erscheint dies als reflexions- und diskussionsbedürftig. Vor allem stellt sich die Frage, ob hier nicht noch immer die oben schon erwähnte Definition des Fachs von Jankuhn wirksam ist, in der dieses ohne ein eigenes methodisches und theoretisches Konzept gesehen wird. Andererseits sind die Einbindung in fächerübergreifende, mediävistische Zentren in Bamberg und Greifswald und die etablierte und enge Kooperation zwischen Geschichtswissenschaft und Archäologie des Mittelalters, etwa in Freiburg oder Tübingen, hier als positive und zukunftsweisende Ansätze zu werten. Kritisch anzumerken ist auch, daß der oben aufgezeigten quantitativen Ausweitung des Fachs bisher keine adäquate theoretische Reflexion im konzeptionellen wie methodischen Bereich gegenübersteht. Dies wird unter anderem daran deutlich, daß in den letzten Jahrzehnten insbesondere durch die Rettungsgrabungsaktivitäten der Landesarchäologien nahezu überall eine immense Anhäufung von archäologischem Datenmaterial erfolgt ist, ohne daß Strategien zu einer sinnvollen Bearbeitung und Auswertung angedacht oder gar entwickelt worden sind. Die qualitative Bewertung dieser Anhäufung von Daten (also z.B. die Frage, wieviel Kloakenausgrabungen wieviel qualitativen Wissenszuwachs erbringen), ist bis heute ebensowenig reflektiert worden wie die Einseitigkeit der Quellenauswahl, die nicht durch wissenschaftliche, sondern, da sie durch Bautätigkeit vorgegeben wird, ausschließlich durch wirtschaftliche Kriterien bestimmt wird. Daß die letztgenannte Tatsache zu einer höchst ungleichgewichtigen Entwicklung des Forschungsstands, bezogen auf die verschiedenen, für das Fach relevanten Fragestellungen und Forschungsprobleme, geführt hat, erscheint evident. So können inzwischen auf der Grundlage zahlreicher Ausgrabungen an Einzelfallbeispielen Modelle zur Genese der spätmittelalterlichen Stadt entwickelt werden, während aufgrund des nahezu vollständigen Ausfalls einer »Dorfkernarchäologie« in den Landesarchäologien die Fragen nach der Entstehung des hochmittelalterlichen Dorfes vielfach noch auf dem Forschungsstand der dreißiger und vierziger Jahre diskutiert werden. Dies erscheint um so problematischer, als, aufgrund des Veränderungsdrucks in vielen ländlichen Siedlungen, dort die Zerstörung archäologischer Substanz in ebenso dramatischer Weise voranschreitet wie in den Städten. Die Erörterung der Relevanz dessen, was durch Grabungen erschlossen wird, und die Bewertung einer möglichen Redundanz immer neuer archäologischer Untersuchungen ohne eine begründbare Fragestellung erfordert ein theoretisches Konzept, das jedoch bisher noch nicht einmal ansatzweise entwickelt worden ist. Ein weiters, zentrales Grundproblem für das Fach im Bereich der Theorie stellt die Frage nach dem Verhältnis von schriftlicher und materieller Überlieferung und deren Verknüpfung in ihren Aussagemöglichkeiten dar. Dieses Problem ist in der deutschsprachigen Mittelalterarchäologie in neuerer Zeit nicht mehr reflektiert worden, nachdem es, allerdings betont unter dem Aspekt des Rechtfertigungsdrucks für das Fach und teilweise von »außen«, also von Historikern, vor allem in den siebziger Jahren diskutiert worden war.7 Während in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in der englischen postprozessualen Mittelalterarchäologie, in den letzten Jahren wichtige Ansätze hierzu, auch auf der erkenntnistheoretischen Ebene, entwickelt worden sind,8 wurden neue Überlegungen zu diesem Problem in der deutschsprachigen Mittelalterarchäologie bisher kaum angestellt.9 Auch hier scheint | ||||
|
7 Dazu B. Scholkmann, wie Anm.1. 8 z. B. A. Andrèn, Between artifacts and texts, Historical Archaeology in a global perspective, New York 1998 9 Dazu demnächst: B. Scholkmann, Die Tyrannei der Schriftquellen? Überlegungen zum Verhältnis materieller und schriftlicher Überlieferung in der Mittelalterarchäologie, in: M. Heinz, M.K.H. Eggert, U. Veit (Hrsg.), Zwischen Erklären und Verstehen? Beiträge zu den erkenntnistheoretischen Grundlagen archäologischer Interpretation. Beiträge einer Tagung in Freiburg 1998. Tübinger archäologische Taschenbücher 2 (in Druckvorbereitung) | ||||
|
| ||||
|
die enge, forschungsgeschichtlich bedingte, Abhängigkeit von der Ur- und Frühgeschichte fortzuwirken, die allgemein zu einer Theorieabstinenz und in diesem besonderen Fall zu einem wenig ausgeprägten Interesse an dieser Frage geführt haben.
Theoretischer Nachholbedarf erscheint auch im Hinblick auf die Neuzeitarchäologie gegeben. Wie schon erwähnt, nimmt sie in der Praxis der archäologischen Denkmalpflege inzwischen einen immer breiteren Raum ein. Grabungen in Objekten aus nachmittelalterlicher Zeit werden immer häufiger durchgeführt, und das Abplanieren von Befunden aus diesen Epochen, das noch vor wenigen Jahren durchaus üblich war, ist inzwischen nicht mehr die Regel. Reflexionen zur theoretischen Begründung einer Neuzeitarchäologie, ihren Fragestellungen und Forschungsproblemen, fehlen jedoch noch weitgehend.10 Dies erscheint um so problematischer, als diesen hier eine besondere Bedeutung zukommt. Bei immer dichter werdender schriftlicher Überlieferung in den nachmittelalterlichen Epochen bedarf der Stellenwert der archäologischen Quellen einer besonderen Begründung. Ein wichtiges Problem dabei ist auch, ob die Trennung in eine »Mittelalter« - und »Neuzeitarchäologie« überhaupt sinnvoll und begründbar erscheint, oder ob nicht, im Sinn der Definition eines »langen Mittelalters«11 die Epoche von der nachantiken Zeit bis zum Beginn der Industriealisierung als eine Einheit begriffen werden sollte, in der sich die Lebenssituation der Menschen, bezogen auf ihre materiellen und sozialen Bedingungen, wie sie sich im archäologischen Befund fassen lassen, nicht wesentlich geändert haben und sich daher auch deren materieller Niederschlag nicht sinnvoll in zwei Zeitepochen aufteilen läßt. Eine »Neuzeitarchäologie« als besondere Fachrichtung wäre dann weder theoretisch noch inhaltlich zu begründen.
Hinsichtlich des methodischen Instrumentariums und eines kritischen Methodenbewußtseins kann eine Bewertung positiver ausfallen, auch wenn sich hier ebenfalls Defizite aufzeigen ließen, wie etwa in der Frage des Stadtkatasters als methodischem Hilfsmittel der Stadtarchäologie, wie die in diesem Jahr von der Arbeitsgemeinschaft veranstaltete Tagung zu diesem Problem gezeigt hat.12 Einen grundlegenden und wesentlichen Impuls in der Methodendiskussion haben die Ergebnisse der Tübinger Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1995 erbracht, vor allem die Sektion zur Befunderfassung und Interpretation,13 wo viele wichtige Überlegungen hierzu zusammengetragen wurden. Das Problembewußtsein und der hohe Reflexionsgrad im Hinblick auf methodische Fragen innerhalb des Fachs, der sich dabei gezeigt hat, erscheinen beeindruckend.
Anlaß zu einer gewissen Besorgnis gibt ein weiterer Punkt, der hier angesprochen werden muß. Zwischen manchen der verschiedenen Bereiche, in denen das Fach in Forschung, Lehre und archäologischer Praxis etabliert ist, haben sich in den letzten Jahren Spannungsfelder aufgebaut. Dies gilt etwa für das Verhältnis zwischen Landesarchäologien und universitärer Archäologie des Mittelalters, wo insbesondere das Problem der Forschungsgrabungen und der Grabungsgenehmigungen teilweise unterschiedlich gesehen wird. Aber auch das Verhältnis zwischen Landesarchäologien und der kommunal institutionalisierten Archäologie weist verschiedentlich Reibungsflächen auf, ebenso wie jenes zwischen regionalen und lokalen Museen und den Landesarchäologien. Diese Spannungsfelder können sich für das als Ganzes immer noch, und wohl | ||||||
|
10 Hinzuweisen ist auf: I. Ericsson, Archäologie der Neuzeit. Ziele und Abgrenzungen einer jungen Disziplin der archäologischen Wissenschaft, in: Ausgrabungen und Funde 40, 1995/1, 7-13. 11 J. Le Goff, Für ein langes Mittelalter, in: Phantasie und Realität des Mittelalters, Stuttgart 1990, 1420. 12 Die unterirdische Stadt. Inventarisation archäologischer Denkmäler: Methodik, Erfassung, Serviceleistung. Regensburg 30.6. 1.7. 2000. Eine Drucklegung in der Reihe «Arbeitshefte des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege« ist in Arbeit. 13 Die Grundsatzreferate liegen gedruckt vor in: ZAM 25/26, 1997/98, 358; Die Referate der einzelnen Arbeitsgruppen sind publiziert in: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 9, 1998, 2361; 10, 1999, 1834 (hier die Zusammenfassungen zur Sektion: Der Befund und seine Deutungsprobleme, Quellenanalyse und Quellenkritik) sowie 11, 2000, 4549. | ||||||
|
| ||||||
|
auch künftig, kleine Fach nur nachteilig auswirken, denn sie behindern die dringend erforderliche Kooperation und führen zu einer Aufteilung statt Bündelung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Alle im Fach Tätigen sind hier gefordert, sich im gemeinsamen Interesse auf sinnvolle und nützliche Strategien des Miteinanders zu verständigen. Als letzter Punkt in einer qualitativen Bewertung soll kurz die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaft für das Fach in den letzten 25 Jahren angesprochen werden. Es kann mit aller Berechtigung festgestellt werden, daß sie nicht nur in ihrer eigenen Geschichte innerhalb dieses Zeitraums die positive Entwicklung des Fachs als Ganzes widerspiegelt, sondern daß sie selbst dazu Erhebliches beigetragen hat. Die jährlichen Sitzungen haben sich zu einem zentralen Forum der Diskussion und des Austauschs entwickelt, bei dem Forschungsergebnisse vorgestellt und Forschungsprobleme erörtert werden. Insbesondere seit der Umstrukturierung der Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1990 konnte dabei auch immer mehr das Problembewußtsein für theoretische und methodische Fragen nachgefragt und geschärft werden. Die große Zahl der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die zahlreichen wichtigen und interessanten Beiträge und die offen und mit Engagement geführten Diskussionen bei den Sitzungen sind ein besonders deutliches Zeichen für die positive Entwicklung des Fachs. Die Aufgabe des Status einer Arbeitsgemeinschaft bei den Deutschen Verbänden für Altertumsforschung und die Verselbständigung als Verein stellt eine sinnvolle und notwendig erscheinende Konsequenz aus dieser Entwicklung dar, von der hoffentlich neue Impulse ausgehen werden. | ||||
Zukunftsperspektiven |
Eine Aussage zu den Perspektiven des Fachs für die nächsten Jahre zu machen, stellt im Rahmen dieses Beitrags nicht nur den schwierigsten, sondern auch den am stärksten von einer subjektiven Einschätzung geprägten Teil dar. Die folgenden Überlegungen können daher nicht mehr sein als der Versuch einer Bewertung aus einer persönlichen Sicht, der Sicht einer Vertreterin des Fachs, die ihre fachliche Laufbahn in der Landesarchäologie begonnen hat und nun seit mehreren Jahren der universitären Archäologie verbunden ist, die zudem in der Arbeitsgemeinschaft seit deren Gründung im Jahr 1975 mitgearbeitet hat und im vergangenen Jahrzehnt deren Arbeit aktiv mit gestalten konnte. Damit verbunden ist die Hoffnung, daß sie vielleicht für das Fach und seine Entwicklung in der Zukunft Impulse im positiven Sinn geben könnten. Es sollte für das Fach künftig nicht mehr im Vordergrund stehen, auf der theoretischen und inhaltlichen Ebene Fragen der Eigenständigkeit und der Abgrenzung gegenüber anderen Fächern zu diskutieren, sondern vielmehr die Bemühungen um Integration zu verstärken, das heißt, eine stärkere Vernetzung im Rahmen der Nachbardisziplinen, vor allem der anderen mediävistischen Fächer zu suchen und zu fördern. Einrichtungen wie die schon erwähnten Mittelalterzentren an manchen Universitäten, in welche die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie integriert ist, sind hierzu ein wichtiger und hoffnungsvoller Ansatz, der zukunftsweisend erscheint. In der praktischen Archäologie erscheint insbesondere die Verstärkung der Bemühungen um eine integrierte Erforschung von »Bau und Boden«, also von Archäologie und Bauforschung, wichtig. Auch hier sind positive Entwicklungsansätze zu verzeichnen, wie etwa die organisatorische Zuordnung der Bauforschung zur Archäologie des Mittelalters beim Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Auch eine verstärkte Kooperation mit Institutionen, die | |||
|
| ||||
|
im Bereich Landesgeschichte tätig sind oder sich mit Einzelaspekten innerhalb der Geschichtsforschung, wie zum Beispiel Stadtgeschichte, befassen, erscheint in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Parallel dazu sollte jedoch die Schärfung des facheigenen Profils nicht vernachlässigt werden. Dies gilt vor allem gegenüber der Ur- und Frühgeschichte im Bereich der theoretischen Grundlagen. Anders als diese muß die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie als ihre theoretische Basis das Verhältnis zwischen schriftlicher und materieller Überlieferung reflektieren und sie erhält dadurch ihren eigenen theoretischen Rahmen. Auf der methodischen Ebene bedeutet Profilschärfung die Darstellung der Breite des Methodenspektrums, das sich nicht auf den »Königsweg« der Ausgrabung beschränken kann. Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist zwar auch eine »Ausgrabungswissenschaft«, aber nicht ausschließlich eine solche. Sie sollte sich als «historische Archäologie" in einem umfassenderen Sinn begreifen und damit als Wissenschaft, deren Ziel die Integration aller Methoden sein muß, die zur Erforschung der materiellen Hinterlassenschaften der Menschen aus mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Epochen zur Verfügung stehen. Sie sollte aktiv an deren Weiterentwicklung mitarbeiten, wobei nicht die Methoden das Ziel der Forschung vorgeben sollten, sondern vielmehr die Fragestellungen den Zugriff auf die jeweils dafür adäquaten Methoden bestimmen müssen. Es ist, bei einer realistischen Einschätzung der politischen und wirtschaftlichen Situation, davon auszugehen, daß die quantitative Entwicklung, die das Fach in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat, zu einem zumindest vorläufigen Abschluß gelangt ist. Dies gilt im Bereich der universitären Archäologie, wo derzeit Konzentrationsbestrebungen und Bündelung der Ressourcen die Situation bestimmen ebenso wie für die Landesarchäologien, bei denen Stagnation und teilweise auch Kürzungen der zur Verfügung stehenden Mittel zu verzeichnen sind. In der Zukunft muß also eine wichtige Aufgabe in einer Verbesserung der Nutzung vorhandener Ressourcen liegen. Dies könnte im universitären Bereich eine Konzentration und Kooperation bei Forschung wie Lehre bedeuten. Im Rahmen der Landesarchäologien sollten konzeptionell begründete Kriterien erarbeitet werden, die eine möglichst optimale Auswahl von Grabungsobjekten bei gleichzeitiger, begründbarer und nicht beliebiger Hinnahme von Verlusten an archäologischem Quellenmaterial ermöglichen. Grundlage hierfür sollten Forschungsstand und Fragestellungen im Hinblick auf die auszugrabenden Objekte sein. Zwangsläufig muß dies auch zum Entwickeln von Strategien zur sinnvollen und leistbaren Auswertung und Publikation von Grabungen führen. Auch hier erscheinen konzeptionelle Überlegungen dringend erforderlich, dies auch im Hinblick auf die Umbruchsituation im Bereich der universitären Ausbildung, die dazu führen wird, daß etwa Grabungsauswertungen im Rahmen von Studienabschlußarbeiten in weitaus geringerem Umfang durchführbar sein werden, als dies bisher noch möglich ist. | ||||||
|
Die Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Jahr 2000 und auch der hier vorgelegte Beitrag stellen, nach anderen Bemühungen mit demselben Ziel in der Vergangenheit, einen erneuten Versuch dar, das Fach innerhalb der praktischen wie theoretischen »Archäologie-Landschaft« zu verorten. Heiko Steuer hat in seinem Beitrag die Frage aufgeworfen, ob die zahlreichen Versuche von Standortbestimmungen, die innerhalb der deutschsprachigen Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in den letzten Jahrzehnten unternommen worden sind, nicht als Zeichen einer noch immer vorhandenen |
Schlußbemerkung | |||||
|
| ||||||
|
oder wieder wachsenden Unsicherheit im Bezug auf die eigene Position zu sehen sind. Sie sind dies, so meine ich, keineswegs. Sie belegen vielmehr, daß das Fach sich selbstbewußt und selbstkritisch mit seiner eigenen Position, seinen Fragestellungen, Methoden und theoretischen Konzepten auseinandersetzt und diese zu begründen und nach außen zu vertreten in der Lage ist. Während in der Anfangsphase sein Standort von außen, aus der Sicht anderer Fächer, definiert worden ist, kann er nun von innen, aus dem Fach selbst heraus reflektiert, diskutiert und dargestellt werden. Standortbestimmungen dieser Art sind unverzichtbar für die zukunftsorientierte Entwicklung des Fachs. Sie sollten es auch weiterhin begleiten und als integraler Bestandteil der Selbstreflexion einer wissenschaftlichen Disziplin angesehen werden. | ||||
|
Prof. Dr. Barbara Scholkmann Institut für Vor- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters Universtät Tübingen Schloß, 72072 Tübingen barbara.scholkmann@uni-tuebingen.de | ||||
|
| ||||