Bericht über die 24. Ordentliche Jahrestagung in Freiburg im Breisgau: Freitag/Samstag 30./31. Oktober 1998
Wie jedes Jahr fand auch 1998 die Jahrestagung am letzten Freitag und Samstag im Oktober
statt. Dieses Mal tagte die SAM im benachbarten Ausland, auf Einladung von Dr. Hans Schadek
und PD Dr. Matthias Untermann in Freiburg im Breisgau. 55 Mitglieder sowie zahlreiche Gäste
nahmen an der Tagung teil, zu deren Gelingen nicht zuletzt auch die schöne Ambiance im Alten
Kaufhaus beitrug.
Die statutarische Mitgliederversammlung leitete am frühen Freitagnachmittag die Tagung ein.
Dabei wurde als Ersatz für Jean Terrier, Genf, der nach Ablauf der Amtszeit von 9 Jahren aus
dem Vorstand ausschied, Laurent Auberson, Moudon, neu in den Vorstand gewählt. Im
Gegensatz zu Vorjahren standen keine umstrittenen Traktanden an. Die auf den 1. Januar 1998
erfolgte Vereinswerdung erweist sich bei der 142 Mitglieder zählenden Arbeitsgemeinschaft als
sinnvoll. Orientiert wurde u.a. über die Tagung Medieval Europe 2002 in Basel, einem
Gemeinschaftsprojekt der archäologischen Bodenforschung Basel, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft
für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und der SAM.
Die nächste Jahresversammlung wird auf Einladung von François Schifferdecker, dem
jurassischen Kantonsarchäologen, am 29./30. Oktober 1999 in Porrentruy stattfinden.
Ein breites Spektrum von Vorträgen, v.a. zu Untersuchungen in Freiburg und in der Stadtwüstung Münster, gaben im ersten Teil der Tagung am Freitagnachmittag einen interessanten Einblick in die Tagungsregion. Führungen in der Stadt Freiburg, in drei Häusern sowie im Münster, brachten am Samstagnachmittag eine wertvolle Ergänzung und Vertiefung zum vielseitigen Vortragsprogramm. Der Samstagvormittag war traditionsgemäss Vorträgen aus dem Kreis der Mitglieder bestimmt. Aber auch die geselligen Seiten einer SAM-Tagung kamen mit dem Empfang und Apéro im prunkvollen Wentzingerhaus und dem anschliessenden Nachtessen nicht zu kurz.
Renata Windler, Präsidentin
im März 1999
Adresse:
Dr. Renata Windler, Kantonsarchäologie, 8090 Zürich,
Tel. 01 259 29 63, Fax 01 259 51 53
Bericht über die Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Mittelalterarchäologie in Thaya vom 9.-11. Oktober 1998
Im vergangen Jahr organisierte die Österreichische Gesellschaft für
Mittelalterarchäologie eine Tagung zum Thema »Mensch und Tier im Mittelalter«,
die vom 9.-11. Oktober 1998 in Thaya, im
niederösterreichischen Waldviertel stattfand. Bei der Zusammenstellung des Programms wurde
großer Wert auf Interdisziplinarität gelegt und versucht, das Thema von möglichst vielen Seiten
zu beleuchten. Unter den Referenten befanden sich Mittelalterarchäologen, Historiker,
Germanisten, Archäozoologen und Veterinärmediziner aus Österreich, Deutschland, Tschechien.
Ungarn, der Schweiz, den Niederlanden und Kanada.
Das Einführungsreferat hielt Karl Brunner, der auf die vielschichtigen Beziehungen
des mittelalterlichen Menschen zu Tieren einging. Die Bandbreite reicht von Herrschaft bis zur Angst und war
nicht ausschließlich vom wirtschaftlichen Nutzen oder sozialer Bedeutung bestimmt.
Es folgte eine Vortragsblock über die vom Menschen geschaffenen Lebensbedingungen von
Tieren, im Besonderen über Ställe. Haio Zimmermann ging auf Stallbefunde im Raum von den
Niederlanden und Skandinavien von der römischen Kaiserzeit bis zum Hochmittelalter ein und
zeigte die Entwicklung vom Langhaus mit integriertem Stall bis zu separaten Stallgebäuden auf.
Abschließend legte er mögliche Gründe für die Einführung des Stalles dar.
Peter Donat behandelte die Stallhaltung im frühen und hohen Mittelalter in den anschließenden Regionen Mittel-
und Süddeutschland. In diesem Raum sind direkt das das Wohnhaus angeschlossene Stallbereiche mit
eigenen Zugängen zu beobachten. Thomas Kühtreiber näherte sich dem Thema
mittels bildlicher Darstellungen von Ställen. Er versuchte, anhand dieser Darstellungen Muster
und Regelhaftigkeiten der Konstruktionsweisen der dargestellten Ställe herauszuarbeiten und
Vergleiche mit archäologischen bzw. bauhistorischen Befunden zu ziehen. Ein grundsätzliches
Referat zum Thema Stall hielt Josef Troxler, der erläuterte, warum die Stallhaltung notwendig sei,
und einen Vergleichder heutigen Tierhaltung zu jener des Mittelalters zog.
Die folgenden Vorträge waren der Viehwirtschaft gewidmet. Vladimír Nekuda
stellte die Bedeutung der Viehzucht in der mittelalterlichen Landwirtschaft vor allem anhand mährischer Fundorte
vor. Franz Mandl referierte über Befunde von Almwüstungen im österreichischen Dachsteingebiet
und Toten Gebirge sowie über Viehpopulationen anhand des Knochenmaterials. Thomas Bitterli
stellte die Situation der mittelalterlichen Almwirtschaft in der Schweiz dar, wobei er auch auf die
archäologischen Befunde der Almwüstungen, den Viehbestand sowie die Produkte der Almen
einging.
Der nächste Block von Referaten wurde vorwiegend von Kollegen aus dem Bereich der Archäozoologie
getragen und beschäftigte sich mit der Analyse von Tierknochenmaterial und dessen
kulturhistorischen Aussagemöglichkeiten. Gerhardt Forstenpointner konnte aufgrund spätantiker
Knochenfunde vom kärntner Hemmaberg Rinderzucht und transalpinen Viehhandel jener Zeit
darstellen. Erich Puchner zeigte anhand der Analyse des Tierknochenmaterials aus der
frühmittelalterlichen Burg auf der Flur Sand im nördlichen Waldviertel, welchen Wert diese Fundgruppe als
Indikator für den sozialen Stand der Bewohner einer Siedlung haben kann. Sigrid Czeika ging
auf diesen Aspekt der Tierknocheninterpretation bezüglich hoch- und spätmittelalterlicher Burgen
ein.
Schließlich widmeten sich einige Vortragende der Nutzung des Tieres als Arbeitskraft, der
Bedeutung des Tieres in der Ernährungswirtschaft sowie der Verarbeitung tierischer Reste zu
Gebrauchsgegenständen. Gertrud Blaschitz beleuchtete alle diese Aspekte anhand zweier
ausgewählter Tierarten, nämlich Hund und Katze. Herbert Knittler behandelte die Nutzung
verschiedener Tierarten als Zugtiere vor Pflug und Wagen und stellte dar, wie sich Verbesserungen
in diesem Bereich auf Landwirtschaft und Handel auswirkten. Alfred Galik ging auf
Tierreste ein, die auf archäologischen Grabungen meist nur vereinzelt bemerkt werden, und
deren Gewinnung mehr Aufwand als üblich bedarf, nämlich der Fischreste. Er näherte sich dem
Thema der Nutzung natürlicher Fischbestände zu Ernährungszwecken sowie dem der
Teichwirtschaft von archäozoologischer Seite, während Richard Hoffmann diesen Problemkreis
aus der Sicht des Historikers beleuchtete. Jörg Schibler, Heide Hüster-Plogmann und ihre
Mitarbeiter zeigten anhand 50 archäozoologisch untersuchter Fundstellen in der Schweiz, daß
sich bei der Analyse von Tierknochenmaterial Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten
verschiedener sozialer Gruppen ablesen lassen. Günther Karl Kunst und Angelika Adam stellten
die wirtschaftliche Nutzung des Tieres und dieVerarbeitung seiner Überreste im städtischen Milieu
des 17. Jahrhunderts anhand von Fundmaterial aus Wien dar. Abschließend widmeten sich zwei
Vortragende der Verarbeitung von Tierresten zu Gebrauchsgegenständen. Thomas Spitzers
behandelte die Herstellung von Knöpfen und Perlen in Konstanz und sprach die
sozialwirtschaftshistorische Aussagemöglichkeiten dieser Fundgruppe an. Wolfgang Lobisse befaßte
sich mit der Produktion von Beinkämmen, wobei besonders der herstellungstechnische Aspekt
hervorgehoben wurde.
Das Vortragsprogramm wurde durch eine Exkursion zur Wüstung Hard, anhand welcher nochmals der
Fragenkomplex der Ställe andiskutiert wurde, sowie zur Burg auf der Flur Sand abgerundet.
Ein Tagungsband, der im Herbst 1999 erscheinen soll, ist in Arbeit.
Gabriele Scharrer
Seit 1993 findet an der Universität von Leeds, GB, jährlich ein
internationaler Mediävistenkongress statt. Er wird von dem der Universität angeschlossenen
International Medieval Institute organisiert und ist mit etwa 1100 Teilnehmern die
größte Veranstaltung dieser Art in Europa.
Im Rahmen der bisherigen Tagungen wurden auch Sektionen zu Themen aus dem Bereich der
archäologischen Mittelalterforschung angeboten. Das Fach war jedoch dabei insgesamt nur
schwach vertreten, sowohl, was entsprechende Tagungsbeiträge, als auch, was die Teilnahme
von Vertretern des Fachs, insbesondere auch aus Großbritannien, betrifft.
Dies gilt auch für den 1998 durchgeführten Kongreß. Von den 32 Rahmenthemen, die in
zahlreichen Sektionen behandelt wurden, war nur eines ("archaeology and settlement")
schwerpunktmäßig der Mittelalterachäologie gewidmet. Anlaß dafür,
dieses Thema aufzugreifen, war
der 80. Geburtstag von Maurice Beresford, dem Altmeister der englischen Wüstungsforschung
und, zusammen mit John Hurst, Ausgräber der Wüstung Wharram Percy. Er hat lange Jahre an
der University of Leeds gelehrt. Auch zwei der Eröffnungsvorträge zum Kongreß waren dieser
Thematik gewidmet, einer davon (M. Beresford und J. Hurst: "1948 - annus mirabilis")
galt den Anfängen der archäologischen Wüstungsforschung in Großbritannien.
Die Medieval Settlement Research Group organisierte mehrere Vortragstage zur
Archäologie und Geschichte der ländlichen Siedlungen und die Society for Medieval
Archaeology eine Sektion zum Thema "archaeology and urban settlement".
Bei den übrigen Sitzungen zum Thema Siedlungsarchäologie wurden fast ausschließlich
Beiträge aus den osteuropäischen Ländern, aus Skandinavien
und Westeuropa vorgetragen. Einige der angekündigten Sektionen fanden nicht statt, da die
Referenten nicht angereist waren.
Im Rahmen einiger weiterer Sektionen wurden einzelne Beiträge aus der archäologischen
Mittelalterforschung präsentiert. Genannt sei neben den beiden, über die unten ausführlicher berichtet
wird, die Vortragsreihen "Daily life" oder "Urban and rural settlements".
Allgemein ist festzustellen, daß die Präsenz der Mittelalterarchäologie, insbesondere aus
Zentraleuropa, bisher bei diesem Kongreß gering ist. Da die Kosten für die Tagung sehr hoch sind und
da seitens der Organisatoren der Sektionen offensichtlich zumindest teilweise die Qualitätsmaßstäbe
für die eingereichten Beiträge recht niedrig angesetzt werden, was Auswirkungen auf
deren Relevanz hat, erscheint eine Teilnahme an diesem Kongreß für Fachwissenschaftler der
Mittelalterarchäologie derzeit nicht sehr ertragreich. Die Geschäftsführung der AG
Mittelalter/Neuzeit hat aus diesem Grund die mehrfach an sie herangetragene Aufforderung,
selbst Sektionen bei Kongressen in Leeds zu organisieren, nicht aufgenommen.
Diese Sektion war von Dr. Terryl N. Kinder, Citeaux, der Herausgeberin der
"Commentarii cistercienses", organisiert worden. Neben historischen,
religions- und kunstgeschichtlichen Beiträgen wurden auch einige Referate
zur archäologischen Erforschung von Zisterzienserklöstern
vorgetragen. In zwei Sitzungen wurde die Abtei Citeaux behandelt, und zwar deren romanische
und barocke Architektur, die Umnutzung nach der Revolution, und die Geschichte der Bibliothek.
Zwei weitere Sitzungen waren den Zisterziensern in England gewidmet, wobei unter den
übergreifenden Themen, der sehr interessante Beitrag von Glyn Coppack, English Heritage, zu
den frühesten Zisterzienserbauten in England, zu nennen ist. Ein Schwerpunktthema bildete die
Baugeschichte der nahe bei Leeds gelegenen Abtei Fountains. Die hierzu vorgetragenen neuen
Forschungsergebnissen beruhten ausschließlich auf kunst- und bauhistorischen Forschungen (J.
Rueffer, Humboldt-Uni Berlin, K. Emeridge, English heritage, St. A. Harrison und A.J. Harrison,
freie Bauforscher). In drei weiteren Sitzungen wurden Zisterzienserabteien in Mitteleuropa,
behandelt, allerdings unter dem Sektionstitel "Cistercian settlements in Northern
Europe" (!). Themen der ersten Sitzung waren: die Zisterzienser in Brandenburg
(St. Warnatsch, Berlin), die ältesten Zisterziensergründungen in
Böhmen (K. Charvátová, Prag) und die archäologischen
Ergebnisse zur Entstehung der Zisterzienserabtei Bebenhausen, Baden-Württemberg
(B. Scholkmann). Die zweite Sitzung war der dänischen Abtei Esrum und
ihren Filiationen (J.A. Jorgensen, Heimatforscher, Esrum) und mit zwei Beiträgen
(H. Reimann und Ch. Kratzke, Leipzig) der Abtei
Dargun (Ostdeutschland) gewidmet. Mit Zisterzienseranlagen in der ehemaligen DDR
beschäftigten sich auch die Referate der dritten Sitzung, nämlich mit den Frauenklöstern Helfta
(C. Oefelein, FU Berlin) und Trebnitz (F. Gleich, freie Forscherin, Berlin). Die übrigen Sitzungen in
dieser Sektion waren der Handschriftenproduktion der Zisterzienser und der Geschichte des
Ordens in Spätmittelalter und Neuzeit gewidmet.
Die Qualität der Beiträge war sehr unterschiedlich; sie entsprach nicht
immer einem wissenschaftlichen Standard. Gleiches gilt auch für die Diskussionen, die entsprechend als nicht besonders
ertragreich zu bewerten sind. Besonders deutlich wurde, daß es keineswegs eine interdisziplinäre
Herangehensweise an ein Thema darstellt, wenn Beiträge hierzu aus verschiedenen
mediävistischen Disziplinen lediglich aneinandergereiht werden. Vielmehr bleiben die
methodischen Ansätze, Fragestellungen und Ergebnisse unvernetzt nebeneinander stehen und fallen oft
genug auseinander, anstatt zu konvergieren. Dies wurde besonders deutlich an den Beiträgen
zur Abtei Fountains, wo die vorgetragenen kunsthistorischen und architekturgeschichtlichen Ergebnisse
aus archäologischer Sicht kaum überzeugend erschienen, wie sich in der Konfrontation
mit den auf einer langjährigen archäologischen Forschungsarbeit beruhenden Ergebnissen des
Mittelalterarchäologen Glyn Coppack (English Heritage) recht klar erwies.
Insgesamt bleibt also von dieser Vortragsreihe ein zwiespältiger Eindruck zurück, ebenso wie die
Frage nach einer diesen Namen verdienenden mediävistischen Interdisziplinarität, die das
eigentliche Anliegen des International Medieval Congress" in Leeds ist.
Barbara Scholkmann
Eine der Besonderheiten des IMC war die vornehmlich von Eva Frojmovic, Center of Jewish
Studies an der Universität Leeds, organisierte Vortragsreihe zu Juden im mittelalterlichen Europa.
In sechs verschiedenen Vortragsblöcken mit insgesamt 15 Vorträgen wurden verschiedenen
Aspekte behandelt, beginnend mit dem Erscheinungsbild der Juden in der englischen mittelalterlichen
Literatur, dem jüdisch-christlichen Verhältnis bis hin zur der Rolle der jüdischen Frau im
Mittelalter. Vom größten Interesse waren freilich die Vorträge und Diskussionen zur
archäologischen bzw. bauhistorischen Erfassbarkeit wie auch zur historischen Erforschung jüdischer
Ansiedlungen im mittelalterlichen Europa.
Hierbei zeigte sich, daß aus mannigfaltigen Gründen der Forschungsstand zum mittelalterlichen
Judentum in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich ist. Das Referat von Alessandra
Veronese, Univerität Pisa, über die jüdischen Siedlungen in Mittel- und Norditalien im 13 - 15.
Jahrhundert, machte deutlich, daß die diesbezügliche Forschungsarbeit noch in den Kinderschuhen steckt.
Neben den spärlichen Archivalien bietet besonders die genaue Lokalisierung von
ehemals jüdischen Bauten und Synagogen Schwierigkeiten. Aus historischer Sicht ist es um die
Kenntnis der jüdischen Ansiedlungen und im Einzelnen auch der präzisen Lage der Synagogen
im mittelalterlicher England besser bestellt, wie anhand des Vortrags von Joe Hillaby, Universität
Bristol, (The English Medieval Synagogue; An Historical Profile) nachzuvollziehen war. Gerade
die Ausführungen von Raphael Isserlin, English Heritage Porthmouth, mit dem treffenden Titel
"Beyond the Fringe or Beyond the Pale: Stumbling towards an Archaeology of Medieval
Anglo-Jewry through an Archaeology of Praxis" zeigten aber, mit welchen Schwierigkeiten zu
rechnen ist, beim Versuch jüdische Bausubstanz sicher zu identifizieren.
Dies ist in den letzten Jahren mit der spektakulären Ausgrabung am Judenplatz in Wien und am
Neupfarrplatz in Regensburg gelungen, Dementsprechend standen zwei Vorträge zu diesen wichtigen
jüdischen Gemeinden auf dem Programm: Klaus Lohrmann, Institut für die Geschichte der
Juden in Österreich, St. Pölten, führte in die wechselhafte Geschichte der Wiener Gemeinde ein,
während Silvia Codreanu-Windauer, Bayer. Landesamt für Denkmalpflege Regensburg, über die
neuesten Ergebnisse der Ausgrabung, speziell über die romanische und gotische
Synagogenanlage von Regensburg referierte.
Sehr aufschlußreich zum archäologischen Problem der Funktionszuweisung bei
ergrabenen Bauteilen, erwies sich der Vortrag von Elisheva Cohen. Sie untersuchte die spärliche Quellenlage zur
Frage der Frau in der Synagoge. Neben der Errichtung von Nebenräumen, den sogen.
Frauensynagogen, führte sie bildliches Quellenmaterial vor, das belegt, daß Frauen nur durch
eine Abschrankung getrennt, im Hauptraum des Synagoge den religiösen Feierlichkeiten
beiwohnen durften. Im Zusammenhang mit den mittelalterlichen Synagogenbauten und ihrer
Ausstattung waren die Ausführungen von Vivian Mann, Jewish Museum New York, von
großem Interesse, denn sie beleuchtete anhand jüdischen Quellenmaterials die zwiespältige
Haltung der Rabbiner zur (ab)bildenden Kunst.
Der Rolle der Frau in der jüdischen Gemeinschaft waren mehrere Vorträge gewidmet. Genannt
sei hier nur das Referat von Simha Goldin, Universität Tel-Aviv, der den hohen Stellenwert der
jüdischen Frau im mittelalterlichen ashkenasischen Raum hervorhob.
Insgesamt kann man diesen Teil des Mittelalter-Kongresses als sehr erfolgreich werten, da
Spezialisten dieses eher randlichen und spezialisierten Forschungsbereichs sehr breitgefächerte
Aspekte jüdischen Lebens im Mittelalter wissenschaftlich behandelt haben. Dementsprechend
waren die Diskussionen unter den Teilnehmern der eigentlich gröþte wissenschaftliche Gewinn.
Silvia Codreanu-Windauer
Schwerpunktthema des diesjährigen Treffens war der Vergleich schriftlicher,
bildlicher und archäologischer Quellen zum mittelalterllchen Handwerk. Dabei
ging es vor allem um die Frage der Schnittstellen zwischen den jeweiligen Disziplinen,
also die Bereiche, denen man sich von verschiedenen Quellengattungen aus nähern
kann. Es war daher sehr erfreulich, daß der Teilnehmerkreis aus Geschichte,
Volkskunde, Kunstgeschichte und Archäologie interdisziplinär
besetzt war.
Die Vorträge begannen mit einem Quellenvergleich im städtischen Kontext am Fallbeispiel
Lübeck. Dort fließen sowohl die schriftlichen als auch die archäologischen
Quellen außergewöhnlich gut. Es wurde gezeigt, daß für das 14. und
15. Jh. die Archäologie dem Bild, welches
die Geschichtswissenschaft entworfen hat, im wesentlichen nur einige Facetten hinzufügen kann,
vor allem mit dem Nachweis und der Lokalisierung einzelner Werkstätten und Berufe. Anders ist
die Situation im Hochmittelalter vor Einsetzen der wichtigsten Schriftquellen, die in Lübeck erst
Ende des 13. Jhdts. beginnen. Dort kommt der Archäologie eine sehr eigenständige Rolle zu,
ebenso wie im gesamten Zeitraum des Mittelalters im Bereich der Technikgeschichte.
Der zweite Beitrag, ein Ausflug in die frühe Neuzeit, beschäftigte sich mit dem Töpferhandwerk
am Beispiel von Höxter. Hier ließen sich von Seiten der Historiker der Name der Töpfer und ihr
Wohnort ausfindig machen, des weiteren konnte der familiärer Hintergrund und die Rechtsstellung des
Handwerks beleuchtet werden. Dazu konnten einzelne Arbeitsaufträge (Setzen und
Reparieren von Öfen), die Preise der Produkte und das Einkommen der Handwerker in Erfahrung
gebracht werden. Die Archäologie steuerte die Produktpalette und das Absatzgebiet der
keramischen Erzeugnisse bei. Wichtig ist, das gilt für dieses Einzelbeispiel, ist aber auch von
genereller Gültigkeit, daß von der Archäologie Anregungen kommen, Themen aufzugreifen, die
dem Historiker sonst eher fern liegen.
Anschließend beschäftigten sich zwei Vorträge mit dem Begriffspaar Handwerk und Kloster. Im
Bereich der Geschichtswissenschaft liegen eine Fülle von Quellen vor. Dazu gehören normative
Quellen wie Regeln, Satzungen, Wirtschaftsordnungen, des weiteren sind Lebensbeschreibungen von
Heiligen, Inventare, Rechnungsbücher und technische Traktate zu nennen. Alle Quellen
weisen ihre spezifischen methodischen Probleme auf. Trotz dieser augenscheinlich glänzenden
Ausgangslage gibt es bislang keine intensive Beschäftigung mit dieser Thematik. Durch die
Vorgaben der Ordensregeln mit ihrer detaillierten Zeiteinteilung wird in jedem Fall deutlich, daß
für die Mönche eine intensivere handwerkliche Tätigkeit kaum möglich ist. Derartige Arbeiten
dürften fast ausschließlich von Laienbrüdern, Konversen oder Lohnarbeitern durchgeführt
worden sein. Ausgenommen sind die Schreibkunst und Tätigkeiten an der Grenze zum
Kunsthandwerk mit liturgienahem Bezug. Sie genossen eine Wertschätzung, die der geistigen
Tätigkeit am nächsten steht. Grob vereinfachend ist eine Entwicklung von frühen Klosteranlagen
mit umfangreicher handwerklicher Produktion, wie sie auf dem St. Galler Klosterplan illustriert ist,
zu spätmittelalterlichen Klöstern gegeben, die ihren Bedarf nun auf dem städtischen Markt
deckten. Ausgenommen sind hier die Zisterzienser mit ihrer sehr spezifischen Wirtschaftstätigkeit.
Im archäologischen Bereich sind umfangreichere Grabungen auf dem Klostergelände abseits
der Kirche selten, Erkenntnisse zu handwerklichen Aktivitäten daher spärlich. Befunde wie
Ofenanlagen zur Verarbeitung von Glas oder Buntmetall liegen im wesentlichen aus
frühmittelalterlichen Klosteranlagen vor, beispielhaft ist auf San Vincenzo al Volturno und auf
Corvey zu verweisen. Aus späterer Zeit ist, abgesehen von Backöfen, fast nur noch Fundgut
aufzuführen. Daher müssen außer der Art der Produktion viele andere Dinge wie
Produktionsanlagen, Umfang der Produktion, Absatzgebiet, Abnehmerkreis und
Produktionsdauer der Werkstätten fast immer im Bereich der Spekulation bleiben. Eine Ausnahme
ist zum Beispiel in der Fliesenherstellung zu sehen, die von vielen Klöstern betrieben
wurde und wo in einigen Fällen eine Beantwortung dieser Fragen möglich ist. In der Regel nicht
mit archäologischen Mitteln zu klären, ist die soziale Stellung des Handwerkers (Mönch,
Konverse, Lohnarbeiter etc.).
Die methodischen Probleme bei der Heranziehung von Bildquellen wurden am Beispiel der Augsburger Ars
Memorativa von 1490 sehr ausdrücklich besprochen. Die Komplexität der Bildinhalte
rät zu einem vorsichtigen Umgang mit dieser Quellengattung besonders bei der Beantwortung
von Fragen nach technischen Details.
Außerhalb des eigentlichen Tagungsthemas standen weitere Vorträge zum Beispiel zum
Metallhandwerk sowie zu verschiedenen Ofenanlagen. Gesondert zu erwähnen ist ein Beitrag über
Gewerbeanlagen in einer ostwestfälischen Wüstung, zunächst Sitz eines Niederadeligen, dann
zisterziensische Grangie. Abschließend wurde aus einer chemisch-archäologischen
Forschungsarbeit über Destilliergefäße berichtet, die bereits für das 13. Jh. verschiedene Belege erbracht
hat.
In der Diskusion wurde vor allem die Beziehung zwischen schriftlichen und archäologischen Quellen angesprochen und
deren Wertigkeit diskutiert, die zum Teil sehr unterschiedlich eingeschätzt
wurde. Dabei wurde von einem Vertreter der Geschichtswisenschaft die Forderung erhoben, daß
die Archäologie im Bereich des Handwerks vermehrt den Weg von der rein beschreibenden
Ebene hin zu allgemeineren historischen Aussagen finden muß. Über den bloßen Nachweis
eines Handwerks hinaus sollten die Erkenntnismöglichkeiten der Archäologie klarer umrissen und
vielleicht in Form eines Fragenkatalogs strukturiert werden. Im Laufe der Diskussion entzündete
sich des weiteren eine Diskussion um die Definition von Handwerk, die aufgrund der Quellen von
Geschichte und Archäologie unterschiedlich gesehen wird.
Da sich im Rahmen der Tagungen verschiedentlich die Schwierigkeit herausstellte, Ofenanlagen
einer Funktion zuzuweisen, wird die nächstjährige Sitzung des Arbeitskreises unter dem
Schwerpunktthema "Öfen und Ofenanlagen" stehen.
Vorträge des 2. Treffens:
Ralph Röber
Vorab ist erfreulicherweise zu erwähnen, daß die Vorträge des 1. Treffen
des Arbeitskreises, das 1997 stattgefunden hat, nunmehr gedruckt vorliegen. Sie sind in
der Schriftenreihe des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg
»ALManach« als Bd. 4 erschienen. Titel des
186 Seiten starken, mehrfarbigen Tagungsbands: »Von Schmieden, Würflern und Schreinern,
Städtisches Handwerk im Mittelalter« (Stuttgart 1999). Der Band ist im Buchhandel für 38 DM
erhältlich.
Im Lauf der ersten beiden Sitzungen wurden mehrfach Öfen und Ofenanlagen vorgestellt, die
funktional nicht näher anzusprechen waren und daher keine Schlußfolgerungen auf die Art der
hier vorgenommenen Tätigkeiten zulassen. Es erschien folglich sinnvoll, sich mit
dieser Befundgruppe intensiver zu beschäftigen. Ausgehend von der Befundsituation im Boden sollten Fragen
der Nutzung und der Rekonstruktion verschiedener Anlagen erörtert werden. Von großer
Bedeutung waren dabei drei Punkte:
1. Wie stellen sich die Ofenbefunde archäologisch dar, deren Funktion eindeutig ist?
2. Gibt es eine typische regelhafte Beziehung einzelner Ofenformen zu Gebäuden oder anderen
Siedlungsstrukturen bzw. zu den notwendigen Rohstoffvorkommen?
3. Lassen sich anhand dieser Befunde und ihrer Lage, typologische Grundlagen in Form eines
Kriterienkatalogs erarbeiten, die es ermöglichen, bislang unbestimmbare Öfen sowie neu zutage
tretende Befunde einzuordnen und somit näher anzusprechen?
4. Gibt es polyfunktionale Öfen?
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, wurden verschiedene Ofentypen vorgestellt und
diskutiert: Anlagen zum Brennen von Kalk, Ziegeln oder Keramik, zum Schmelzen und
Gießen von Buntmetall, zur Verhüttung von Eisen und zur Herstellung von Teer, zum Heizen von
Räumen und Gebäuden sowie zum Darren von Pflanzen und zur Essenszubereitung.
Dabei ließ sich festhalten, daß die meisten funktionsspezifischen Öfen in der Regel auch eine
bestimmte, genau zu definierende Form aufweisen. Es gibt aber einen gewissen Prozentsatz an
Abweichungen und Variationen, die Zuweisungen erschweren oder unmöglich machen können.
Dies gilt im besonderen Maße bei einem schlechten Erhaltungszustand des Ofens, vor allem
beim Fehlen von aufgehenden Teilen. Eine eindeutige Zuweisung, die nur auf dem Grundriß
beruht, dürfte in den meisten Fällen unmöglich sein, weil dieser bei mehreren Ofentypen gleich
sein kann.
Eine erste Differenzierungsmöglichkeit ergibt sich durch die Temperaturen, die im Ofen geherrscht
haben. Diese ist jedoch nicht am Grad der Verziegelung des Ofenmantels oder des umgebenden Erdreichs
ablesbar, sie kann aber über naturwissenschaftliche Untersuchungen in
Erfahrung gebracht werden. Ein Indiz für eine hohe Temperatur, die zum Beispiel für Kalköfen,
Eisenverhüttungsöfen oder zum Schmelzen von Buntmetall notwendig ist, ist das vollständige
Verbrennen des Feuerungsmaterials zu Asche. Bei Öfen, die mit niedrigen Temperaturen
arbeiten wie zum Beispiel Heizöfen oder Anlagen zur Essenszubereitung, kann dagegen
Holzkohle oder ähnliches vorhanden sein. Es muß jedoch immer auch mit fehlgeschlagenen
Ofenprozessen gerechnet werden, bei denen die erwünschten Temperaturen nicht erreicht
wurden.
Eine spezifische Lage ließ sich nur bei wenigen Ofentypen erkennen. Teeröfen liegen ebenso
wie Meiler und Glashütten in bewaldetem Gebiet, die ersteren überwiegend in Wassernähe.
Kalköfen sind dagegen weder an Wald noch an das Vorkommen von Kalkstein gebunden. Zwar ist
der Transport von gebranntem Kalk auf Grund des reduzierten Gewichts einfacher als der von
Kalkstein, trotzdem sind Kalköfen vielfach am Verwendungsort errichtet worden.
Eisenverhüttungsöfen sind anfangs an den Eisenvorkommen anzutreffen, im Lauf des Hochmittelalters mit
Einführung der Stücköfen in der Regel an fließenden Gewässern, da Wasserkraft zum Antreiben
der Blasebälge benötigt wurde. Eisenverhüttung dürfte jetzt auch in der Stadt oder im
Stadtrandbereich betrieben worden sein. Glockengußgruben sind dagegen durchweg beim Endabnehmer,
in der Regel also an oder in Kirchen zu finden.
Am leichtesten gestalten sich Funktionszuweisungen von Öfen über charakteristische Beifunde.
Bei Schmelzprozessen sind dies vor allem kleine Metalltröpfchen, bei tonverarbeitenden
Werkstätten Produktionsausschuß, der oft in großen Mengen angefallen ist. Bei der Eisenverhüttung
und dem Kalkbrennen finden sich Abfallprodukte wie Schlacke oder Kalkmehl, letzteres ist aber
auch bei Ziegelöfen anzutreffen, da Kalk und Ziegel zusammen gebrannt werden konnten. In
jedem Fall ist die Verbindung von Ofenbefund und Beifunden kritisch zu hinterfragen,die
Fundnähe ist als einziges Argument sicherlich nicht ausreichend, um eine Beziehung zu
postulieren.
Die Tagung hat sehr eindrücklich deutlich gemacht, daß bei der funktionalen Ansprache eines
Ofenbefunds eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen ist. In jedem Fall ist es geraten,
neben einer naheliegenden Lösung mit weiteren Nutzungsmöglichkeiten zu rechnen, die in der
heute zur Verfügung stehenden Literatur vielleicht nicht oder kaum erwogen werden. Viel zu
selten werden noch die Möglichkeiten wahrgenommen, die uns die Naturwissenschaften zur
Verfügung stellen. So sollten bei der Ausgrabung von Öfen grundsätzlich Bodenproben vom
Ofenmantel und auch vom umgebenden Erdreich gezogen werden, um einen eventuellen
Niederschlag von im Produktionsablauf entstandenen Metalldämpfen nachweisen zu können.
Unbegründete Vorinterpretationen von Ofenbefunden, die oft kurz nach der Ausgrabung in
Vorberichten erfolgen, sollten vermieden werden, da sie leicht in Folgepublikationen übernommen
werden und dann zu Fehlschlüssen führen.
Die Vorträge der Tagung werden in den Materialheften zur Archäologie in Baden-Württemberg
publiziert. Das 4. Treffen des Arbeitskreises wird ausnahmsweise nicht in Konstanz stattfinden,
sondern auf Einladung des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in
Krems, Österreich tagen. Ein Thema steht noch nicht fest.
Vorträge des 3. Treffens:
Dr. Ralph Röber
Archäologisches Landesmuseum
Baden-Württemberg, Benediktinerplatz 5,
78467 Konstanz
Gemeinsame Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung und der Arbeitsgemeinschaft
für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit; Comburg, 15.-17. Mai 1998
Die zweite Sondertagung der AG geht auf eine Initiative des Arbeitskreises Hausforschung
zurück, Methoden und Ergebnisse von Bauforschung und Mittelalterarchäologie an Bauwerken
einmal gemeinsam zu diskutieren. Die Tagung wurde von einer Arbeitsgruppe vorbereitet, an der
Vertreter beider Vereinigungen (U. Klein, M. Untermann) sowie A. Bedal (Hochbauamt Schwäbisch
Hall) - als Einladender - und H. Schäfer (Landesdenkmalamt Baden-Württemberg) teilnahmen.
Das Treffen konnte in höchst angemessener Umgebung auf der Comburg bei
Schwäbisch-Hall stattfinden - wobei es die erfreulich große, aber anfangs unerwartete Zahl der
Teilnehmer leider notwendig machte, aus dem vorgesehenen Vortragraum in die Mehrzweckhalle des Ortes
auszuweichen.
Ca. 130 Mitglieder beider Verbände, aber auch in bauhistorische Projekte eingebundene
NaturwissenschaftlerInnen, nutzten die Gelegenheit, ihre unterschiedlichen Ansätze und
Vorgehensweisen, die ja oft ein und demselben Objekt gelten, kritisch zu hinterfragen. Die Untersuchung
von »Bau« und »Boden« - Bauforschung am Aufgehenden und
Archäologie »unter dem Fußboden« - haben bekanntlich unterschiedliche
wissenschaftliche Traditionen und Einbindungen,
weithin verschiedene Ausbildungswege und sind in der Praxis sogar innerhalb der Denkmalpflege
oft organisatorisch getrennt.
Sechs Hauptthemenbereiche, fortschreitend von der Prospektion bis zur abschließenden
Publikation, wurden jeweils durch zwei Grundsatzreferate aus der Sicht von »Bauforschung« und
»Archäologie« eingeleitet, dem schlossen sich jeweils Kurzvorträge mit Fallbeispielen
oder kritische Thesen an.
Erfreulich offene und intensive Diskussionen - trotz der großen Teilnehmerzahl - zeigten, daß die
Differenzen weder in den Fragestellungen und wissenschaftlichen Zielen noch in den Untersuchungsmethoden so
groß sind, wie es manchmal den Anschein hat. Beide müssen sich mit
substanzschonenden Prospektions- und Untersuchungsmethoden befassen, mit den Problemen
einer aussagekräftigen Dokumentation oder den methodischen Schwierigkeiten der Erschließung
und Darstellung vergangener Bauzustände. Zusammenarbeit und methodisch fachübergreifende
Untersuchungen sind - folgt man den meisten Vortragenden - schon jetzt vielerorts die Regel. Die
gemeinsame Arbeit an einem Objekt oder an einer Fragestellung scheitert jedenfalls selten am
guten Willen oder an der Gesprächsbereitschaft der jeweils ausführenden Archäologen
und Bauforscher.
Erschwerend für die Zusammenarbeit und für das Zusammenführen der Ergebnisse erweisen
sich aber einerseits die häufige organisatorische Trennung in den Fachämtern, andererseits
wirtschaftliche Zwänge der meist freiberuflich arbeitenden Bauforscher. Deutlich wurde, daß
zumindest eine der beteiligten Gruppen auf dieser Tagung fehlte: die »praktischen
Denkmalpfleger«, die im Zusammenwirken mit den Bauherren durch die Vergabe von
Bauuntersuchungen und durch die Definition von Untersuchungszielen in hohem Maße
»forschungsleitend« - und deshalb wohl auch »forschungshemmend« wirken. Sie sind bislang
nicht im notwendigen Maß am wissenschaftlichen Austausch der Ergebnisse und an der fachlichen
Diskussion von Fragestellungen beteiligt, vielerorts anscheinend auch noch wenig daran
interessiert.
Der weitere Umgang mit den Ergebnissen von Bauforschung und Archäologie hängt eng mit
dieser regional unterschiedlichen Einbindung in Amtsstrukturen zusammen - sorgfältige
Archivierung ohne Auswertung und Publikation steht raschen, auch für die Öffentlichkeit bestimmten
Fachpublikationen oder aber langdauernden, teuren Auswertungsprojekten gegenüber.
Über das kritische Hinhören »Wie machen es die Anderen ?« hinaus waren viele
hochinteressante neue Befunde, die am »Bau« oder im »Boden« entdeckt wurden,
kennenzulernen.
Das Vortragsprogramm:
Einführung zum Tagungsthema
Grundsatzvorträge:
Berichte:
Grundsatzvorträge:
Berichte:
Grundsatzvorträge:
Berichte:
Grundsatzvorträge
Baumaterial:
Bautechnik:
Berichte:
Grundsatzvorträge:
Berichte:
Grundsatzvorträge:
Berichte:
Exkursionen in die Stadt Schwäbisch Hall, mit dem »Bauforschungsmuseum« im Haus Lange
Straße 59, und in das nahe Freilandmuseum Wackershofen rundeten die Tagung ab.
Die knappe Schlußdiskussion wurde von Ulrich Klein (Marburg) geleitet: Die Veranstaltung hat
klar gezeigt, wie notwendig ein solches Treffen und der fachliche und persönliche Austausch
zwischen den beiden Disziplinen war.
Die große Spannweite der behandelten Themen konnte in der kurzen Zeit nur angerissen und
nicht immer weiterführend diskutiert werden. Bei einer zukünftigen, bereits ins Auge gefaßten
Wiederholung dieser gemeinsamen Tagung von Hausforschung und Mittelalterarchäologie wird
man sich sinnvollerweise auf Teilaspekte des Themas »Bau und Boden« beschränken.
Matthias Untermann
An dem in ununterbrochener Reihenfolge seit elf Jahren und erstmals an drei
Tagen durchgeführten Treffen des Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen
nahmen 33 Teilnehmer-Innen aus Deutschland und Österreich teil. Der
Arbeitskreis besteht zur Zeit aus ca. 150 Personen und Institutionen vornehmlich in
Deutschland. In jüngster Zeit konnten intensive Kontakte mit Archäologen in der
Schweiz und Österreich geknüpft und die langjährigen Beziehungen zu den
Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Polen
und Rußland gepflegt werden.
Der erste Abschnitt der Tagung am Freitagnachmittag stand ganz im Zeichen des
Tagungsortes Passau. In seiner Begrüßung stellte der Tagungsleiter Dr. Martin
Kügler zunächst Herbert Feldmeier, Restaurator am Oberhausmuseum, vor, der
seit den 1980er Jahren zahlreiche Notgrabungen und Fundbergungen auf dem
Areal der Veste Oberhaus vorgenommen und dabei auch Fragmente von
Tonpfeifen geborgen hatte. Die Bearbeitung der umfangreichen Funde
an Tonpfeifen für die Ausstellung "Ritterburg und Fürstenschloß" im Oberhausmuseum
Passau (9. Mai bis 31. Oktober 1998) durch den Berichterstatter war ein
willkommener Anlaß gewesen, erstmals ein Treffen des Arbeitskreises
im Bundesland Bayern abzuhalten, wo die Tonpfeifenforschung bisher noch in den Anfängen
steckt. Der Vorschlag wurde seinerzeit vom Ausrichter der Tagung, dem
Oberhausmuseum Passau, gerne aufgegriffen und von Herrn Feldmeier
organisatorisch betreut. Für das Oberhausmuseum begrüßte Dr. Herbert W.
Wurster, Archivdirektor des Archivs des Bistums Passau, die Teilnehmer und führte
sie in die Geschichte des Veste Oberhaus und die Konzeption der Ausstellung ein.
Anschließend referierte M. Kügler über die Tonpfeifenfunde von der Veste
Oberhaus. Der Fundkomplex umfaßt 1466 Tonpfeifenfragmente, die von ca.
1630/40 bis in das 19. Jahrhundert reichen. Den Hauptbestandteil machen glatte
und dekorierte Fersenpfeifen aus der Zeit von 1630/40 bis 1680 aus, die
ungemarkt und von mäßiger Qualität sind und für die eine Provenienz aus frühen
deutschen Produktionsorten angenommen werden muß. Ab ca. 1680 wird die
Überlieferung merklich geringer. Eindeutige Produkte der archivalisch erstmals
1716 belegten Passauer Pfeifenbäcker finden sich nicht. Auffällig ist der hohe
Anteil sekundär glasierter Stücke aus dem 17. Jahrhundert, wobei eine eindeutige
Vorliebe der Raucher für grün glasierte Exemplare festzustellen ist. Das nur mit
wenigen Exemplaren vertretene jüngere Material aus dem 18. Jahrhundert ist
aufgrund der Marken oder Stieltexte Werkstätten in den Niederlanden und dem
Westerwald zuzuweisen. Es ist ferner ein umfangreicher Bestand an Pfeifenköpfen
des osmanisch/türkischen Typs auszumachen, der ein breites Spektrum
verschiedenartigster Modelle aus dem 17. bis 19. Jahrhundert umfaßt. Die
Produktion aus dem 19. Jahrhundert ist im übrigen nur mit wenigen Exemplaren
vertreten, die aber mit Ausnahme der drei Schemnitzer Pfeifen alle zum Typ der
Kaffeehauspfeifen gehören. Pfeifen aus Konkurrenzmaterialien wie Porzellan und
Meerschaum sind nur mit zwei Fragmenten bzw. einem glatten Pfeifenkopf
vertreten.
Nach dem Vortrag bestand für die TeilnehmerInnen Gelegenheit, die
Tonpfeifenfunde von der Veste Oberhaus im Original zu sehen. Den Abschluß des
Nachmittagsprogramms bildete der Rundgang mit fachkundigen Erläuterungen
von Herbert Feldmeier durch die Ausstellung "Ritterburg und Fürstenschloß". Die
Ausstellung greift zahlreiche Aspekte zur Geschichte der Veste Oberhaus u.a.
anhand der erstmals präsentierten archäologischen Funde auf. Dabei beschränkte
sich die Ausstellungsleitung nicht auf historische Fakten, sondern zeigt die Burg,
ihre Bewohner und die Lebensbedingungen in der kulturgeschichtlichen
Entwicklung.
Am Samstag führte eine Exkursion die TeilnehmerInnen in den Bayerischen Wald.
Erste Station war das einzige deutsche Graphitbergwerk Kropfmühl in
Hauzenberg. Sachkundig wurde hier in einem Film und bei der Einfahrt in das
Bergwerk die Geschichte der Gewinnung von Graphit erläutert. Die im Gebiet um
Hauzenberg anstehenden graphithaltigen Tone fanden u.a. im nahegelegenen
Obernzell für die Herstellung von Schwarzkeramik Verwendung, wie
Altbürgermeister Rudolf Hammel bei seiner Führung durch das Keramikmuseum
im Schloß Obernzell, einer Außenstelle des Bayrischen Nationalmuseums
München, erläuterte. Ebenso eindrucksvoll war der Besuch der Zigarrenfabrik Wolf
& Ruhland in Perlesreut, wo ausführlich die manuelle Herstellung von Zigarillos
demonstriert wurde. Den Abschluß der Exkursion bildete der Besuch des
Schnupftabakmuseums in Grafenau, das neben der Vielfalt von Schnupftabakgläsern aus
den Glashütten des Bayerischen Waldes eine beachtliche Sammlung von
Schnupftabakdosen, Tabaktöpfen, Werbematerialien und Literatur zum Thema
zeigt und wo auch die Herstellung von Schnupftabak erläutert wird.
Am Samstagabend trafen sich die TeilnehmerInnen wie bereits am Vorabend zu
einem gemeinsamen Abendessen, an das sich ein intensiver Informationstausch
anschloß. Anhand der mitgebrachten Funde bestand für alle die Gelegenheit,
spezielle Fragen zu diskutieren, eigene Erkenntnisse weiterzugeben oder selbst
Neues zu erfahren. Die Wichtigkeit dieser Form der zwanglosen gegenseitigen
Information zeigt sich u.a. darin, daß aus mehreren Orten Bayerns und
Österreichs
Tonpfeifen mitgebracht wurden, die sich auch im Passauer Fundspektrum
wiederfinden. Michael Pecht zeigte einen Fundkomplex aus Rüsselsheim, der
einen hohen Anteil von Tonpfeifen aus der Zeit vor 1650 und mit großer
Wahrscheinlichkeit auch Produkte aus frühen deutschen Produktionsstätten
enthält.
Am Sonntag referierte Ralf Kluttig-Altmann aus Leipzig über Neufunde aus der
sächsischen Metropole. Erstmals werden die Tonpfeifenfunde aus 45, seit 1990 in
Leipzig durchgeführten Grabungen systematisch aufgenommen und interpretiert.
Exemplare aus dem 17. Jahrhundert sind nur in geringer Zahl vertreten, wobei ein
besonders großer doppelkonischer Pfeifenkopf von 60 mm Höhe und 40 mm Breite
mit einer Marke (ein Hufeisen umfaßt eine gekrönte Rosette mit den Initialen R B)
hervorzuheben ist. Tonpfeifen aus dem 18. Jahrhundert zeigen das vielerorts in
vergleichbarer Weise vorhandene Spektrum niederländischer Importe, wobei offenbar
die Pfeifenbäckerfamilie Verzijl als wichtigster Lieferant zu nennen ist, und
deutscher Produkte, u.a. aus Grimma. Ziel von R. Kluttig-Altmann ist auch, für die
Bearbeitung insbesondere der Stieldekore eine offene Systematik zu entwickeln,
um sich künftig die Wiederholung langwieriger Beschreibungen ersparen zu
können.
Dieser Vorschlag wurde in der Diskussion allgemein begrüßt und die
Notwendigkeit unterstrichen, Kopfformen, Marken, Stieltexte und Dekore
systematisch zu erfassen, zumal der Forschungsstand seit der Mitte der 1980er
Jahre erheblich vorangeschritten ist. Der Tagungsleiter verwies auf ähnliche
Forderungen, die beim ersten Schweizer Tonpfeifenkolloquium in Liestal/CH (vgl.
unten) laut geworden sind. Das nächste Treffen des Arbeitskreises 1999 wird sich
intensiv mit diesen Fragen beschäftigen.
Maren Weidner aus Kiel berichtete über die Entdeckung von Skeletten in der
Neustadt von Rendsburg, die offenbar in größter Eile und ohne Särge bestattet
wurden. Zwischen den Knochenresten fanden sich zahlreiche Tonpfeifenfragmente, die
zur Klärung und Datierung der ungewöhnlichen Bestattung herangezogen
werden sollten. Die Vermutung, es handele sich um Seuchenopfer, bestätigte sich
nicht, da die letzten Epidemien Rendsburg 1705 und 1711 heimsuchten, die
Tonpfeifen aber überwiegend jüngeren Datums sind. Auch wenn durch die
Analyse der Tonpfeifenfunde noch keine Erklärung für die Skelettansammlung
gefunden werden konnte, so widerlegen sie doch die ursprüngliche Theorie.
Indirekt geben sie einen wichtigen Hinweis für die - trotz der angestellten
anthropologischen Untersuchungen bisher nicht mögliche - Datierung der Skelette,
indem zahlreiche Gebisse eine deutliche Abrasion zeigen. Stets sind vier Zähne
betroffen (Eckzahn und erster Backenzahn oben und unten), bei denen die
Abrasion ein rundes Loch bildet, das durch den langjährigen Gebrauch von
Tonpfeifen erklärt werden kann.
Mit großer Quellen- und Detailkenntnis referierte Walter Morgenroth, Tutzing, über
"Das aufsteckbare Pfeifenrohr. Zur Entwicklung von 1600 bis 1900". Bereits in den
frühesten bekannten Beschreibungen des Rauchens aus der Türkei vom Beginn
des 17. Jahrhunderts werden bis zu 100 cm lange, aus mehreren Teilen zusammengesetzte
Rohre erwähnt. Die Form der Gesteckpfeifen fand durch die
Türkenkriege auch im christlichen Europa rasche Verbreitung, wobei die
medizinische Literatur das Rauchen aus langstieligen Pfeifen besonders
propagierte. Auf die im deutschsprachigen Raum zunächst sehr dünnen und
langen Pfeifenrohre wurden schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts Mundstücke
aufgesteckt. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Rohre kürzer, dicker
und mehrteilig. Dies bot den Drechslern die Möglichkeit, verschiedene Materialien
zu kombinieren und die Rohre aufwendig zu gestalten. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts
ist ein Rückgang in der kunstvollen Gestaltung der Pfeifenrohre und Mundstücke
zu beobachten.
Bereits 1991 hatte der Arbeitskreis in Schwedt an der Oder getagt und sich vor Ort
über den Tabakanbau in der Uckermark informiert. Von besonderem Interesse war
daher der gezeigte, von Dr. Lutz Libert in Zusammenarbeit mit dem Institut für den
wissenschaftlichen Film in Göttingen gedrehte Videofilm "Früher haben wir den
Tabak geliefert! Tabakanbau in der Uckermark 1993/94", der mehr als ein Dokumentarfilm
über die Arbeiten der Tabakbauern im Laufe eines Jahres ist.
Anschaulich und durch Aussagen Betroffener eindringlich unterstützt, werden die
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen seit 1989 und die Auswirkungen
auf die Region aufgezeigt sowie die ungewisse Zukunft der kleinen
Tabakbauern ebenso wie der großen Agrarbetriebe vermittelt. In Vierraden, einem
der wichtigsten Anbauorte in der Uckermark, entsteht zur Zeit unter Leitung von L.
Libert ein neues Tabakmuseum (Tabakmuseum Vierraden, Breite Straße 15,
16306 Vierraden).
Über "Urlaubsandenken aus Italien - Pfeifen von der Adria" berichtete Rüdiger
Articus, Hamburg-Harburg. Tonpfeifen aus italienischen Produktionsorten wie
Genua, Neapel, Bassano und besonders aus dem bedeutendsten Produktionsort
Chioggia bei Venedig sind in Deutschland im Fundmaterial eher selten
anzutreffen, tauchen aber in Sammlungen gelegentlich auf. Die von der Mitte des
17. Jahrhunderts bis 1945 reichende Produktion Chioggias umfaßt ausschließlich
Pfeifenköpfe, für die gelb- und rotbrennenden Tone aus dem Podelta Verwendung
fanden und drei Produktionsperioden zugeordnet werden können: Wurden bis ca.
1750 vorwiegend hohe, glatte Köpfe hergestellt, herrschten danach bis ca. 1850
reich verzierte, oft faßförmige oder figürlich ausgestaltete Pfeifenköpfe vor. Ab 1850
bis 1945 orientierten sich die offenbar häufig nur nebenerwerblich arbeitenden
Pfeifenbäcker an dem Angebot international führender Pfeifenfabriken wie
Gambier und griffen deren Modelle auf. Durch den Tourismus wurde in den 1980er
Jahren die Herstellung von Tonpfeifenköpfen in Chioggia in bescheidenem
Umfang wieder aufgenommen.
Zum Abschluß der Tagung berichtete Martin Kügler über das "Erste Schweizer
Tonpfeifenkolloquium in Liestal", das am 26. März 1998 auf Initiative von Dr.
Michael Schmaedecke, Liestal, stattgefunden hat. In seiner Einführung betonte M.
Schmaedecke den geringen Forschungsstand in der Schweiz und daß Tonpfeifen
in archäologischen Fundkomplexen kaum beachtet werden. Da in der Schweiz die
Produktion von Tonpfeifen bisher nicht nachgewiesen ist, kommt der Kenntnis der
deutschen, niederländischen und französischen Importware bei den Bearbeitern
des Fundmaterials besondere Bedeutung zu. In ihren Referaten berichteten daher
Dr. Ralph Röber aus Konstanz über Pfeifenfunde im südwestdeutschen Raum, Dr.
Inken Jensen, Mannheim, über Produkte aus Mannheim und Frankenthal, und M.
Kügler über den Export von Tonpfeifen aus dem Westerwald. Von den Schweizer
Kollegen wurde mehrfach angeregt, die in den letzten zwanzig Jahren international
erarbeiteten Ergebnisse zusammenzufassen, um die Beschäftigung mit dem
Fundgut zu erleichtern. Der Vorschlag wurde von M. Schmaedecke aufgegriffen
und ein erster "Leitfaden zur Erfassung und Beschreibung von Tonpfeifen" als
Anhang zu dem Tagungsband angekündigt, der Ende 1998 in der vom
Kantonsmuseum Baselland herausgegebenen Reihe "Archäologie und Museum"
erscheint (Red.: siehe bei den Neuerscheinungen). Der Tagungsband
wird außerdem um einen Beitrag über spezielle, nur für den Export produzierte Modelle der
Pfeifenbäcker in der niederländischen Stadt Gouda und einen Beitrag über die
Geschichte des Rauchens in Basel ergänzt werden.
Aus der Arbeit des Arbeitskreises teilte der Berichterstatter mit, daß ein langsam,
aber stetig wachsendes Interesse von privater und öffentlicher Seite an den
Themenbereichen "Tonpfeifen und Pfeifenbäckerei" zu konstatieren ist. Dies äußert
sich auch darin, daß Funde von Tonpfeifen in zunehmendem Maße in universitären
Examensarbeiten berücksichtigt werden, und die BearbeiterInnen im Arbeitskreis
ein Forum finden, zunächst selbst Hinweise und Informationen zu erhalten und
später ihre Ergebnisse im Vortrag und als Aufsatz in der Zeitschrift "Knasterkopf -
Mitteilungen für Freunde irdener Pfeifen" zu präsentieren.
Das elfte Heft des "Knasterkopf" mit den Beiträgen der letztjährigen Tagung in
Nordhausen ist im Druck; Heft 12/1999 wird u.a. die in Passau vorgetragenen
Referate enthalten. In Arbeit ist ein Register für die Hefte 1 bis 10,
das bis Jahresende 1998 vorliegen soll.
Das nächste Treffen des Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen wird am 1.
und 2. Mai 1999 in Einbeck stattfinden. Neue Interessenten sind stets willkommen.
Für das Jahr 2000 sprach Dr. J. Ewald, Direktor des Kantonsmuseum Baselland,
während des ersten Schweizer Tonpfeifenkolloqiums eine Einladung des
Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen nach Liestal aus, die der
Berichterstatter als Leiter des Arbeitskreises dankend angenommen hat.
Das zwölfte Treffen des Arbeitskreises zur Erforschung der Tonpfeifen schloß mit
dem Dank des Tagungsleiters an alle Referenten für ihre Beiträge und ihr
Engagement. Der Stadt Passau und insbesondere dem Oberhausmuseum war für
die weitgehende Übernahme der Organisationskosten und der Bereitstellung der
Räumlichkeiten zu danken. Besonders zu danken ist Herrn Feldmeier, der
unauffällig, aber sorgsam und zuverlässig für angenehme Tagungsbedingungen
sowie eine reibungslose Organisation vor und während der Tagung gesorgt hatte.
Martin Kügler
Am 15.10.1998 hatte das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zum
5. Kolloquium zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Mecklenburg-Vorpommern
nach Neubrandenburg eingeladen. Im einleitenden Referat legten Bernhard Ernst und Dr. Jörg
Ansorge erste Ergebnisse der Großgrabung in der Rakower Straße 1-13 in Greifswald dar. Hierbei
konnten große Teile des ehemaligen Beginenkonvents, der dem nahegelegenen Franziskanerkloster
unterstellt war, freigelegt werden. Neben bemerkenswerten Baubefunden aus diesem
Bereich ist besonders auf einen englischen Schiffsnobel des 14. Jahrhunderts hinzuweisen. Aus
den anderen Grabungsarealen erregten ein norwegisches Specksteingefäß, eine baltische
Hufeisenfibel und ein Kalkbrennofen des 13. Jahrhunderts besonderes Interesse.
Die bisher reichhaltigsten frühneuzeitlichen Fundkomplexe aus Mecklenburg-Vorpommern
stellten Ralf Mulsow und Mario Niemann vor. Es handelt sich um Funde aus Schwindgruben des
Rostokker Pädagogiums. Zu dem sehr interessanten Material gehören tragbare Tintenfässer,
Schreibgriffel, diverse Messer, Möbelteile, Schiffsmodelle, ein Vogelkäfig und zahlreiche Reste
irdener Lavabos.
Dr. Ulrich Müller von der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald legte Gedanken zur
Interpretation und Deutung von Tischgeschirr dar.
Über den Fund eines neuen Schiffswracks aus der Wismarer Bucht berichtete Thomas Förster.
Bei dem Wrack handelt es sich um ein mittelgroßes Schiff des 15. Jahrhunderts. Im stark
fragmentierten Schiffsrumpf konnten unter anderem Zinnteller, Holzschalen, Keramik und ein
Pilgerzeichen entdeckt werden.
Mehrere Kurzbeiträge bildeten den zweiten Teil der Veranstaltung.
Rico Matthey sprach über die zweijährigen Grabungen im Ribnitzer Klarissenkloster, bei denen
klosterzeitliche und jüngere Bestattungen und zahlreiche Baubefunde dokumentiert wurden. Zu
den Funden zählen mehrere Schreibgriffel, eine Tuchplombe und eine reich verzierte
spätmittelalterliche Grabplatte. Aus dem Neubrandenburger Minoritenkloster stellte Rainer Szczesiak
mindestens eine Warmluftheizung vor.
Heiko Schäfer legte erste Ergebnisse der Greifswalder Marktplatzgrabung dar, die eine Fläche
von 11.000 m2 umfaßte. Das wichtigste Ergebnis ist der Nachweis eines 50 x 7 m großen,
Ost-West ausgerichteten Holzgebäudes aus der Zeit um 1270, das auf dem großen Markt stand
und eventuell als Markthalle gedient hatte.
Bei bauparallelen Untersuchungen in der Wittenburger Altstadt konnten nach Aussage von Mieczyslaw Grabowski
ein mittelslawischer Burgwall und zahlreiche Straßenbeläge nachgewiesen
werden.
Hartmuth Stange gab einen kurzen Überblick über mehrjährige Untersuchungen
in der Friedländer Altstadt. In einer bis dahin unbekannten altslawischen Burganlage
fand sich typische Keramik des 8./9. Jahrhunderts.
Heiko Schäfer
Der Freistaat Bayern ist mit einer Fläche von 70.553 m2 bei 11.922 Millionen Einwohnern (Stand
1995) das größte Bundesland Deutschlands. Die Verwaltung ist von Nord nach Süd indie sieben
Regierungsbezirke Unterfranken (Verwaltungssitz Würzburg), Oberfranken (Verwaltungssitz
Bayreuth), Mittelfranken (Verwaltungssitz Ansbach), Oberpfalz (Verwaltungssitz Regensburg),
Schwaben (Verwaltungssitz Augsburg), Oberbayern (Verwaltungssitz München) und
Niederbayern (Verwaltungssitz Landshut) gegliedert.
Mittlerweile wurde für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung
Bodendenkmalpflege, mit Sitz in der Landeshauptstadt München (Hofgraben 4, 80539 München, Tel.
089/2114294, Abteilungsleitung Dr. Erwin Keller, Referat Großgrabungen Dr. Karlheinz Rieder) in
allen Regierungsbezirken archäologische Außenstellen eingerichtet. Sie liegen für
Dazu kommt ein
Die archäologischen Außenstellen betreuen, freilich mit verschiedener Gewichtung, alle Perioden
der Menschheitsgeschichte, einschließlich der Neuzeit. Das 1966 eingerichtete Referat für
Mittelalter-Archologie ist seit 1980 anderweitig besetzt, ein Umstand, der die Entwicklung des
Fachs zwar nicht unbedingt behinderte, aber der immens gewachsenen Bedeutung von Untersuchungen
mittelalterlicher Objekte nicht gerecht wurde. Ansonsten verbesserte sich seit den Siebzigerjahren
trotz der anhaltend schwierigen Finanzsituation die personelle Ausstattung der
Dienststellen im Freistaat doch erheblich. Da zur Zeit in der archäologischen Denkmalpflege
Verwaltungs- und Personalumstrukturierungen durchgeführt werden, die vor allem München,
Ingolstadt und Regensburg betreffen, sind noch in diesem Jahr einige Änderungen zu erwarten.
Der aktuelle Personalstand sowie die Adressen sind jeweils der im Herbst erscheinenden neuen
Ausgabe von Das archäologische Jahr in Bayern zu entnehmen.
Den seit den Fünfzigerjahren stetig ansteigenden Bautätigkeiten in den Städten und an deren
Rändern wurde in Bayern erst verhältnismäßig spät mit der Schaffung von Stadtarchäologen
Rechnung getragen. Von einer auch nur annähernd flächendeckenden Versorgung mit derartigen
Institutionen kann gegenwärtig jedoch nicht die Rede sein. Sie beschränken sich bislang auf
In einigen Regionen mit einer besonderen Dichte archäologischer Fundstellen wurden in den letzten beiden Jahrzehnten Dienststellen für Kreisarchäologie eingerichtet. Dies gilt für die Landkreise
Einige Museen, so etwa
aber auch kleinere Regionalmuseen oder historische Vereine, führten in der Vergangenheit im
Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Ausgrabungen durch. Großflächigere
Untersuchungen wurden in den letzten Jahren vermehrt an private Grabungsfirmen vergeben.
Mit Instituten, Lehrstühlen oder Professuren für Archäologie (ausgenommen Klassische
Archäologie) sind die Universitäten von
ausgestattet.
Lediglich an der Universität Bayreuth und an der katholischen Universität
Eichstätt fehlen archäologische Fächer. Ein Lehrstuhl für Archäologie des
Mittelalters und der Neuzeit mit der
Planstelle eines Grabungstechnikers besteht nur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die
aktuellen Adresse, Personalausstattungen und Lehrveranstaltungen sind jeweils der
Zusammenstellung, begründet von Otto Kleemann. Bonn. zu entnehmen. In unterschiedlicher
Intensivität und mit verschiedenen regionalen Schwerpunkten übernehmen auch die Universitäten im
Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege archäologische Untersuchungen. Als
jährlich erscheinenden Publikationsorgan, in dem die wichtigsten Aktivitäten der archäologischen
Denkmalpflege vorgestellt werden, sei auf Das archäologische Jahr in Bayern 1980 ff. (Stuttgart
1981 ff.) verwiesen. Dazu kommen eine mittlerweile große Anzahl regionaler Schriften, deren
Auflistung hier zu weit führen würde. Als landesweite Vertretung aller an der Archäologie
interessierter Personen versteht sich die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. (Geschäftsstelle:
Hofgraben 4, 80539 München).
Hans Losert